MP3-Schallplatte Vinyl und digital zugleich


Zwei britische Musiklabels verknüpfen die gute alte Schallplatte mit dem digitalen MP3-Format. Und dabei muss die Vinylscheibe nicht in den iPod hineingestopft werden.
Von Matthias Lauerer

Zwei englische Labels verbinden die Vergangenheit mit der Gegenwart. Sie bieten MP3-Schallplatten an. Dabei befinden sich digitalen Musikdaten nicht auf der Scheibe selbst. Jeder Käufer erwirbt das Recht, im Netz das Album auch noch kostenlos als MP3-Dateien herunterzuladen. So werden Plattenspieler und iPod & Co. gleichermaßen mit Musik versorgt. Besonderer Clou: Die heruntergeladene Musik kommt in guter Qualität daher (320 kbps) und wird außerdem nicht durch Digitales Rechte-Management in der Nutzung eingeschränkt.

First Word Records aus der englischen Stadt Leeds hatte die neue Idee zuerst. Saddle Creek ist inzwischen gefolgt. Zielgruppe des HipHop-Labels First Word sind Discjockeys, die nach neuer Technik gieren und trotzdem noch die alte Vinyl-Technik lieben. In dieser Szene findet man den DJ, der auf alten Märkten nach Schätzchen aus der Zeit der schwarzen Scheiben sucht, wie auch den hippen Plattenaufleger, der seine Musik-Sammlung schon längst auf MP3 umgestellt hat und die tanzende Menge per Knopfdruck bespielt. Das von der Firma "DigiWax" genannte Prinzip will so zwei unterschiedliche Formate zusammenführen. Nach Unternehmens-Aussage sind die Platten wunderschön verziert. In der Hülle befinden sich die Daten für den Internet-Download. Käufer müssen zu der aufgedruckten Webadresse surfen. Danach werden Username und Passwort eingegeben. Jetzt muss der Käufer der Schallplatte nur noch auf den Link "Get my download" klicken und erhält dann das komplette Album des Künstlers als Zip-Datei auf seinen Computer. Vier Alben stehen zurzeit zum Download bereit.

Auf der Homepage lobt sich die kleine Plattenfirma:" Sind wir nicht großzügig?" Dabei möchten die Macher aus Leeds mit diesem Format einen "kleinen Beitrag leisten, das von uns so geliebte Schallplatten-Format zu retten." Auch die weitere Idee der Labelchefs ist pfiffig: Bei herkömmlichen CDs wird die limitierte Edition auch auf einem USB-Stick mitgeliefert, der sich später auch anders nutzen lässt.

Digitale Musik lässt sich besser tragen

Dieser Doppel-Schlag kann für den Arbeitsalltag eines DJs sinnvoll sein. Denn was geschieht, wenn die seltenen Platten, lange gesucht und gehegt, Schaden nehmen, während sie mit dem DJ auf Tour sind? Ein Schluck Bier oder Jägermeister auf dem Cover oder ein feiner Haar-Riss im Vinyl zerstören das teure Relikt. Doch DJs unserer Zeit können froh darüber sein, dass ihre Platten aus PVC bestehen. Zu Anfang wurden Schallplatten noch aus dem Natur-Rohstoff Schellack gefertigt. Doch dieser war teuer und sehr anfällig für Störungen. Und so kam man 1948 auf die Idee, die erste Schallplatte aus Polyvinylchlorid (PVC) herzustellen. Trotzdem sind die Worte des Mitbegründers von First Word Records, Andy H., nur verständlich: "Wegen des Gewichts und der schieren Größe muss ich bei der Auswahl der Schallplatten sehr selektiv vorgehen, wenn ich auf Tour bin", sagte er dem Online-Dienst "Wired.com".

Interessant ist die Idee - und so kommt das mittlerweile seit dreizehn Jahren auf PCs genutzte alte "MPEG-1 Audio Layer3 Format" zu einer neuen und ungewohntem Verbindung. Denn obwohl die große Zeit der Schallplatten längst beendet ist, gibt es die Scheiben immer noch. "Die Schallplatte lebt. Es gibt bei uns auch viele Mitarbeiter im Haus, die noch in Plattenläden gehen, weil sie den Klang mögen", sagt Katja Neese, Director Corporate Communications bei "SonyBMG", zu stern.de. So bleibt es spannend, ob auch große Labels die Idee aus England aufnehmen werden.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker