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MUSIK-DOWNLOADS: Klauen schlägt Kaufen

Mit eigenen Download-Angeboten will die Plattenindustrie illegalen Tauschbörsen Konkurrenz machen - bislang ohne Erfolg.

Einfacher geht es illegal. Man installiert eine Tauschsoftware, gibt seine Lieblingsband ins Suchfeld ein und klickt anschließend das beste Ergebnis an. Nach ein paar Minuten hat man das Lied auf dem PC und kann damit machen, was man will - sofort hören, auf CD brennen, im MP3-Player abspielen. Ohne Aufpreis. Kinderleicht. Nur eben nicht erlaubt.

Legal, aber mager

Wer Musik aus dem Internet laden und sich an Recht und Gesetz halten will, hat es nicht so leicht. Nicht nur, dass das Herunterladen Geld kostet, auch sonst können die legalen Dienste mit der illegalen Konkurrenz nicht Schritt halten. Zwar ist es schon ein Fortschritt, dass die Plattenindustrie nach Jahren des Zögerns inzwischen überhaupt legale Download-Möglichkeiten anbietet. Doch das Angebot ist mager.

Pioniere mit Kinderkrankheiten

Gerade mal einen einzigen ernst zu nehmenden Anbieter gibt es in Deutschland, der rechtlich unumstritten ist: popfile.de. Legale US-Seiten wie Musicnet und Pressplay haben ihr Angebot noch nicht auf Europa ausgedehnt. Das auch hier zulande beliebter werdende spanische Angebot weblisten.com ist zwar komfortabel, bewegt sich aber in einer rechtlichen Grauzone.

Hürdenlauf

Bleibt Popfile. Zwar hat das Web-Angebot des Plattenkonzerns Universal einige Hit-Interpreten im Sortiment. Doch attraktiv ist der Dienst nicht. Um die Urheberrechte zu wahren, hat Popfile digitale Hürden eingebaut, die das ungehinderte Weiterverbreiten der Dateien verhindern sollen: So lässt sich die Musik zunächst nur mit der Popfile-eigenen Software »MyPlaylist« anhören, die man erst herunterladen muss. Zwar können die Stücke auch in das verbreitete MP3-Format umgewandelt werden, doch das funktioniert nur umständlich mit Zusatz-Software.

Weiterer Nachteil: Popfile ist teuer. Zum Download-Preis von 99 Cent pro Stück kommen die Verbindungsgebühren zum Internet und der Preis für einen Rohling. Bei einer kompletten CD (mit zwölf Titeln) landet man so bei gut 14 Euro - und das ohne Hochglanzcover und in verminderter Klangqualität, weil die Dateien, die über das Netz geladen werden, komprimiert sind. Wenn überhaupt, lohnt sich das Angebot deshalb nur zum Herunterladen einzelner Hits.

Nur aus dem eigenen Haus

Doch das geht auch nur dann, wenn der gewünschte Interpret bei Universal unter Vertrag ist - Popfile bietet nämlich nur Songs von hauseigenen Künstlern an. Und andere Plattenfirmen haben in Deutschland bislang noch gar keine eigenen Download-Angebote.

Allein kommt keiner weiter

Dass sich das ändern soll, darüber sind sich die Konzerne inzwischen allerdings einig. Zurzeit laufen Gespräche zwischen den fünf größten Plattenfirmen, damit die jeweiligen Download-Portale auch Stücke der Konkurrenz-Unternehmen anbieten dürfen.

Bis das aber auch hierzulande Realität wird, werden wohl noch Monate vergehen. Solange läuft der Download woanders weiter - illegal natürlich. Geht ja auch leichter.

Ulf Schönert

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