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TV, DVD und Heimkino: Flachmänner

Die Röhre geht unter, und mit der Dachantenne ist es auch bald vorbei: Die Internationale IFA zeigt das komplett digitale Heimkino.

Egal, wie alt die Glotze ist: Wer nur abgenudelte VHS-Cassetten aus der Videothek gewohnt ist und zum ersten Mal zu Hause einen Film auf DVD sieht, wird das knackigere Bild und den brillanten Ton sofort bemerken - und sogleich erkennen: Digital ist besser als analog.

Rund zehn Millionen deutsche Haushalte haben dieses Aha-Erlebnis bereits hinter sich; allein im vergangenen Jahr stieg die Zahl der verkauften DVD-Player laut Berechnungen der Gesellschaft für Unterhaltungselektronik um mehr als 200 Prozent auf 4,9 Millionen. Doch die Abspielgeräte für Filme auf Silberscheibe - als Billigvariante inzwischen schon für deutlich weniger als 100 Euro zu haben - waren nur die Einstiegsdroge: Auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin propagiert die Branche in dieser Woche die totale Digitalisierung des Wohnzimmers. Wo es früher nur Visionen und Prototypen zu sehen gab, stehen jetzt Produkte, die man kaufen kann: Platz sparende Flachbildschirme fürs Heimkino, intelligente Aufnahmegeräte fürs Fernsehprogramm und Funkstationen, die Heimkinoanlage und Computer verbinden, der als Musikbox, Fotoalbum und Filmarchiv dient.

Die Röhre guckt bald in selbige

Die Röhre ist tot - das ist die folgenschwerste Aussage der Industrie für Deutschlands Wohnzimmer. In wenigen Jahren werden die ersten Hersteller die Produktion von Röhrenfernsehern einstellen. Flachbildschirmen gehört die Zukunft - vor allem denen mit Flüssigkristall-Display (LCD), bei größeren Formaten auch der Plasmatechnik.

Die Platzersparnis, das elegante Design und das gerade bei LCD-Monitoren extrem scharf wirkende Bild scheinen unwiderstehlich. Ein Blick auf die Preisschilder allerdings dürfte auf Schnäppchen geeichte Konsumenten erblassen lassen. So kostet ein LCD-Fernseher im Kinderzimmer-Format von 38 Zentimeter Bilddiagonale schnell mehr als 500 Euro. Und beim fußballtauglichen Schrankwandformat von 80 Zentimeter wird oft bereits die 5000-Euro-Grenze berührt.

Kaum jemand hängt den Fernseher an die Wand

Systembedingte Schwächen wie die starke elektromagnetische Strahlung bei Plasmaschirmen und die Schwierigkeiten vieler LCD-Monitore, ein sattes Schwarz darzustellen, sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. Doch die Branche verspricht Besserung: Nicht nur immer größer, sondern auch sehr viel billiger sollen die LCD-Fernseher werden. Eine Vision, das hat die Erfahrung mit den Flachmännern bereits gezeigt, war völlig falsch: Kaum jemand hängt sich den Monitor wie ein Bild an die Wand - das würde nämlich in Kniehöhe hängen, damit vom Sofa aus bequem ferngesehen werden kann. Elegante Ständer gehören also zur Standardausrüstung.

Vernetzung total

Weil Flachbildschirme digitale Signale direkt anzeigen können, sind sie perfekt geeignet für das Zusammenspiel mit DVD-Playern und anderer computerisierter Unterhaltungselektronik. So etwas zeigt Gerhard Faltner, 34, im "Connected Home Lab" des Philips-Konzerns in Wien. Er drückt auf einer Fernbedienung die Taste "PC-Link". Auf einem Fernseher erscheint eine Liste aller drahtlos im Haus vernetzten Geräte. Jeden als MP3-Datei gespeicherten Song kann der Marketing-Manager direkt abrufen - egal, in welchem Zimmer der Modellwohnung er gerade ist. Tausende von Internetradiostationen lassen sich genauso einstellen - sie werden direkt über die Online-Verbindung heruntergeladen. Als Faltner eine CD von Tori Amos einlegt, ruft die ebenfalls drahtlos vernetzte Musikanlage aus einer Internetdatenbank die Angaben zu allen Titeln ab und zeigt sie auf dem Display an.

Funksysteme, wie sie Philips und andere Hersteller bei dieser IFA zeigen, schlagen erstmals die Brücke zwischen dem PC auf dem Schreibtisch und der bislang isolierten Unterhaltungselektronik im Wohnzimmer - ohne gleichzeitig neues Kabelgewirr zu verursachen.

Der Inhalt kommt von irgendwo

Wer mit Musiktruhe groß und über Kompaktanlage und Midi-Turm älter geworden ist, muss umdenken: "Früher legte man eine CD, eine VHS-Cassette oder eine DVD ein. Jetzt kommt der Inhalt von irgendwo, von einer Festplatte im PC oder direkt aus dem Netz", sagt Faltner. Ein aufmerksamer Ehemann kann seine Liebste zum Geburtstag vom Schreibtisch aus mit ihrer Lieblingsetüde von Chopin wecken. "Oder ich stelle eine Diaschau mit digitalen Fotos am PC zusammen und schaue sie mir dann mit Freunden auf dem Fernseher an", sagt Gerhard Faltner. Auch Musikvideos, Filmtrailer oder Glücksspiele können so über Internet und digitalen Hausfunk auf dem Fernseher laufen.

Abschied vom Zeitplan der Sender

Ein digitaler Recorder, der Fernsehsendungen auf Festplatte zwischenspeichert und zum Archivieren auf DVD brennt, fehlt noch im Connected Home Lab von Philips. Der Konzern möchte Ärger mit der Filmindustrie vermeiden. Der könnte entstehen, wenn auf Geräten von Philips illegal heruntergeladene Filme gespeichert und gebrannt würden. Dabei wird die Technik von vielen anderen Herstellern erfolgreich angeboten - und macht das Fernsehen viel komfortabler: Wer nach dem Joggen den Beginn des "Tatorts" verpasst hat, "spult" einfach auf dem Digitalrecorder zum Anfang zurück und sieht den Krimi zeitversetzt, während der Recorder weiter aufnimmt. Noch vielseitiger sind spezielle Computer, so genannte Medienserver. Sie speichern und verteilen im Haus nicht nur Fernsehsendungen, sondern alles, was digital vorliegt: Filme, Musik, Fotos, Hörbücher.

90 Kanäle…

Was allerdings nützt die ganze schöne Technik, wenn in der Glotze nichts als Wiederholungen und blöde Talkshows laufen? Rudolf Kaiser, 43, kennt solche Probleme nicht mehr. Fast 90 Fernsehkanäle und ebenso viele Radiosender halten den Elektrotechniker bei der Wiener Straßenbahn ganze Nächte hindurch wach: "Am Wochenende schau ich schon mal durch und schlafe nicht, wenn rund um die Uhr was Interessantes ist." Rudolf Kaiser hat das digitale "Komplettpaket" von UPC Telekabel gebucht. Dazu gehören außerdem ein schneller Internetzugang, ein Handyvertrag und ein Telefon-Festnetzanschluss mit einer gemeinsamen Nummer.

Kaisers Videocassetten verstauben im Regal: "Die Qualität beim Filmabrufdienst Arrivo ist wesentlich besser", sagt der Vielgucker. Die digitale Kabelempfangbox hat Kaiser auch an seinen PC angeschlossen: "Gute Filme nehme ich auf und brenne sie mir auf DVD." Wenn ein Formel-1-Rennen ansteht, chattet der Sportfan vor dem Start mit Internetbekanntschaften etwa aus Kanada oder fährt sich mit ihnen online bei dem Spiel "Grand Prix 3" schon mal warm. Gut 90 Euro zahlt Kaiser für die digitale Rundumversorgung pro Monat. Nur die Handygebühren zahlt er extra.

Zwangsdigitalisierung in Berlin

Schöngeister kokettieren gern damit, keinen Kabelanschluss zu haben und nur über ein Schwarzweiß-Portable mit Drahtbügelantenne ein paar Sender zu empfangen. In Berlin wurden diese Glotzmuffel gerade aus ihrem Paradies vertrieben. Seit Anfang August sind dort alle analog über Antenne ausgestrahlten Programme abgeschaltet. Wer nicht per Kabel (wie rund 80 Prozent der Berliner) oder Sat-Schüssel TV empfängt, guckt ins Leere. Per Antenne wird Fernsehen dort nur noch digital ausgestrahlt. Die dafür nötigen DVB-T-Decoder (Digital Video Broadcasting - Terrestrial) zahlt in Härtefällen sogar das Sozialamt.

Die Vorteile der digitalen Technik, die auch in anderen Ballungsräumen kommen soll: Rund 26 Programme bietet der Digitalantennenempfang, fast so viel wie das herkömmliche Kabel. Dafür genügt eine kleiner Stummel am Decoder - das Ende für ein weiteres klassisches Symbol aus der Zeit, als die deutsche TV-Nation im Wirtschaftswunder erstarkte: Die Dachantenne ist überflüssig.

Dirk Liedtke / print
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.