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Usability: Der geführte Hichtech-Nutzer

Klar, Technik muss funktionieren, aber das reicht längst nicht mehr, um Kunden zu begeistern. Inzwischen setzen Hersteller von elektronischen Geräten auf Design und intuitive Benutzerführung. In Moskau zeigte der Philips-Konzern seine Vision einer perfekten Technik-Welt.

Von Andreas Albes

Der holländische Elektronikkonzern Philips macht aus seiner Suche nach "Simplicity"-Lösungen alljährlich einen Mega-Event, zu dem hunderte Journalisten aus aller Welt anreisen. Heuer wurden sie nach Moskau auf den Roten Platz eingeladen, wo die Ingenieure ein Zelt von Oktoberfest-Größe aufgebaut hatten, um ihre Technik der Zukunft zu präsentierten; etwa den beleuchteten Baby-Schnuller, den rückenschonenden Staubsauger "Ergofit" mit "praktischem Kettensägengriff" oder den kinderleicht zu bedienenden Defibrillator "Heartstart FR7" für die schnelle Wiederbelebung zu Hause und unterwegs.

Am meisten Phantasie bewiesen die Küchendesigner Marion Verbucken und Bertrand Rigot mit ihrer Future-Kombüse "Green Cuisine". Deren Herzstück bildet ein riesiger quadratischer Tisch, der so ziemlich alles ist: Kühlschrank, Herd, Komposthaufen, Spüle, Gemüsebeet und eben einfach Tisch. Durch Elektromagnetik kann darauf ein Steak in der Pfanne brutzeln, ohne dass Gefahr besteht, sich an einer Herdplatte die Finger zu verbrennen; Weinflaschen müssen nicht mehr in den Kühlschrank, sondern werden in Behältern aufbewahrt, die sie bei Tischkontakt sofort richtig temperieren.

Organische Abfälle

Der intelligente Supertisch ermittelt außerdem, wie viele Kaffeetassen auf ihm stehen, so dass automatisch die richtige Menge Wasser in den Wasserkocher läuft; und Bananenschalen, Kaffeesatz sowie sonstige organische Abfälle kommen in den integrierten Bokaschi-Komposter, der nach ein paar Wochen runde Erdtaler ausspuckt, mit denen man dekorative Schnittlauch- oder Petersilieinseln auf dem Tisch anpflanzen kann.

Für den Shop-Besitzer der Zukunft präsentierte Philips in Moskau eine Lösung, wie lästiges Umdekorieren von Saison zu Saison bald der Vergangenheit angehört. Das erledigt der Deko-Computer. Dazu bestehen Wände und Decken des Geschäfts aus illuminierten Plexiglasscheiben, die je nach Wetter, Jahreszeit und Feiertagen genau die Beleuchtung abgeben, die den Kunden in maximale Konsumlaune versetzt. Man muss dazu nicht mal ein Knöpfchen drücken. Die Anlage ist mit allen wichtigen Daten gefüttert und außerdem mit dem Wetterdienst verbunden, so dass etwa bei Sturm und Regen ein heimelig warmer Gelbton kauffreundliche Sommerstimmung vorgaukelt. Wie welches Licht wirkt, haben die Holländer unter anderem in Tests an der Hamburger Uniklinik erforscht. Einen solchen Lightshop, "Shoebaloo" in Amsterdam, gibt es bereits, und bei Philips schwört man, dass nirgendwo in der Stadt mehr Schuhe verkauft werden.

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