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Wiederherstellung: Coole Leidenschaft in heißem Sommer

Während alle schwitzen restauriert einer die Geräte, die zu dieser Jahreszeit Höchstleistungen vollbringen müssen: Christian Friedl verhilft alten Kühlschränken zu neuem Glanz.

Ganz Deutschland schwitzt - und einer kühlt. Christian Friedl sammelt und restauriert alte Kühlschränke in seiner Kölner Werkstatt. Rund 200 "Schätzchen" hat er derzeit auf Lager - verchromt, in dezentem Weiß oder Silber, aber auch in Bonbon-Farben wie Rosa, Gelb, Knallrot oder Grün. Nach mindestens 110 Arbeitsstunden verlassen die kostbaren Kühlschränke das Atelier Friedl, um bundesweit an überwiegend private Käufer ausgeliefert zu werden. "Ich bin der einzige in Deutschland, der hauptberuflich Kühlschränke hochwertig restauriert", gibt sich der 37-Jährige überzeugt.

Einmal einen schönen Kühlschrank besitzen

"Die meisten Kunden wollen einmal in ihrem Leben einen richtig schönen Kühlschrank haben", erzählt Friedl, der sein Geschäft 1994 startete. Die Geräte stammen aus aller Welt, vor allem aus den USA. So steht ein Fünf-Sterne-"Admiral" neben einem "Frigidaire" von General Motors - auch ein "Kelvinator" und ein alter "Bauknecht" suchen einen Käufer.

Friedls ältester Kühlschrank ist mehr als 90 Jahre alt und hat damit musealen Wert: "Das Stück habe ich von einem älteren Herrn aus dem Saarland erhalten, es wurde noch mit Stangeneis gekühlt." Viele alte Kühlschränke würden ihm dank "Mund-Zu-Mund-Propaganda" von Privat angeboten, sagt der Restaurator. "Da erhalte ich zum Beispiel den Anruf: Unsere Oma ist gestorben, und wir hätten da noch ein altes Schätzchen für Sie...".

Mehrere Wochen bis zur Fertigstellung

Sechs bis zehn Wochen dauert es, bis sich die verrosteten und teilweise verbeulten Geräte in vollständig restaurierte Designer-Kühlschränke verwandeln. "Wir zerlegen alles komplett und reinigen jedes Teil einzeln", sagt Friedl. Die Verchromung oder Lackierung wird von einem Subunternehmen erledigt. Ein Kühltechniker kümmert sich um Elektrik und Kühltechnik.

Das kühle Geschäft ist einträglich, auch wenn die Geräte ab 1900 Euro aufwärts kosten. "In den ersten Jahren war es nicht einfach, aber mit der Zeit haben wir eine Dynamik bekommen." Zum Programm gehören auch spezielle Geräte, die etwa an der Außentür auf Knopfdruck Eiswürfel "ausspucken", ein Wein-Kühlschrank, ein Zigarren-Kühler oder ein "Fromagair" zur Käse-Aufbewahrung.

Idealismus und die Liebe zum Alten

Aber auch viel Idealismus gehört zum Geschäft, betont der 37-Jährige, der mit seinen zwei freien Mitarbeitern auf jeweils 60 bis 80 Wochenstunden kommt. "Man muss schon einen Herzschlag dafür haben, wenn man diese heruntergekommenen Geräte fertig macht." Ursprünglich hatte der Wirtschaftswissenschaftler bei einem Autobauer in Köln das Qualitätsmanagement geleitet, bevor er den Sprung in die Selbstständigkeit wagte. "Ich hatte schon immer ein Faible für Altes. Als ich dann einem Freund beim Restaurieren seines Kühlschranks geholfen habe, ist der Funke übergesprungen."

Yuriko Wahl / DPA
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