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Smartscreen: Google Nest Hub im Test: Diese kleine Kiste macht Ihre Küche günstig smart

Sprachlautsprecher sind immer beliebter, nun hat Google mit dem Nest Hub sein erstes Modell mit Bildschirm nach Deutschland geholt. Wir haben es getestet und verraten, warum das Streichen eines Features die wohl wichtigste Entscheidung war.

Das Google Nest Home Hub passt mit seinem schlichten Design wunderbar in die Küche

stern.de

Ob Amazon Echo oder Google Home: Sprachlautsprecher werden immer beliebter. Mehr als eine Million Echo-Geräte stünden in deutschen Haushalten, verriet uns der Alexa-Chef in einem Interview. Und: Vor allem der Echo Show, das Modell mit Bildschirm, sei in Deutschland besonders beliebt. Ab heute zieht Google mit seinem Nest Hub nach und bietet seinen ersten Sprachlautsprecher mit Display auch in Deutschland an. Wir haben ihn getestet - und den beinahe perfekten Haushaltshelfer gefunden.

Bei unserem Test des Echo Show fragten wir uns noch: Wo soll dieses Gerät stehen? Beim Nest Hub fiel die Entscheidung schnell, er landete in der Küche. Schließlich braucht man dort am ehesten einen Bildschirm, den man aber nicht zwangsläufig mit den Händen bedienen möchte - etwa, weil die gerade vor Kochzutaten triefen. Die Wahl passte perfekt: Gerade als Rezept-Lieferant oder Unterhaltungsanlage beim Kochen trumpft der Nest Hub auf. Auf Zuruf - als Startbefehl stehen entweder "OK Google" oder "Hey Google" zur Wahl - zeigt er je nach Frage eines oder eine Auswahl von Rezepten. Hat man sich für eines entschieden, führt er komplett sprachgesteuert durch die Schritte, die Zutatenliste bleibt dabei stets am rechten Rand angezeigt. So macht Kochen Spaß.

Beim Kochen zeigt das Home Hub links den aktuellen Schritt und rechts die Zutatenliste

Beim Kochen zeigt das Home Hub links den aktuellen Schritt und rechts die Zutatenliste

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Passabler Entertainer

Nicht ganz so begeisterungswürdig ist die Nutzung als Unterhaltungsgerät. Der Klang des Nest Hub ist für die Größe in Ordnung, aber sicher keine Offenbarung. Er klingt zwar besser als ein Home Mini oder ein Echo Dot, vom Klang eines vollwertigen Home- oder Echo-Modells oder gar von besseren Mini-Lautsprechern wie einem Sonos One oder Apples Homepod ist er aber weit entfernt. So reicht er als einfaches Küchenradio, aber nicht für mehr.

Auch beim Videoschauen gibt es Grenzen: Obwohl Netflix auf dem 7-Zoll-Monitor sicher kein Hochgenuss wäre, ist es doch schade, dass der Hub den beliebten Streamingdienst trotz eingebauten Chromecast gar nicht anzeigen kann. So muss man mit Youtube vorlieb nehmen. Der Google-eigene Dienst wird aber auch nicht sonderlich gut unterstützt. Will man gezielt bestimmte Clips oder aktuelle Inhalte sehen, ist die Steuerung per Sprache nicht gut umgesetzt: Die Auswahl an angebotenen Clips ist deutlich kleiner als bei der Smartphone-Version. Das ist schade. Ein gut funktionierender Workaround: Wählt man den Clip auf dem Smartphone, kann man ihn per Chromecast auf den Bildschirm bringen. Der Vorteil der Sprachsteuerung entfällt so aber.

Sagt man einfach "Hey Google, guten Morgen", bekommt man das Morning-Briefing, mit Wetterbericht und einem Nachrichtenüberblick, inklusive der Tagesschau in 100 Sekunden

Sagt man einfach "Hey Google, guten Morgen", bekommt man das Morning-Briefing, mit Wetterbericht und einem Nachrichtenüberblick, inklusive der Tagesschau in 100 Sekunden

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Kein Sprachgenie

Die ist ohnehin noch verbesserungswürdig. Obwohl Googles Sprachassistent in der Regel Befehle gut versteht, hakt er merkbar, wenn sich deutsche und englische Begriffe abwechseln. Etwa, wenn man die neueste Folge der "Late Show with Stephen Colbert" sehen möchte. Dann wird die Sprachsteuerung zum Glücksspiel. Bleibt man bei Deutsch, funktioniert die Erkennung allerdings auch mit Nuscheln oder durch den Raum rufend meist gut. Dabei kann Google sogar Stimmen erkennen: Wer dem Assistant erlaubt, die Stimmen der Nutzer zu unterscheiden, kann sich dann nur zu diesem Nutzer gehörende Daten wie den Kalender oder die Fahrtinformationen zur Arbeit anzeigen lassen. Empfindet man das als Eingriff in die Privatsphäre, lässt man das Feature einfach ausgeschaltet.

Apropos Privatsphäre: Wie bei anderen Lautsprechern lässt sich auch beim Nest Hub das Micro mit einem kleinen Schalter auf der Rückseite abschalten. Auf ein besonders invasives Feature hat Google gleich verzichtet: Anders als der Echo Show hat der Nest Hub keine Kamera. Vielen Skeptikern dürfte das entgegenkommen, eine in die Wohnung schauende Kamera empfinden schließlich viele Menschen noch einmal als deutlich gruseliger als ein Mikrofon. Ein kleiner Nachteil: Videotelefonie gibt es so nur einseitig. Da Google dafür auf seine kaum genutzte Eigenentwicklung Duo setzt, lässt sich das aber verschmerzen.

Auf der Rückseite des Home Hub befinden sich der Stummschalter (oben) und die Lautstärke-Wippe (rechts). Ganz ausschalten lässt sich das Gerät nur, wenn man es vom Strom trennt.

Auf der Rückseite des Home Hub befinden sich der Stummschalter (oben) und die Lautstärke-Wippe (rechts). Ganz ausschalten lässt sich das Gerät nur, wenn man es vom Strom trennt.

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Schlicht schön

Abseits der gestrichenen Kamera hat sich Google beim Design nicht weit aus dem Fenster gelehnt. Mit seiner Kombination aus glattem Plastik und schickem Stoffbezug reiht sich der Nest Hub nahtlos in die Reihe der anderen Home-Modelle ein. Das schlichte, schicke Design passt perfekt in die Küche, dürfte sich aber auch in den meisten Wohnzimmern gut machen. Dann kommt zugute, dass der Hub bei Nichtbenutzung ausgewählte Bilder aus Google Fotos präsentiert. Neben dem Herd platziert, machte uns der Stoffbezug allerdings leichte Sorgen: Wie gut er dauerhaft mit Fettspritzern oder Tomatensauce zurechtkommt, wird sich zeigen müssen. 

Ein von Google besonders hervorgehobener Aspekt ist übrigens die Steuerung des Smarthomes. Unterstützte Geräte wie smarte Lampen, einige Saugroboter oder auch die hauseigenen Thermostate und Kameras von Nest werden über den Hub sehr einfach steuerbar. Zum einen funktionieren sie natürlich klassisch per Zuruf, fast noch praktischer ist allerdings die Nutzung über das Smarthome-Terminal, das mit einem Wischen vom oberen Rand die wichtigsten Funktionen anzeigt. Hat man viele der Geräte im Haus, ist der Hub eine der elegantesten Lösungen, sie unter einen Hut zu bringen.

Fazit: Schick, smart, günstig

Der Google Nest Hub ist mehr als nur ein Google Home mit Bildschirm. Vor allem als Küchenhelfer kann das Smartdisplay überzeugen, aber auch Smarthome-Nutzer bekommen mit ihm eine sehr bequem zu nutzende Heimzentrale. Viele kleineren Schwächen wie das schlechte Verständnis bei gemischtsprachigen Befehlen, die fehlende Unterstützung von Netflix und die nicht besonders gelungene Youtube-Steuerung kann Google vielleicht noch mit Updates beheben. Etwas schade ist der wohl dem kleinen Formfaktor geschuldete, recht dünne Sound. 

Wer ohnehin über den Kauf eines Google Home oder Amazon Echo nachdachte, oder ein smartes Display für die Küche sucht, sollte sich unbedingt den Nest Hub ansehen. Für den Preis von aktuell 130 Euro ist er ein sehr rundes Angebot. Alternativen sind der deutlich teurere Echo Show (2. Generation) oder das Lenovo Smart Display, das wie der Nest Hub auf Googles Assistant setzt. Wer auf den Bildschirm verzichten kann, kann sich stattdessen den klassischen Google Home oder Amazons Echo zulegen.

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