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Apples Sparmodell Das neue iPhone SE im Test: k(l)eine Kompromisse

Das neue iPhone SE kommt im bekannten Look mit Homebutton
Das neue iPhone SE kommt im bekannten Look mit Homebutton
© Malte Mansholt / stern
Mit der dritten Auflage des iPhone SE hat Apple sein Spar-iPhone auf den neuesten technischen Stand gebracht. Und viele Features der teureren iPhones verbaut. Ob sich der Kauf lohnt, verrät der Test.

Es ist nach wie vor der günstigste Einstieg in die iPhone-Welt: Mit dem iPhone SE (2022) hat Apple nach zwei Jahren sein Spar-Modell aufgefrischt. Und obwohl es dem Vorgänger zum Verwechseln ähnlich sieht, hat Apple es mit jeder Menge neuer Funktionen ausgestattet. Wir haben das Gerät schon ausführlich getestet. Und verraten, ob es die kleineren Kompromisse wert ist.

Als ich das iPhone SE das erste Mal in die Hand nehme, ist die Nostalgie groß – und das Display erschreckend winzig. Anders als von vielen Fans erhofft, hat sich Apple auch dieses Jahr nicht vom alten Design verabschiedet, um endlich sämtliche iPhones auf die ganze Front bedeckende Displays und FaceID umzurüsten. Stattdessen halte ich das vertraute Design des mittlerweile über fünf Jahre alten iPhone 8 in der Hand. Inklusive des heute winzig wirkendenden 4,7-Zoll-Bildschirms und des in allen anderen Modellen längst gestrichenen Homebuttons.

In großen Händen wie meinen wirkt das iPhone SE mit seinen 4,7 Zoll mittlerweile recht klein
In großen Händen wie meinen wirkt das iPhone SE mit seinen 4,7 Zoll mittlerweile recht klein
© Malte Mansholt / stern

Touch me!

Was von mir eine Umstellung abverlangt – schließlich bin ich längst gewohnt, dass mich mein iPhone am Gesicht erkennt – ist für Fans des alten Designs ein vielvermisstes Feature. Tatsächlich bemerke ich schnell einen Vorteil des vermeintlich veralteten Designs. Während im Supermarkt regelmäßig die Maske die Gesichtserkennung FaceID an ihre Grenzen bringt, funktioniert der Fingerabdrucksensor im Homebutton auch mit FFP2 und beschlagener Brille. Toll.

Nur Minuten später kommt Zuhause die allerdings die Erinnerung an die Nachteile der Technologie zurück: Nach dem Händewaschen will das iPhone SE partout nicht meine feuchten Fingerspitzen erkennen. Dieses Problem hatte ich seit Jahren erfolgreich verdrängt.

Zu lange müssen sich allerdings auch die FaceID-Nutzer nicht mehr über die Masken ärgern: In der Testversion des bald erscheinenden iOS 15.4 erkennt auch FaceID Gesichter trotz Maske. Bisher konnten nur Apple-Watch-Träger:innen eine Notlösung über ihre Uhr nutzen.

Die Neuerungen des iPhone SE im Überblick:

Gleiches Design inklusive 4,7-Zoll-Display in 1334 x 750 Pixel und TouchID

A 15 Bionic-Prozessor

12 MP Weitwinkel-Kamera mit ƒ/1.8 Blende mit neuen Foto-Modi

5G (sub‑6 GHz) mit 2x2 MIMO

Bis zu zwei Stunden mehr Laufzeit

Mehr Basisspeicher (64 statt 32 GB)

iPhone SE (2022): Die inneren Werte im Fokus

Ganz unverändert ist das Design übrigens nicht. Zwar ist der Look des Gehäuses vom iPhone 8 übernommen, bei der Front und der Rückseite setzt Apple aber auf dasselbe sehr robuste Glas, das auch die iPhone-13-Serie sehr stabil macht. Das neue iPhone SE ist also erheblich robuster als sein Vorgänger. Staub- und wasserdichter ist es aber nicht: Es bleibt bei der IP67-Zertifizierung.

Die echten Neuerungen des neuen iPhone SE stecken im Innern. Wie schon bei den letzten Modellen setzt Apple auch dieses Jahr auf neueste Technik – und verbaut den rasanten A15-Chip der 13er-Serie. Der macht in der Alltagsnutzung zwar kaum einen spürbaren Unterschied – schließlich sind iPhones schon seit Jahren mit Surfen, chatten oder Instagram nicht überfordert -, erlaubt dem iPhone SE aber trotzdem einige Tricks, die der Vorgänger noch nicht beherrschte.

Die schlichte Glas-Rückseite ziert nur die im Vergleich zu den iPhone-13-Modellen recht kleine Kamera-Line. Hier schön zu sehen: Die Glasrückseite der Farbvariante "Mitternacht" ist nicht satt schwarz, sondern hat einen hübschen Blaustich.
Die schlichte Glas-Rückseite ziert nur die im Vergleich zu den iPhone-13-Modellen recht kleine Kamera-Line. Hier schön zu sehen: Die Glasrückseite der Farbvariante "Mitternacht" ist nicht satt schwarz, sondern hat einen hübschen Blaustich.
© Malte Mansholt / stern

Die Knipse bleibt solo

Am spürbarsten ist das bei den beiden Kameras. Die sind denen des vorigen Modells bei den technischen Daten ebenbürtig, vorne gibt es eine 7-Megapixel-Frontkamera mit ƒ/2.2-Blende, hinten knipst eine Weitwinkel-Kamera mit 12 MP und ƒ/1.8-Blende. Zusätzliche Linsen wie einen Telezoom oder eine Ultraweitwinkel-Linse gibt es auch weiterhin nicht.

Dank der Rechenleistung des A15 liefert das neue iPhone SE trotzdem eine Vielzahl neuer Möglichkeiten. Die smarte Bildbearbeitung erlaubt es wie beim iPhone 13 und Co., dass das iPhone einzelne Teile des Bildes unabhängig voneinander verarbeitet und so etwa auch mehrere Gesichter unabhängig voneinander optimiert. Die HDR4 genannte Funktion war bislang den Spitzenmodellen vorbehalten. Auch die sogenannten Stile haben es ins iPhone SE geschafft. Bevorzugen die Nutzer generell einen wärmeren Look oder mehr Kontraste, können sie das für alle Fotos voreinstellen. Anders als bei klassischen Filtern werden die Stile intelligent angepasst und so etwa Hautfarben auch dann natürlich erhalten, wenn die Kleidung oder die Umgebung farblich angepasst wird. Schade: Den sogenannten Kino-Modus hat das iPhone SE nicht bekommen. Mit ihm lässt sich bei den iPhone-13-Modellen der Fokus in Videos im Nachhinein verschieben. Weil Apple die Tiefeninformationen mit den zusätzlichen Kameras erfasst und die dem SE fehlen, ließ er sich leider beim Sparmodell nicht umsetzen.

Nachts bleiben die Katzen grau

Noch schmerzlicher ist allerdings das Fehlen des tollen Nachtmodus, mit denen die anderen iPhones bei schlechten Lichtverhältnissen mittels einer längeren Belichtungszeit mehr aus den Fotos herausholen.

In der Praxis ist die Kamera daher etwas schwachbrüstiger, als man es sich wünschen würde. Tagsüber sind die Fotos sehr gut, scharf und auch farbecht. Auch wenn das iPhone 13 Pro Max bei der Farbdarstellung und der Tiefenunschärfe immer noch klar bessere Fotos liefert, ist der Unterschied kleiner, als man vielleicht erwarten würde.

Nachts ändert sich dieser Eindruck aber schlagartig. Durch den Nachtmodus liefern die iPhone-13-Modelle und selbst das zwei Jahre alte iPhone 11 Pro trotz schlechter Beleuchtung erheblich mehr Details und fangen Farbeindrücke viel natürlicher ein. Das iPhone SE ist dazu mit seiner kurzen Auslösezeit schlicht nicht in der Lage. Allerdings muss man sagen: Was Apple mithilfe der Nachbearbeitung aus den Fotos herausholt, kann sich trotzdem erstaunlich gut sehen lassen. Eine Übersicht über Stärken und Schwächen der Kameras finden Sie in der Fotostrecke.

Klein, aber oho

Ein wichtiger Vorteil des A15 ist die deutlich gestiegene Laufzeit. Zusammen mit dem leicht gewachsenen Akku verspricht Apple bis zu zwei zusätzliche Stunden Nutzung. Tatsächlich hält das Kleine erstaunlich lange durch. Im Test war selbst im intensiven Testbetrieb am Ende des Tages in der Regel noch Saft da, wer viel spielt oder aufwendige Apps nutzt, muss natürlich mit einer etwas kürzeren Laufzeit rechnen. Einen ganzen Tag dürfte das Gerät in der Regel schaffen, ein zweiter ist aber nur bei eher moderater Nutzung drin. Angesichts der Platzbeschränkung im Gehäuse ist das schon beeindruckend.

Weil das iPhone SE Schnellladen unterstützt, ist die Laufzeit ohnehin nur selten ein Problem: 50 Prozent Ladung sind bei einem Netzteil mit 20W und mehr bereits nach 30 Minuten erreicht, selbst in 20 Minuten konnte ich das iPhone SE mit einem Macbook-Netzteil mit 40 Prozent betanken. Vorsicht: Wie bei den anderen iPhones legt Apple kein Netzteil mehr bei, im Karton ist lediglich das USB-C-auf-Lightning-Kabel. Ältere iPhone-Kabel funktionieren aber natürlich immer noch. Schade ist, dass das iPhone SE zwar kabelloses Laden unterstützt, aber nicht Apple mit dem iPhone 12 eingeführten Magnet-Standard Mag Safe. Im Auto konnte ich es daher leider nicht an meiner Magnet-Halterung anbringen.

Ein großes Plus ist übrigens die Langlebigkeit des Geräts. Zum einen ist da die Unterstützung des modernen Mobilfunkstandards 5G, der aktuell immer weiter ausgebaut wird und im iPhone SE im Test stabil und schnell funktionierte. Weil Apple seine Prozessoren in der Regel fünf Jahre lang bei neuen iOS-Updates unterstützt, dürfte es zum anderen Dank des A 15 noch mindestens bis 2026 neue Updates erhalten. Beim älteren iPhone 11 dürfte dagegen zwei Jahre früher damit Schluss sein.

Dazu passt, dass Apple wie bei seinen anderen Geräten viel Wert auf die Nutzung recycelter Materialien setzt und etwa die in der Haptic Engine genutzten seltenen Erden zu 100 Prozent aus wiederaufbereitetem Material bezieht.

iPhone SE (2022): Für wen lohnt sich das Spar-iPhone?

Ob sich das iPhone SE lohnt, liegt sicher auch am eigenen Nutzungsverhalten und den jeweiligen Vorlieben. Wer einen kleinen Bildschirm und einen Homebutton bevorzugt, bekommt kein technisch aktuelleres Gerät – auch nicht von anderen Herstellern. Etwas anders sieht es aus, wenn man eigentlich lieber einen größeren Screen möchte. Das iPhone 11, das Apple ebenfalls noch anbietet, ist mit 6,1 Zoll ein gutes Stück größer und mit der Gesichtserkennung FaceID und dem die ganze Front bedeckenden Display auch in mancher Hinsicht moderner. Anders sieht es beim Chip aus: Mit dem A15 ist das SE ohne Kompromiss auf dem neuesten Stand, hier hinkt das iPhone 11 klar hinterher. Die Kamera unterscheidet sich ebenfalls deutlich: Zwar bietet die des iPhone 11 mit Nachtmodus und Ultraweitwinkel einige zusätzliche Funktionen, dafür muss man aber auf die schicken Stile und die differenzierte Farbdarstellung von HDR 4 verzichten.

Fazit: Mehr als ein gelungener Kompromiss

Mit dem iPhone SE ist Apple erneut ein gutes Einstiegsmodell für die iPhone-Welt gelungen. Die Kombination aus Spitzentechnik und dem altbekannten Design funktioniert weiterhin sehr gut. Die kleineren Kompromisse, etwa bei der Kamera und dem Display, lassen sich für die meisten Anwendungsfälle durchaus verschmerzen.

Klar, mit einem noch größeren Display und einer zweiten Kamera hätte das Gerät noch einmal deutlich attraktiver werden können, wäre damit aber wohl dem teureren iPhone 13 Mini zu ähnlich geworden. So reiht es sich gut in das bereits bestehende iPhone-Portfolio ein. Schließlich kann man sich auch für das größere iPhone 11 entscheiden.

Im Vergleich zu Android-Geräten ist das iPhone SE zum aktuellen Preis von 529 Euro allerdings recht teuer – für einen ähnlichen Preis bekommt man auch ein Jahr alte Android-Spitzenmodelle wie das Oneplus 8 Pro (hier bei uns im Test) oder das Galaxy S21 (ebenfalls von uns getestet). Die bieten zwar mehr Kameras und ein größeres Display, in Bezug auf den Prozessor oder die Langzeit-Unterstützung hat das SE aber die Nase vorn.

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