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Thomas Ammann: "Bits & Pieces": Der Spion, der aus dem Kühlschrank kam

Schlaue Zahnbürsten, spionierende Uhren und Toiletten mit Wlan-Zugang: Das "Internet der Dinge" könnte uns möglicherweise nicht nur lästig, sondern sogar gefährlich werden.

Von Thomas Ammann

Seit dauernd vom Internet der Dinge die Rede ist, hege ich ein gewisses Misstrauen gegenüber meiner elektrischen Zahnbürste. Ebenso gegen meinen Kühlschrank. Und gegen meinen Fernseher sowieso, seit klar ist, dass der mich belauschen und mein Gequassel irgendwo in der Cloud abspeichern kann. Jetzt bringt Apple die neue Smartwatch, die mich ständig belauert und - was noch die harmloseste Anwendung ist - einmal pro Stunde durch dezentes Schütteln ermuntert, aufzustehen und mich zu bewegen.

Herumsitzen, sagt Apple-Boss Tim Cook, sei der "neue Krebs". Zusammen mit den Daten der Apple-"Health"-App, die das tägliche Schrittpensum misst, lassen sich mit diesem Spion am Handgelenk sicherlich Bewegungsprofile erstellen, für die sich meine Krankenkasse brennend interessieren würde. Mein Kühlschrank könnte noch erhellende Beobachtungen zu meinen Ernährungsgewohnheiten vermelden, und der Fernseher könnte mich schlimmstenfalls als "Couch Potato" outen. Man hört, dass auch Kaffeemaschinen und - hallo? - Toiletten demnächst WLAN-fähig sein sollen. Und wenn die erstmal Daten liefern...

Das alles natürlich nur zu unserem Besten, denn wir sollten doch alle auf unsere Gesundheit achten - und uns so benehmen, dass wir nicht unnötige Kosten verursachen.

Ich kann die Begeisterung nicht verstehen

So könnte es aussehen, das Internet der Dinge, das große Technikversprechen: Schlaue Geräte, die sich auf unsere Gewohnheiten einstellen, Routinetätigkeiten erledigen, den Alltag organisieren und damit das Leben bequemer machen - allerdings um den Preis, dass sie uns gnadenlos ausforschen.

Es wird der Tag kommen, an dem die Krankenkassen uns aufgrund solcher Daten zuerst freundlich ermahnen, mehr für unsere Gesundheit zu tun, um uns dann im Wiederholungsfall eine nicht mehr so freundliche Tariferhöhung zu schicken. Denn wer sich nicht fit hält, schadet dem großen Ganzen, dem Gemeinwesen, und am Ende auch sich selbst. Damit muss Schluss sein, und dafür ist die soziale Kontrolle doch gut, oder?

Die Begeisterung, die diesen digitalen Aufpassern entgegengebracht wird, kann ich überhaupt nicht verstehen. Mich erinnern sie immer an die Heinzelmännchen oder den Nussknacker im Märchen, der nachts zum Leben erwacht und magische Kräfte über die Menschen entwickelt.

Wahlweise taugt auch Goethes "Zauberlehrling" als Vorbild, der seine Künste am Besen seines Meisters erprobt und ihn in einen Knecht verwandelt, der Wasser schleppt. Leider fehlt ihm später die Macht, den fleißigen Helfer wieder zurück zu verwandeln, was schließlich in der vielfach zitierten Klage gipfelt: "Die ich rief, die Geister/ wird' ich nun nicht mehr los."

"Lassen uns freiwillig zur Schlachtbank führen"

So ähnlich wird es uns auch gehen, wenn wir erst einmal realisieren, dass nicht wir es sind, die diese digitalen Geister beherrschen, sondern dass es genau umgekehrt ist. Und dafür muss sich nicht einmal ein Hacker unserer internetfähigen Zahnbürsten und Toiletten bemächtigen.

Wenn wir davon ausgehen müssen, dass wir auf Schritt und Tritt überwacht werden, dann verhalten wir uns auch so. Angepasst, ständig darauf bedacht, nicht aufzufallen, keinen Fehler zu begehen. Der Philosoph Michel Foucault prägte dafür den Begriff "Panoptismus", in Anlehnung an den Plan eines perfekten Gefängnisses, eines sternförmigen "Panopticons", bei dem das Wachpersonal in der Mitte sitzt und alle Flure gleichzeitig überwacht.

Der einzige Unterschied zwischen uns und den Häftlingen ist, das wir mit Smartphones und -watches begeistert bei unserer eigenen Überwachung mitmachen. "Wir verzichten auf unser Recht zur Privatsphäre und lassen uns freiwillig zur Schlachtbank führen", konstatierte staunend der polnisch-britische Soziologe und Philosoph Zygmunt Baumann. "Besen, Besen, seid's gewesen", lautete der Spruch, mit dem der Meister in Goethes "Zauberlehrling" den Spuk schließlich beendete. So leicht wird es mit dem Internet der Dinge nicht gehen.

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.