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"Winbot 9" im Test Fensterputz-Roboter blamiert sich im Praxis-Check

Testbericht: Fensterputzroboter Ecovacs Winbot 9 w930 UVP: 399 Euro
Ich hasse Fensterputzen. Viel lieber sitze ich hier auf meinem Balkon bei einem Espresso. Genau deswegen habe ich mir diesen Fensterputzroboter geholt. Und ob der mir die Aufgabe abnehmen kann, will ich heute testen.
Zumindest verspricht mir genau das der Hersteller Evovacs: Der Winbot 9 soll angeblich bis in alle Ecken der Fenster reinigen. Und dank Automatikprogramm ganz alleine. Na wenn sich das nicht mal gut anhört!
Das Zusammenstöpseln ist im ersten Moment tatsächlich ziemlich kompliziert. Man hat da ein Sicherungsseil, man hat ein Stromkabel, man hat einen Klettverschluss für das Mikrofasertuch, das muss man auch noch drei mal einsprühen. Wenn man es aber verstanden hat, geht es einigermaßen. Dann schaltet man das Gerät ein. Und es geht schon an dieses wunderbar dreckige Fenster, das ich seit ewig Zeiten nicht geputzt habe. Nur für diesen Test.
Der Roboter saugt sich nun absturzsicher an die Scheibe und beginnt, Bahn für Bahn die Fläche zu reinigen. Während der Roboter hier vor sich hinwerkelt, ärgere ich mich allerdings über die erste Enttäuschung des Geräts: Er kann zwar mit rahmenlosen Flächen wie Spiegeln umgehen. Doch alles muss mindestens 60cm breit sein. Die beiden äußeren Fenster muss ich also in jedem Fall per Hand sauber machen. Und dann beginnen plötzlich die Schwierigkeiten.
Was macht der da? Ich habe um ehrlich zu sein gerade ein bisschen Angst um den Rahmen meiner Fenster, so wie er da entlang schubbert.
Enttäuschung Nummer zwei: Richtig sanft fährt er nicht am Rahmen entlang. Doch die größte Hürde für den Winbot 9 soll noch kommen.
Na Ecke, na Ecke, schaffst du sie? Er werkelt hier schon seit ein paar Minuten rum, aber irgendwie verfährt er sich ständig. Bei einem Saugroboter am Boden kann ich das ja vielleicht noch verstehen, aber dieses Fenster ist ungefähr 1 X 2 Meter groß. Kollege, was machst du da jetzt schon wieder? Ohhh, warum verhakt er sich? Ecke, die hast du vergessen. Die hat er vergessen. Da kommt er nicht hin.Ja dahin. Ja und jetzt verhakt er sich wieder. Immer an der Stelle. Das ist unfassbar. Das ist echt unfassbar.
Im Automatikmodus versagt der Winbot bei meinem Fenster. Also muss der manuelle Modus her. Mit einer Fernbedienung kann ich das Gerät per Knopfdruck steuern. Doch auch das hilft nicht.
Der Winbot schafft es einfach nicht, senkrecht nach oben zu fahren. Er hat immer einen leichten Rechtsdrall. Immer ein bisschen nach rechts. Und dadurch ist auch klar, dass er nie in die linke obere Ecke kommen wird. Ja da verhakt er sich.
Bis ich endlich die vierte Ecke erwischt habe, bin ich mit meinen Nerven am Ende. Meine Stimmung ist im Keller. Wie ist das Endergebnis?
Ungefähr drei Minuten hat der Winbot nun für eine der Fensterseiten gebraucht. Das Problem ist: Ich musste nachbessern. Es kamen also nochmal mindestens fünf Minuten im manuellen Modus für die Ecken hinzu. Und wenn ich mir jetzt die ganzen Schlieren auf der Glasscheibe anschaue, fürchte ich, dass ich noch ein bisschen weitermachen muss.
Also altbewährtes Mittel: Glasreiniger und Abzieher müssen her.
Damit ging das jetzt relativ schnell und vor allem schlierenfrei. Und mit dem hier, wenn ich es doch irgendwie geschafft habe, die Fenster zu reinigen, muss ich danach noch dieses Mikrofasertuch spülen. Und zwar per Hand. Ziemlich nervig.
Stolze 400 Euro kostet so ein Winbot, der mir das Fensterputzen eigentlich abnehmen soll. Doch vermutlich gibt es nur ganz wenige Szenarien, in denen er wirklich hilft. Beispielsweise sehr große und vor allem unerreichbar hohe Fensterflächen. Bei mir sah es ganz anders aus: Ich hatte mit dem Gerät viel mehr Arbeit als zuvor.
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Der Fensterputz-Roboter "Ecovacs Winbot 9" soll vollautomatisch Fenster reinigen. Ob das kostenintensive Gerät seinen Preis wert ist, hat stern-Tester Philipp Weber für Sie ausprobiert.
Von Philipp Weber
Philipp Weber

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