VG-Wort Pixel

"Fake or No Fake" Selfie im Vulkankrater – was hinter dem unglaublichen Viral-Hit steckt

Es gibt viele Möglichkeiten Videos zu manipulieren. Zum Beispiel so. Herzlich willkommen zu "Fake or No Fake". Was ist der perfekte Ort für ein Selfie? Richtig! Der Krater eines aktiven Vulkans. Können Sie erkennen, ob dieser rund 40-sekündige Clip echt oder eine Fälschung ist? Kommen wir zur Auflösung: Das Video ist ... ein Fake. Das Video ist das Werk der australischen Werbefirma "RIOT Content". Die Firma veröffentlicht den spektakulären Clip im Oktober 2016 auf Youtube. Doch wie genau erkennt man, dass es sich bei dem Video um eine Fälschung handelt? Ein erstes Indiz gibt das Smartphone, mit dem das Selfie-Video gefilmt wird. Zu Beginn des Videos hält der Forscher das Gerät im Querformat. Passend dazu ist auch das Video im Querformat aufgenommen.
Nach dem Sturz sieht man in der Spiegelung des Helmes, dass das Smartphone vertikal gehalten wird. Das Video hingegen wird weiter horizontal aufgezeichnet. Eigentlich müsste die Ausrichtung des Videos der Ausrichtung des Smartphones entsprechen. Die Spiegelung im Helm des Forschers liefert einen weiteren Hinweis. In der Reflektion sieht man was sich über ihm befindet. Der Krater scheint eine für einen Vulkan ungewöhnliche längliche Form zu haben. Kein Beweis, aber Grund zur Skepsis. Möglicherweise wurde das Video in einem Steinbruch oder einem vergleichbaren Drehort aufgenommen. Ein weiteres Indiz: Ein Kameramann filmt den Forscher von oben, doch aus der Selfie-Perspektive ist kein Kameramann zu sehen. Dabei müsste er sich eigentlich in der Nähe der Kletterseile aufhalten. Noch ein Indiz verbirgt sich im Schnitt des Videos. Die Vogelperspektive des Kameramannes würde das dramatische Schauspiel optimal einfangen. Stattdessen entscheidet sich der Cutter im entscheidenden Moment für die unübersichtliche Selfie-Perspektive. Warum? Wahrscheinlich um die Fälschung zu verschleiern. Wer sich Videos genau ansieht, kann einen Fake entlarven. So wird aus einer lebensgefährlichen Aktion eine einfache Manipulation.


Wie untersuchen wir in der Redaktion Videos auf Manipulation? Dabei ist ein Blick auf die Details wichtig. Die Einzelbilder eines Videos verraten oft, ob ein Video bearbeitet wurde. Wir schauen uns Bild für Bild genau an und vergrößern einzelne Ausschnitte. Indizien für einen Fake sind zum Beispiel: fehlende Bewegungsunschärfe, unnatürlicher Schattenwurf oder Schnittfehler. Beim stern gilt generell: Seriosität vor Schnelligkeit. Wir checken Fakten und Material immer gründlich gegen, bevor wir sie veröffentlichen. Dafür arbeiten wir mit dem redaktionsübergreifenden "Team Verifikation" zusammen mit RTL, NTV, RTL2, Radio NRW.
Mehr
Jeden Tag begegnen uns hunderte Videos im Internet - viele davon sind manipuliert. Das Format "Fake or No Fake" gibt einen Einblick in die Methoden der Fälscher. Dieses Mal: ein riskantes Vulkan-Selfie.

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker