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Gedanken Älterwerden: Was bedeutet das überhaupt für mich – und ist das wirklich etwas Schlechtes?

"Älterwerden ist für mich vor allem etwas, mit dem man nicht allein ist."
"Älterwerden ist für mich vor allem etwas, mit dem man nicht allein ist."
© nito100 / Getty Images
Unsere Redakteurin hörte in einem Podcast eine Diskussion übers Älterwerden – und hat sich daraufhin selbst Gedanken gemacht, woran sie für sich persönlich festmacht, was das eigentlich bedeutet.

In der jüngsten Folge des Podcasts #wirreden beschäftigte sich der Host Gavin Karlmeier mit dem Thema „Älterwerden“. In seiner wöchentlichen Live-Sendung blendet er eine Telefonnummer ein, über die die Zuhörer und Zuschauer ihn anrufen und mit ihm diskutieren können. Das Konzept erinnert ein kleines bisschen an Domian, aber es funktioniert. Je länger ich zuhörte, desto intensiver dachte auch ich über das Thema nach.

Die Anruferin Helena erzählte, dass sie sich vor 10 Jahren noch auf Fotos nicht sehen mochte. Heute denke sie: „Wieso dachte ich damals so negativ über mich, eigentlich sah ich doch echt gut aus?“ Heute weiß sie, falls ihr mal Fotos von sich selbst nicht gefallen: „Ich brauche nur 10 Jahre warten, dann gefallen sie mir!“. Helena erzählte auch, dass sie inzwischen viele Dinge, je älter sie wird, gelassener sieht als noch vor ein paar Jahren. Das kann ich auch unterstreichen. Früher haben mich die Meinungen anderer Menschen intensiver beschäftigt. Heute weiß ich, dass ich nicht alle Ansichten teilen muss. Das abgeklärte Denken und eine gewisse Art von Gelassenheit kamen erst mit einer gewissen Lebenserfahrung.

Ist man wirklich so alt, wie man sich fühlt?

Der Satz „Man ist so alt, wie man sich fühlt“, ist aus meiner Sicht totaler Quatsch. Wie fühlt man sich denn, wenn man alt ist? Ist man 20 Jahre alt, denkt man: „Wow, wenn ich mal 30 bin, ist das schon ganz schön alt – aber bis dahin ist ja noch Zeit.“ Plötzlich steht der dreißigste Geburtstag vor der Tür und irgendwie ist es dann doch nicht so schlimm, wie man vorher befürchtet hatte. Dann schleichen sich neue Gedanken in den Kopf: „Puh, 30 geht ja noch, aber wenn ich dann mal 40 bin, bin ich wirklich alt!“. Ab 35 Jahren wird man von Mitmenschen schon nicht mehr mit: „junge Frau“ angesprochen. Und wenn doch, fühlt man sich direkt geschmeichelt.

Und mit fast 40 Jahren empfinde ich die Zahl nicht mal mehr als wichtig. Man hat realisiert, dass die 50 vor der Tür steht und findet das okay. Na klar kommen da noch ein paar graue Haare, die Sehkraft lässt vielleicht nach und ja, die Haut war auch mal straffer. Ändern kann man es eh nicht – da kommt dann wieder die gelernte Gelassenheit ins Spiel. Vielleicht ist das auch eine Art Schutzmechanismus?

Gelassen, aber nicht pausenlos glücklich

Es ist erstmal ein kleiner Schock, wenn das Kind aus der Nachbarschaft, das gefühlt letzte Woche noch auf dem Dreirad saß, plötzlich im eigenen Auto durch die Straße fährt. Und während man sich noch fragt, wie die Zeit so schnell vergehen konnte, baut „das Kind“ ein Haus und bekommt selber Kinder.

Es lässt sich auch irgendwann nicht mehr vermeiden, dass man Rückenschmerzen bekommt, wenn man zu lange liegt (!). Dieses Stechen im Fuß oder im Knie ist auch neu. Tröstend dabei ist aber, dass man da nicht der oder die Einzige ist. Denn durch Gespräche mit gleichaltrigen Freunden erfährt man, dass fast jeder inzwischen irgendwelche "Alterserscheinungen" hat. Leider nicht nur Zwicken im Rücken – nun wird man auch immer häufiger damit konfrontiert, dass bei Familienmitgliedern, Verwandten, Freunden, Nachbarn oder Bekannten auch schlimmere Krankheiten auftreten. Je häufiger Personen im eigenen Umkreis erkranken oder sogar sterben, je mehr Sorgen macht man sich um die Gesundheit von geliebten Menschen und ums eigene Wohlbefinden.

Älterwerden bedeutet glücklicherweise aber auch, dass man damit nicht allein ist. Alle Menschen um einen herum werden älter, der Satz "geteiltes Leid ist halbes Leid" trifft in diesem Fall zu. Das, was ich erlebe, machen auch meine Freunde und Kollegen durch. Mit ihnen kann ich mich über Sorgen und Probleme austauschen und werde verstanden. Und das ist hoffentlich auch noch so, wenn ich irgendwann hochbetagt in meinem Schaukelstuhl sitze.


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