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Alternativen zum Öl: Wie drosseln Sie Heizkosten?

Das teure Öl verteuert auch die Heizkosten. stern.de-Leser diskutieren über alternative Wärmequellen - und über die Möglichkeit, ihre Ausgaben zu drosseln oder mindestens konstant zu halten. Hier finden Sie Informationen über Solarenergie, Erdwärme und Holzpellets.

Wer es in diesem Winter warm haben will, muss tief in die Tasche greifen: Der Deutsche Mieterbund geht davon aus, dass sich allein die Heizkosten für eine 70-Quadratmeter-Wohnung um über 150 Euro verteuern könnten. Bereits jetzt kosten 100 Liter Heizöl im bundesweiten Durchschnitt 72,40 Euro - und damit 31 Prozent mehr als im Vorjahr. Umgerechnet auf ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 3000 Liter bedeutet das knapp 500 Euro mehr für die Energie. Kein Wunder, dass sich immer mehr Deutsche Gedanken machen, mit welcher Heizmöglichkeit noch Geld gespart werden kann.

Karin Spitra, mit dpa

Biomasse

Biomasse in Form von Holz, Pflanzen wie Raps oder Deponiegasen hat sich in den letzten Jahren zu einem zentralen Träger erneuerbarer Energien entwickelt. Das gilt nicht nur von den Mengen her, sondern auch wegen der vielseitigen Verwendung für die drei Energiebereiche Strom, Wärme sowie Kraftstoffe. Mit 5,5 Prozent Anteil am gesamten Wärmeverbrauch der Deutschen war Biomasse im Jahr 2006 unter den erneuerbaren Energien weiterhin ausschlaggebend für diesen Markt. Das geht aus Daten von Bundesumweltministerium, Forschungsinstituten und vom Bund für Umwelt und Naturschutz hervor. Allein die Zahl der Holzpellets-Heizanlagen verdoppelte sich 2006 im Vergleich zum Vorjahr.

Auch Biosprit-Absatz boomt

Auch für Biosprit (Biodiesel und Ethanol) ist der Weg geebnet, seitdem die Bundesregierung wachsende Pflichtanteile zur Beimischung zu herkömmlichen Kraftstoffen beschlossen hat. Bereits 2008 war der Biosprit-Absatz in Deutschland von 2,3 Millionen Tonnen 2005 auf 2,8 Millionen Tonnen 2006 gestiegen. Möglich wurde dies durch die gestiegenen Öl- und Benzinpreise.

Beim Stromverbrauch haben erneuerbare Energien mit 11,8 Prozent zwar den größten Anteil neben Kohle- und Atomstrom. Dazu trug Biomasse 2006 aber nur zu 3 Prozent bei, während die Windenergie mit 5 Prozent und Wasserkraft mit 3,5 Prozent beteiligt waren. Stark zugenommen hat dabei die Verstromung von Biogas, die sich wegen der Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) binnen eines Jahres auf 5,4 Milliarden Kilowattstunden verdoppelt hat.

Aber: Bedenken mehren sich

Wurde Biomasse in zurückliegenden Jahren uneingeschränkt von vielen Seiten als regionaler Zukunfts-Energieträger herausgestellt, kommen immer häufiger Bedenken auf: So klagt die Biokraftstoffbranche über erhöhte Steuern. Umweltschützer warnen vor einer Übernutzung landwirtschaftlicher Flächen mit Monokulturen und Pestiziden und vor weiteren Vernichtungen von Regenwäldern in Malaysia und Indonesien durch verstärkte Palmöl-Importe als billige Sprit-Alternative. Viele Informationen über die gesetzlichen Bedingungen, die Förderung sowie eine ausführliche Literaturliste gibt es auf der Seite des Bundesumweltministeriums.

Geothermie

Angesichts der stiegenden Energiepreise kommen immer mehr Menschen auf die Idee, die Energie für Heizung und Warmwasser auf dem eigenen Grundstück zu suchen. Das macht weitgehend unabhängig, ist bequem, wirtschaftlich und macht die Heizkosten über viele Jahre überschaubar. Dennoch spielt Erdwärme (Geothermie) in Deutschland keine wesentliche Rolle. Das Bundesumweltministerium drückt es vornehmer aus: "Noch im Anfangsstadium" sieht der jüngste Jahresbericht die tiefe Geothermie. Theoretisch, heißt es darin, könne Deuschland damit seinen Heiz- und Strombedarf mehrfach decken.

Die wirkliche Hoffnung - zumindest bis zur Mitte des Jahrhunderts- verbindet das Ministerium jedoch mit der oberflächennahen Erdwärme in wenigen Metern Tiefe. Mit deren Hilfe werden nach Zahlen des Bundesverbands Geothermie schon jetzt 24.000 Privathäuser, Gewerbe- und Bürogebäude erwärmt. Rat und Informationen können Interessenten und künftige Bauherren beim GtV-BV (Geothermischen Vereinigung) suchen.

Allerdings erfordern die Auslegung, Planung und der Einbau von Erdwärmesystemen ein spezielles Know-how. Von Seiten des GtV-BV werden Bauherren und Hausbesitzer immer wieder aufgefordert, sich die in Frage kommenden Unternehmen hinsichtlich Zuverlässigkeit und Qualität ihrer Arbeit genau anzusehen und keine Kompromisse zu machen. Erdwärmeanlagen sollen über viele Jahrzehnte ohne nennenswerte Probleme betrieben werden können. Es gilt also erst recht die Regel: Qualität hat ihren Preis. Billig ist teuer.

Solaranlage

Die Nutzung der Sonnenenergie zur Stromerzeugung (Photovoltaik) sowie zur Wassererwärmung und Heizung (Solarthermie) erlebt seit Jahren einen Boom. Sonnenenergie steht nicht nur für weitere Jahrmilliarden in riesiger Menge zur Verfügung, ihre Nutzung zur Strom- und Wärmeerzeugung ist auch noch klimaneutral und wegen der günstigen Förderbedingungen auch wirtschaftlich attraktiv.

Gesetzlich garantierte Vergütung

Besonders interessant: Wer Sonnenenergie ins Stromnetz einspeist, bekommt dafür Geld. Das hat die Bundesregierung im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt. Wie viel für eine Kilowattstunde gezahlt wird, hängt von der Größe der Anlage ab und davon, ob die Anlage gebäudeintegriert oder auf einer Freifläche aufgestellt ist. So hat der Gesetzgeber die Förderhöhe für gebäudeintegrierte Anlagen, die ab dem Jahr 2006 in Betrieb genommen wurden, auf 51,8 Cent pro kWh begrenzt - bei einer Einspeisung bis 30 kW.

Die Vergütung wird vom jeweiligen Energieversorgungsunternehmen gezahlt, in dessen Netz der Solarstrom eingespeist wird. Die Vergütung erhält der Anlagenbetreiber also nicht von einer staatlichen Stelle. Zinsgünstige Kredite für die Aufrüstung bietet die KfW-Förderbank üebr das Programm "Solarstrom erzeugen" an.

So wird Ökostrom gefördert

Mit dem Gesetz über Erneuerbare Energien (EEG) wird ausschließlich Öko-Strom gefördert. Dieser stammt vor allem aus Wind- und Wasserkraft, aber auch aus Solarstrahlung (Photovoltaik) und Biomasse, Erdbohrungen (Geothermie), biogenem Abfall sowie Deponie- und Klärgasen. Mit Gesetzesänderungen im Juli 2004 kam es zu ersten Einschnitten der Windenergie-Förderung zu Lande, aber zu einer verbesserten Förderung kleiner Wasserkraftwerke.

Anteil der "Erneuerbaren" soll deutlich steigen

Seit dem Jahrtausendwechsel hatte es noch einmal einen Schub bei der Ökostrom-Produktion gegeben. Sein Anteil an der Stromerzeugung in Deutschland hat 2006 bereits 12 Prozent erreicht, nach 10,4 Prozent im Vorjahr und 6,3 Prozent im Jahr 2000. Im vergangenen Jahr wurden so 45 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart. Zur Wärme-Erzeugung trugen die erneuerbaren Energien dagegen erst zu 6 Prozent bei und zum Kraftstoffverbrauch 6,6 Prozent. Bis 2020 will die Koalition mit ihrer Klimaschutzpolitik den Anteil der "Erneuerbaren" beim Strom auf 27 Prozent (SPD) bzw. 30 Prozent (CDU/CSU) erhöhen.

Laut EEG müssen die Netzbetreiber den Produzenten den Ökostrom vergüten. Die Spanne zwischen den unterschiedlichen Vergütungshöhen und dem Marktpreis für sonstigen Strom wird als EEG-Umlage auf die Stromrechnung der Verbraucher umgelegt. Diese - bis zu 20 Jahre umfassende Förderung - wird für Neuanlagen zum Beispiel bei der Windenergie von Jahr zu Jahr abgebaut, um sie im Interesse des Wettbewerbs mit Kohle- und sonstigem Strom voll marktreif zu machen.

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