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"Jacobs-Studie" Freunde fürs Leben: Der Sandkastenkumpel bleibt für immer

Freundschaften werden immer wichtiger, oft sind wir unseren alten Vertrauten treuer als dem Partner. Das Internet kann dabei helfen, diese Beziehungen zu pflegen, reicht allein aber nicht aus.

Von Viktoria Meinholz

Dem Großteil unserer engen Freunde begegnen wir schon in jungen Jahren

Dem Großteil unserer engen Freunde begegnen wir schon in jungen Jahren

Freunde als Wunderwaffe: Sie sollen das Leben verlängern, vor Krankheiten schützen und die vom demografischen Wandel bedrohte Gesellschaft retten. Eine ganz schön große Verantwortung für all die besten Freunde. Da Partner und Jobs oft nicht mehr ewig halten, nicht jeder eine eigene Familie gründet, werden Freunde zur einzigen Konstante. Sie sind diejenigen, die uns ein ganzes Leben begleiten, uns am besten kennen. Und oft sind es die Jugendfreunde, die schon mit uns die Schulbanken drückten, die uns auch später zur Seite stehen.

Eine neue Studie des Kaffee-Konzerns Jacobs zeigt, dass die Mehrheit der Deutschen ihre engsten Freundschaften bereits in der Jugend schließt. Drei Viertel haben einen besten Freund oder eine beste Freundin, die sie im Durchschnitt seit 24 Jahren kennen. "Bei unseren engen Freunden haben wir eine tiefe Sehnsucht nach Beständigkeit", sagt der Psychologe Wolfgang Krüger. "Da die Stabilität von Partnerschaften und Familien schwindet, suchen wir diese umso mehr bei unseren Freundschaften."

Rund zwei Drittel der Deutschen sind sich laut der "Jacobs-Studie" sicher, dass sie Freundschaften pflegen, die ein Leben lang halten werden. Das Alter macht dabei keinen Unterschied: Bei den Jugendlichen sind 61 Prozent überzeugt, dass sie einen Freund fürs Leben gefunden haben. Bei den 30- bis 44-Jährigen sind es 66 Prozent.

Das Internet als Gefahr

Das Wertvolle an alten Freunden: Sie wissen sehr viel über uns. Sie kennen unsere Vergangenheit, unsere Eltern. Ihnen muss man nicht erst erklären, warum man keine Bananen mag oder bei kitschigen Filmen immer anfängt zu weinen. Außerdem ist man durch Konflikte zusammengewachsen, sagt Krüger. "Man hat sich aneinander abgearbeitet und im Laufe der Jahre unzählige Meinungsverschiedenheiten überstanden. Das ist wie bei gutem Wein, auch die Freundschaft wird im Laufe der Jahre immer besser." Wenn man sie denn pflegt.

Eine Bedrohung liegt laut dem Experten in der gestiegenen Mobilität. Immer häufiger werden Freundschaften über Hunderte von Kilometern hinweg geführt. Dabei ist das Internet eine große Hilfe. Die "Jacobs-Studie" kommt zu dem Ergebnis, dass Facebook, Skype und Co helfen, mit Freunden, die weiter weg wohnen, in Kontakt zu bleiben. Aber der Experte warnt: "Ohne persönliche Treffen geht ein ganz wichtiger Teil der Freundschaft verloren. Wenn ich einen Seitensprung beichten oder andere intime Geständnisse ablegen möchte, muss ich dem anderen in die Augen sehen können", so Krüger.

Das Netz kann das gemeinsame Biertrinken nicht ersetzen. Bei Freunden, die einem räumlich nahe sind, könne der Internetkontakt zu einer Verflachung der Freundschaft führen. Das sei gerade bei den 30- bis 59-Jährigen, die wenig Freizeit haben, der Fall. Also, lieber mal in der Kneipe treffen, statt über Facebook zu chatten.

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