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Hells "Angel" #WeAreWithYouAmberHeard - Ein Star muss kein guter Mensch sein

Amber Heard und Johnny Depp
Nach 15 Monaten Ehe reichte Amber Heard die Scheidung von Johnny Depp ein. Unüberbrückbare Differenzen lautete die erste offizielle Begründung.
© Patrick Hamilton/AFP
In ihrer Kolumne knöpft sich Henriette Hell Menschen vor, die in ihren Augen in puncto Liebe und Sex alles richtig machen. Oder alles falsch. Diesmal geht es um das Ehe-Aus von Johnny Depp und Amber Heard.
Von Henriette Hell

In Hollywood geht's gerade echt ab: Amber Heard, 30, wirft Noch-Ehemann Johnny Depp, 53, häusliche Gewalt vor. Er habe sie im Laufe der Beziehung immer wieder "körperlich und verbal misshandelt". Johnnys Freunde behaupten: alles Lüge! Amber versuche, den Weltstar zu erpressen, um an sein Geld zu kommen. Ihre Freunde sagen: Es stimmt! Johnny sei regelmäßig ausgetickt. Es steht also Aussage gegen Aussage.

Trotzdem – und das ist der eigentliche Skandal – neigen die meisten Leute, speziell in den sozialen Medien, dazu, Johnny Depp zu glauben. Das liegt wohl daran, dass der Weltstar seit den 90er Jahren ein Teil unserer aller Leben ist: kaum eine Studenten-WG, in der nicht das legendäre Filmplakat des Kultstreifens "Fear and Loathing in Las Vegas" hing. Kaum ein Kinderzimmer, in dem nicht irgendein Fanartikel von "Captain Jack Sparrow" herumlag.

Bitte nicht vorverurteilen

Amber Heard, die junge Sexbombe, wegen der Johnny Depp nach 14 Jahren Vanessa Paradis, die Mutter seiner beiden Kinder, verließ, wirkte immer einen Tick zu kühl, um Sympathien zu wecken. Seine Kinder sollen sie gehasst haben. Und jetzt verstrickte sich die 30-Jährige gegenüber der Polizei auch noch in Widersprüche. Es fällt deshalb leichter, SIE als "böse" abzustempeln, so wie es gerade bei Twitter und Co. der Fall ist. Vor allem, weil ihr bei einer Scheidung die Hälfte von Johnnys 400-Millionen-Dollar-Vermögen zustehen würden.

ABER! Wer Amber Heard jetzt – ohne jede Auswertung von Beweisen und Zeugenaussagen – als Lügnerin bezeichnet, verhöhnt damit alle Opfer häuslicher Gewalt und trägt schlimmstenfalls dazu bei, dass sich in Zukunft noch weniger Frauen trauen, gegen ihre Peiniger vorzugehen, aus Angst davor, dass ihnen keiner glaubt.

Johnny Depp nicht verteidigen, nur weil er berühmt ist

Bei Twitter gibt es mittlerweile sogar schon den Hashtag #WeAreWithYouAmberHeard – mit dem Ziel, Gewalt gegen Frauen zu stoppen. Eine Userin fordert: "Hört auf, Johnny Depp zu verteidigen, bloß weil er ein berühmter, Filmstar ist und gut aussieht! Das heißt nicht, dass er auch ein guter Mensch ist."

Am 17. Juni steht der nächste Gerichtstermin an. Bis dahin gilt: im Zweifel für den Angeklagten. Aber bitte auch: im Zweifel für die Klägerin.


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