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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: "Mein Partner beutet mich aus und macht mich vor Freunden zum Gespött"

Nicola ist verzweifelt: Ihr Mann zeigt kein Mitleid, wenn sie weint. Im Haushalt hilft er auch nicht. Und vor Freunden macht er fiese Witze über ihre Problemzonen. Wie kann Nicola mit so einem Mann umgehen?

Beziehungsproblem: Mein Mann macht mich vor anderen fertig

Er ist gemein zu Nicola und faul im Haushalt: Welchen Rat hat Julia Peirano für die Frau?

 Liebe Frau Peirano,

ich bin 34 Jahre alt und mein Partner und ich haben eine dreijährige Tochter. Mein Partner hat mich schon immer klein gemacht, aber es wird immer schlimmer. Er stellt mich gerne vor Freunden bloß, und zwar genau da, wo es weh tut. Ich kann nicht besonders gut singen, singe aber sehr gerne. Er macht mich dann nach und hat natürlich die Lacher auf seiner Seite. Einmal hat er was über meinen Bauch gesagt (meine absolute Problemzone, ich hasse meinen Bauch, ich bin sonst sehr schlank), hat sich dann aber angeblich so liebenswürdig bei mir entschuldigt, dass keiner ihm böse war. Nur ich komme damit nicht klar. Wenn ich ihm das sage, macht er sich über mich lustig.

Mein Partner lässt in unserer Beziehung die ganze Arbeit an mir hängen, obwohl wir beide berufstätig sind. Wenn abgemacht ist, dass er unsere Tochter von der Kita abholen soll, schreibt er mir an dem Tag: "mal schauen, ob ich das schaffe, es ist ja viel Verkehr" oder "Ich muss vielleicht länger arbeiten". Ich schaffe es allerdings immer, unsere Tochter rechtzeitig abzuholen und gehe dafür auch mal früher von der Arbeit weg und lasse mich dafür von meiner Chefin schief angucken.

Unaufgefordert macht er so gut wie nichts im Haushalt. Wenn ich ihn bitte, etwas zu tun, lässt er es meistens so lange liegen, bis ich es dann doch erledige. Ich mache jetzt alles lieber selbst, aber ich bin oft gestresst und überfordert.

Bei der Arbeit hänge ich hinterher, was mich stresst. Vor der Geburt unserer Tochter hatte ich immer sehr gute Bewertungen, jetzt liege ich im Mittelfeld. Aber mit ihm reden hilft nichts. Wenn ich mich beschwere, sagt er mir, dass ich dauernd an ihm herummeckere, und ich sollte mir mal überlegen, wie ein Mann sich mit so einer "Xanthippe" wohl fühlen kann. Manchmal führt er auch auf, was er (angeblich) im Haushalt gemacht hat. Das meiste davon stimmt nicht, ist entweder aufgebauscht oder gelogen.

Am Schlimmsten ist es, wenn ich weine. Er guckt mich spöttisch an. Einmal meinte er, ich soll mich zusammen nehmen, ein Kind zu erziehen und etwas zu arbeiten sei keine Mondlandung. Ich bin nach solchen Bemerkungen tagelang traurig und weiß nicht, wohin mit mir. Aber er hat einfach kein Mitgefühl. Ich kann das wahrscheinlich nicht ändern, aber es macht mich abgrundtief traurig. Ich stehe mit allem so alleine da, und er macht mir das Leben eher schwerer als leichter.

Ich frage mich, was mit ihm los ist, dass er sich so verhält. Und ob ich irgendwelche Möglichkeiten habe, etwas dagegen zu tun.

 Viele Grüße und Danke,

Nicola B.

Liebe Nicola B.,

es hört sich so an, als wenn Sie sehr verzweifelt in Ihrer Beziehung sind. Sie kämpfen täglich dafür, dass Sie Ihr Kind, die Arbeit und den Haushalt unter einen Hut kriegen. Das ist eine große Leistung! Mit den zahlreichen Aufgaben fühlen Sie sich alleine gelassen, und es ist sogar noch schlimmer als das. Ihr Partner gibt Ihnen nicht das Gefühl, dass er Ihnen hilft und mit Ihnen an einem Strang zieht. Er kommt Ihnen eher vor wie ein Gegner, verletzt Sie, macht Sie klein, greift Sie in schwachen Momenten an und sieht teilnahmslos zu, wie Sie sich abmühen. Damit verletzt er Sie seelisch, und ich befürchte, dass es bei Ihnen Spuren hinterlassen wird. Denn immer tiefer brennt sich in Ihnen ein, dass Sie keine Hilfe und keinen Schutz erhalten.

Sie fragen mich, warum Ihr Partner sich so verhält. Es ist immer heikel, Diagnosen zu treffen, wenn man jemanden nicht kennt und nur eine Seite gehört hat. Dennoch hört es sich so an, als wenn Ihr Partner unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leiden könnte. Ich beschreibe einige Verhaltensweisen von Narzissten, die auch auf Ihren Partner zutreffen:

- er wertet Sie ab und macht Sie klein, auch vor anderen, um sich zu erhöhen

- er ist nicht empathisch. Wenn Sie traurig oder erschöpft sind, greift er Sie an, anstatt Sie zu trösten

- er ist egozentrisch und versucht, in der Beziehung deutlich weniger zu geben, als er nimmt. Wenn Sie ihn darauf ansprechen, verdreht er die Tatsachen und rechnet falsch auf. Sie fühlen sich verwirrt oder hilflos

- er legt wenig Wert auf emotionale Nähe oder flieht sogar davor. Es scheint ihn nicht zu stören, dass Ihre Beziehung so distanziert ist

Diese Verdachtsdiagnose ist nur ein erster Anhaltspunkt. Es wäre jetzt wichtig, dass Sie sich über Narzissmus informieren, denn nur dann können Sie sich ein Bild davon machen, ob Ihr Partner (und damit auch Sie als seine Partnerin) davon betroffen sind.

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Einige wertvolle Bücher zum Thema Narzissmus sind:

- "Wie schleichendes Gift. Narzisstischen Missbrauch in Beziehungen überleben und heilen" von Christine Merzeder

- "Mein Mann, der Narzisst. Wie ich mich vom Leben mit einem Blender befreite" von Eva K. Kramer

- "Wege aus der Abhängigkeit. Belastende Beziehungen überwinden" von Heinz-Peter Röhr

Wie Sie an den Titeln der Bücher sehen, ist das Leben an der Seite eines narzisstischen Partners sehr schwierig, "giftig" und stellt oft einen seelischen Missbrauch dar. Narzissmus ist, anders als offensichtliche psychische Störungen wie z.B. Depressionen oder Schizophrenie, anfänglich schwer zu erkennen, denn Narzissten wirken nach außen oft kompetent, liebenswert und interessant. Erst in engen Beziehungen verletzen Sie Ihre Partner(Innen) oft auf subtile Weise, aber das oft auch so geschickt im Verborgenen, dass niemand Außenstehendes es erkennt.

 

Einen Zahn muss ich Ihnen leider ziehen: Es ist recht unwahrscheinlich, dass Ihr Partner sich verändert. Narzissmus ist eine frühe Störung, das heißt, dass der Betroffene sie durch Verletzungen in seiner frühesten Kindheit bekommen hat. Narzissten suchen jedoch sehr selten eine Therapie auf, und es klingt so, als wenn Ihr Partner nicht zur Reflektion oder zu konfliktlösenden Gesprächen mit Ihnen bereit ist.

Es wäre sicher auch hilfreich, wenn Sie eine Psychotherapie machen, um sich Unterstützung zu holen und die narzisstischen Muster genauer erkennen und sich dagegen wappnen können. Sie kommen sicher nicht daran vorbei, über eine Trennung nachzudenken, was mit einem kleinen Kind nicht einfach wäre. Auch hier wäre es sicher gut, emotionale Unterstützung zu erhalten.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft für die kommende Zeit.

Herzliche Grüße, Julia Peirano

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