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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: Ich bin 44 und sexuell unerfahren - wie soll ich bloß anfangen?

Manche Menschen fangen später an, sexuell aktiv zu werden. Doch was, wenn es irgendwann zu spät ist? Auch Henning wünscht sich Kontakt zu Frauen. Bloß, wie soll er das anstellen?

Im fortgeschrittenen Alter werden erste sexuelle Kontakte schwieriger (Symbolbild)

Im fortgeschrittenen Alter werden erste sexuelle Kontakte schwieriger (Symbolbild)

Getty Images

Sehr geehrte Frau Dr. Peirano,

Ich (Informatiker, 44 Jahre) habe noch keinerlei Erfahrungen mit Frauen. Mir kommt das vor wie ein Makel, und ich rede auch mit keinem darüber. Als Kind und Jugendlicher war ich sehr schüchtern und hatte wenige Freunde. Ich hatte Hemmungen und Komplexe wegen meiner dicken Brille und meiner Akne. Mädchen haben sich nicht für mich interessiert, ich war wie Luft für sie. Ich habe mich in der Pubertät aber auch wenig für Mädchen interessiert und extrem viel Zeit vor dem Computer verbracht.

Im Studium waren 99 Prozent Männer und ich war nicht der Typ für Parties. Und je mehr Jahre vergingen, desto schwerer erschien es mir, den ersten Schritt zu machen.

Jetzt sind die meisten meiner Freunde verheiratet, und ich könnte mir zum ersten Mal auch vorstellen, eine Partnerin zu haben. Aber ich scheitere irgendwie an meiner Unerfahrenheit und Schüchternheit. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, mich bei einer Partnerbörse anzumelden oder eine Frau anzusprechen, denn irgendwann muss ich ihr bekennen, dass ich völlig unerfahren bin. Das wirkt schon sehr sonderbar in meinem Alter. Und ich kann irgendwie nicht den ersten Schritt machen, wenn ich weiß, dass ich vor dem fünften Schritt Angst habe.

Haben Sie einen Rat für mich?

Viele Grüße,

Henning T.


Lieber Henning T.,

Ich kann mir gut vorstellen, dass es Ihnen wie eine unüberwindliche Hürde vorkommt, den ersten Schritt in Richtung einer Frau zu machen. Denn Sie haben völlig Recht mit der Vermutung, dass Sie irgendwann im Kennenlernprozess (und wahrscheinlich eher früher als später) sagen müssten, dass Sie keinerlei Erfahrungen mit Frauen haben. Das ist in Ihrem Alter recht ungewöhnlich und deshalb wahrscheinlich auch erklärungsbedürftig. Und ich kann mir vorstellen, dass Sie nicht unbedingt über eine einsame Kindheit und Jugend sprechen möchten und dabei Erfahrungen preisgeben müssen, die Ihnen unangenehm sind.

Verständlicherweise macht die Vorstellung, eine Frau anzusprechen, sie zu berühren, zu küssen und mit ihr intim zu werden, Sie nervös, weil Sie völlig unerfahren sind. Es wäre in ungefähr so, als würden Sie sich auf eine Tanzfläche wagen müssen, in der geübte Tänzer Tango tanzen, obwohl Sie noch keinen Tanzschritt gelernt haben und die Tanzregeln nicht beherrschen.

Sexualität ist jedoch etwas, dass man rein aus der Theorie oder aus Schilderungen nicht verstehen kann. Man muss eigene Erfahrungen machen, und diese Erfahrungen verändern einen auch. Gerade weil Sie bisher das Thema gemieden haben und eine Angst davor entwickelt haben, wäre es wichtig, dass Sie angenehme erste Erfahrungen machen können und die Zuversicht entwickeln, dass Sie und eine Partnerin befriedigenden Sex haben können.

Wenn wir bei dem Tangobeispiel bleiben, wäre die naheliegende Idee, dass Sie erst einmal etwas Unterricht nehmen, bevor Sie sich auf die Tanzfläche wagen. Ein männlicher Tangolehrer würde Ihnen erklären, wie die Regeln sind, wie man eine Frau auffordert, wie man sie umarmt und wie man führt. Der Unterricht bei einer weiblichen Tangolehrerin würde Ihnen vermitteln, wie sich die Umarmung mit einer Frau auch wirklich anfühlt, wie sanft oder bestimmt eine Führung sein sollte, wie spielerisch und angenehm die Nähe mit einer Tänzerin sein kann. Es ginge auch um das Erfahren, um das Spüren und Ausprobieren. Darum, was man machen darf und was man besser lassen sollte.

Im Tangounterricht würden Sie darauf vorbereitet werden, später auch mit anderen Frauen zu tanzen und sich sicher auf dem Parkett zu bewegen. Und je mehr Erfahrung Sie gesammelt haben und je genauer Sie wissen, was Sie tun, desto mehr Souveränität strahlen Sie aus. Das heißt: Sie fühlen sich besser, und Ihre Tänzerin fühlt sich sicherer.

Vielleicht ahnen Sie schon, worauf ich hinaus will? Ich möchte durch die Blume andeuten, dass es eine Möglichkeit sein könnte, erste sexuelle oder erotische Erfahrungen in einem sicheren Umfeld zu sammeln. Mit einer Partnerin, die weiß, dass Sie keine Erfahrungen haben, der das nichts ausmacht und die geduldig und einfühlsam dabei hilft, dass Sie erste erotische Erfahrungen machen können.

Ich könnte mir vorstellen, dass es viel einfacher ist, wenn es bei den ersten Begegnungen erst einmal einen sicheren Rahmen gibt (vergleichbar mit den Tango- Einzelstunden). Dieser sichere Rahmen ist nicht gegeben, wenn Sie eine Frau in "freier Wildbahn" (also z.B. in einer Partnerbörse oder im Cafè) kennenlernen.

Nehmen wir wieder das Beispiel Tanzlehrerin: Die Tanzlehrerin hat es sich zum Ziel gesetzt, ihrem Schüler Tango beizubringen und sich auf ihn einzustellen. Ihr geht es in dem Moment nicht darum, selbst möglichst perfekt zu tanzen.

Eine Tanzpartnerin hingegen hat andere Erwartungen. Sie möchte möglichst schnell und viel lernen, sucht einen sympathischen und talentierten Tanzpartner und erhofft sich dazu noch entweder eine romantische Beziehung mit ihm oder eine abgegrenzte Freundschaft (wenn Sie anderweitig gebunden ist). Es ist also viel komplizierter, mit einer Tanzpartnerin zu lernen, wenn man selbst unsicher und noch unklar ist und nicht genau weiß, was man will, kann und möchte.

Aufgrund Ihrer großen Berührungsängste wäre es vorteilhaft, wenn es bei Ihren ersten erotischen Erfahrungen nur um Sie geht. Es könnte Sie überfordern, wenn Sie sich von Anfang an mit den (natürlich berechtigten!) Erwartungen, Wünschen und möglichen eigenen Problemen einer Partnerin auseinandersetzen müssten. Stellen Sie sich vor, eine Frau sucht Bestätigung von Ihnen und ist irritiert, wenn Sie unsicher oder nervös sind. Oder eine Frau hat schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht und tritt deshalb sehr forsch und dominant auf. Wenn Sie also Pech haben, können Sie bei Ihren ersten sexuellen Erfahrungen verletzt oder sogar gedemütigt werden. Eine Partnerin könnte Sie kritisieren, sich von Ihnen abwenden oder den Kontakt abbrechen. Das wäre schmerzhaft und könnte Ihnen den Wind aus den Segeln nehmen.

Wenn Sie mir in meinem Gedankengang folgen können, kommen wir zu der nächsten Frage, wo Sie eine Frau finden können, die Sie behutsam in die Welt der Erotik einführt. Vielleicht können Sie sich langsam herantasten und erst einmal mit klassischen Massagen (also die, die auch vom Arzt verschrieben werden könnten) anfangen, um sich daran zu gewöhnen, berührt zu werden. Wenn Ihnen das gefällt, können Sie vielleicht Massagen ausprobieren, in denen Sie auch erotisch berührt werden. Oder Sie recherchieren nach Sexualtherapie oder Tantra-Kursen und schildern der Therapeutin oder dem Lehrer oder der Lehrerin Ihre Situation und fragen nach weiteren Schritten.

Wichtig ist, dass die Schritte für Sie nicht zu groß sind und dass Sie sich jederzeit wohl und sicher fühlen. Das hieße, dass Sie gezielt nach einer Frau Ausschau halten, die erotisch sicher und erfahren ist und die Ihnen in dieser Hinsicht gut gefällt.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich genussvoll und bestärkend mit Ihrer eigenen Erotik auseinandersetzen können. Wenn Sie das ausstrahlen, wird es für Sie auch viel einfacher, mit Frauen in Kontakt zu kommen.

Viele Grüße,

Julia Peirano

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(