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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe Ich habe zwei Söhne von meiner Ex-Frau und nun will meine neue Partnerin zwei weitere Kinder

Die Kinderfrage beschäftigt viele Paare (Symbolbild)
Die Kinderfrage beschäftigt viele Paare (Symbolbild)
© GCShutter / Getty Images
Seine neue Partnerin ist für Steffen die Traumfrau. Doch wenn es um die Familienplanung geht, macht er sich Sorgen. Obwohl beide sich Kinder wünschen, ist er wegen seiner beiden Söhne aus erster Ehe unsicher. Wie können die beiden darüber sprechen?

Liebe Frau Peirano,

ich (35) bin seit drei Jahren von meiner Ex-Frau getrennt, seit einem Jahr geschieden. Die Ehe war viele Jahre sehr unglücklich, und ich habe zwei Söhne (fünf und zehn Jahre alt) aus dieser Ehe. Sie sind nur alle zwei Wochenenden und in den Ferien bei mir.

Jetzt bin ich seit zweieinhalb Jahren in einer neuen Beziehung und einfach unendlich glücklich. Meine Freundin (31) ist eine unfassbar verständnisvolle und liebevolle Frau und wir schwimmen auf einer Wellenlänge. Zwischen uns läuft alles unglaublich harmonisch und auch das Liebesleben ist perfekt - in Summe einfach meine Traumfrau und ich würde sie auch sofort heiraten.

Nun komme ich zum Punkt, der uns etwas schmerzt: Meine Freundin hat den Wunsch eine Familie zu gründen, am liebsten mit zwei Kindern. Ich selbst kann es mir super vorstellen, jedoch ist das ganze aus zwei Gründen scheinbar schwierig. Zum einen wird es finanziell nicht einfach, da ich für meine beiden Söhne recht viel Unterhalt zahle und auch die Ex-Frau etwas bekommt.

Zum Zweiten eignet sich unsere aktuelle Wohnung nicht dazu und eine größere Wohnung (im Raum München) würde unser Budget schon stark belasten, auch wenn ich überdurchschnittlich gut verdiene.

Ich gehe davon aus, dass sich bei neuem Nachwuchs die Unterhaltsansprüche nach unten bewegen werden, daher bin ich zuversichtlich.

Ich habe aber große Angst, dass unsere (perfekte) Beziehung an dieser Diskrepanz zerbrechen könnte, nur weil ein angemessener Wohnraum so unerreichbar für uns scheint. In den letzten Tagen haben wir beide lang und intensiv darüber gesprochen und sind uns schon einig, dass auch unsere Vorstellungen über die Zukunft sehr ähnlich sind. 

Ich weiß nun nicht mehr, wie ich am besten mit dieser verzwickten Situation zwischen uns umgehen kann. Auf einer Seite will ich mich mit ihr darüber austauschen und Lösungen generieren, auf der anderen Seite habe ich große Angst, dass fortlaufende Gespräche Zweifel in ihr erzeugen...

Können sie mir hier bitte einen Rat geben?

Danke und viele Grüße,

Steffen F.

Lieber Steffen F.,

ich kann gut verstehen, dass die Entscheidung für weitere Kinder nicht einfach für Sie ist. Im Gegensatz zu Ihrer neuen Freundin haben Sie ja bereits Kinder bekommen und mit Ihnen zusammen gelebt. Sie wissen, wie das Leben mit Kindern ist, welche Bedürfnisse diese haben, welche Aufgaben auf die Eltern hinzu kommen und - mal Hand aufs Herz - auch wie viel Aufmerksamkeit Kinder fordern (was natürlich auch ihr gutes Recht ist).

Ihre Ehe ist bereits zerbrochen, und so verantwortungsvoll, wie Sie klingen, ist das bestimmt alles andere als leicht für Sie gewesen. Und wahrscheinlich ist es auch für Ihre Söhne nicht einfach, getrennte Eltern zu haben.

Vielleicht sind Sie im Moment auch noch damit beschäftigt, die Wunden zu verheilen, die die Trennung Ihnen und den Kindern zugefügt hat. Kann es sein, dass Ihnen folgende Gedankenmuster bekannt vorkommen: "Werde ich meinen Kindern gerecht" und "kann eine neue Beziehung auch wieder scheitern, selbst wenn es jetzt nicht danach aussieht"?

Vielleicht sind Sie noch in der Phase, in der Sie die Trennung verarbeiten und sich darum kümmern, dass Ihre Söhne, Sie und Ihre neue Partnerin sich gut zusammen fügen. Das braucht Zeit! Oft braucht man dazu viele Jahre.

Wie versteht sich eigentlich Ihre Partnerin mit Ihren Söhnen? Welche Spuren hat die Trennung bei den Kindern hinterlassen?

Können Sie sich vorstellen, dass die Kinder gut damit klar kommen würden, neue Geschwister zu haben, die dann aus vielen Gründen auf Platz 1 rücken würden, a) weil sie jünger sind, b) weil sie beide Elternteile vor Ort haben und nicht nur einen, c) weil sie dauerhaft mit Ihnen zusammen wohnen und nicht nur alle zwei Wochen am Wochenende und d) weil Sie weniger Kindesunterhalt an Ihre älteren Söhne bezahlen würden, wenn Sie weitere Kinder haben.

Patchworkfamilien erfordern viel Integrationsarbeit, und das ist oft nicht einfach. Wenn ein wichtiger Schritt ausgelassen oder nicht sorgfältig genug verarbeitet wird, fliegt einem das später oft um die Ohren.

Insofern wäre es sicher wichtig, dass Sie sich noch etwas Zeit nehmen und offen mit Ihrer Partnerin über Ihre Gefühle, Sehnsüchte und Sorgen sprechen.

Sie haben nun einmal von Anfang an unterschiedliche Positionen gehabt: Sie hatten schon Kinder, Ihre Partnerin nicht.

Dann wäre es auch gut, ganz praktisch und gründlich zu überlegen, wie Sie zusammen es meistern würden, ein Haus oder eine Wohnung mit genug Platz zu finanzieren. Welche Gegenden kommen in Frage, mit welchen Mieten oder Kreditraten müssen Sie rechnen? Arbeitet Ihre Partnerin auch und würde Sie im Beruf bleiben, wenn die Kinder da sind? Vielleicht können Sie noch konsequenter durchrechnen, was in Ihrem Kopf schon überschlagen wurde?

Zahlen und Planungen schaffen oft Klarheit - und das reduziert Angst.

Und planen Sie auch gemeinsam, wie Ihre Partnerin und Sie sich jeweils die Kinderbetreuung vorstellen und die Aufgabenteilung.

Wie würden Sie beide sicher stellen, dass Ihre beiden Söhne sich nicht vernachlässigt fühlen?

Ich kann mir gut vorstellen, dass eine etwas genauere Planung und weitere Gespräche (möglichst ergebnisoffen) Klarheit bringen. Denn was in der Vorstellungswelt nicht funktioniert, funktioniert in der Praxis in der Regel erst recht nicht. Und was sauber geplant ist, geht in der Ausführung viel leichter von der Hand.

Herzliche Grüße

Julia Peirano


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