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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: Ich sehne mich nach Nähe und Sex – doch ich finde keinen Partner

Fast jeder Mensch hat ein Bedürfnis nach Nähe, Zärtlichkeit und Sex - auch Corinna. Doch was, wenn man den passenden Partner dazu einfach nicht finden kann?

Alleine zu sein, ist nicht einfach (Symbolbild)

Alleine zu sein, ist nicht einfach (Symbolbild)

Getty Images

Liebe Frau Peirano,

ich schreibe Ihnen, weil ich nicht weiß, wie ich mit dem Thema, das mich beschäftigt, weiter umgehen soll. Ich stehe kurz vor der 50, bin seit 1,5 Jahren von meinem Mann getrennt, mit dem ich 20 Jahre lang zusammen war. Ich bin seitdem allein, habe aber viele Freunde, nehme an kulturellen Veranstaltungen aller Art teil und gehe auch gern mal ins Fußballstadion. Meine Interessen sind wirklich breit gefächert und ich lerne dabei neue Menschen kennen. Was mir aber wahnsinnig fehlt, ist jemand, mit dem die Beziehung über gute Gespräche und schöne Unternehmungen hinausgeht. Ich sehne mich nach Nähe, Umarmungen, Küssen und Sex. Ich merke, wie sich das auf meinen Alltag und meine Laune auswirkt und wie dieses Thema immer mehr meinen Kopf beherrscht.

In diesem Punkt hat sich bei mir ein ziemliches Defizit angestaut. Ich habe die Jahre zuvor meinen Mann unterstützt, der an schweren Depressionen litt, mit vielen Klinikaufenthalten inklusive Zwangseinweisungen. Es war eine sehr schwere Zeit, in der ich seine Arbeitsunfähigkeit durch meinen Job, den ich von Teilzeit auf Vollzeit umgestellt habe, auffangen musste und versucht habe, unseren beiden fast erwachsenen Kindern, die sehr unter der Situation gelitten haben, zumindest von meiner Seite ein verlässliches, liebevolles Elternteil zu sein.

Eine körperliche Beziehung zu meinem Mann hatte ich da schon länger nicht mehr. In der Zeit hatte ich eine kurze, sehr leidenschaftliche Affäre mit einem anderen Mann. Das hat mir sehr gut getan, dabei geholfen, nicht komplett zu verzweifeln und – was mich ein bisschen erschreckt hat – war mit keinem schlechten Gewissen verbunden. Natürlich habe ich mich verliebt, aber leider war der Ballast, den ich mitgebracht habe, vielleicht ein bisschen zu viel für diesen Mann, sodass nichts Ernsthafteres daraus geworden ist. 

Nachdem sich die Situation meines Mannes nach guter Behandlung zum Glück stabilisiert hat und ich das Gefühl hatte, er schafft es, allein klarzukommen, haben wir uns getrennt. Es war mein Wunsch, weil wir schon lange kein Paar mehr waren und für mich die körperliche Komponente auch wichtig ist. Darauf möchte ich einfach nicht verzichten, dafür fühle ich mich mit fast 50 noch zu jung.

Aber auch nach 1,5 Jahren allein bin ich keinen Schritt weiter. Ich lerne gelegentlich Männer kennen, die mich interessieren. Die sind dann entweder gebunden oder sehen in mir eine gute Freundin. Ich würde aber so gern einfach einmal wieder als Frau wahrgenommen werden. Das unerfüllte Sexleben macht mich unglücklich, unzufrieden und launisch. Es beherrscht meine Gedanken und ich weiß nicht, wie ich mich davon freimachen soll. Ich habe Dinge ausprobiert, an die ich mich früher nie gewagt hätte: Pornos, Sex-Toys und sogar Online-Dating. Dreimal habe ich mich zu einem Treffen getraut, aber schnell festgestellt, dass das nicht das ist, was ich suche. Mich erfüllt Sex nur mit jemandem, der mir auch Nähe gibt und mit dem auch der Rest stimmt. Der ist aber nicht in Sicht. Das lässt mich so langsam verzweifeln.

Was raten Sie mir?

Corinna M.


Liebe Corinna M.,

Zuerst möchte ich Ihnen meine tiefe Hochachtung dafür ausdrücken, dass Sie jahrelang so viel Verantwortung für Ihre Familie übernommen haben! Das muss nicht leicht gewesen, die Sorge um Ihren schwer depressiven Mann auszuhalten und gleichzeitig die Kinder so liebevoll und intensiv zu betreuen, dass diese möglichst unbeschadet aufwachsen können. Sie haben sich selbst in diesen Jahren sehr zurückgestellt und wahrscheinlich oft nur funktioniert, damit es allen anderen gut geht. Kein Wunder, dass Sie jetzt erschöpft und ausgelaugt sind und sich danach sehnen, einen liebevollen Partner zu haben.

Leider ist es bei der Partnersuche jedoch oft so, dass gerade diejenigen, die einen Partner am nötigsten brauchen, diese Bedürftigkeit auch ausstrahlen und deshalb Schwierigkeiten haben, jemanden zu finden. Anscheinend spüren Partner beim Kennenlernen sehr genau, ob jemand mit sich selbst im Reinen ist und ein glückliches Leben führt und zusätzlich einen Partner braucht – oder ob jemand sich von einem Partner erhofft, dass er ihn glücklich macht und ihm von außen sozusagen die Energietanks wieder auflädt.

Meistens ist es so, dass Menschen, die einen Partner brauchen, in der Partnerschaft dann auch Abstriche und faule Kompromisse machen, um ihren Partner nicht zu verlieren. Wenn Sie sich bei der Suche also zu sehr von Ihrer Sehnsucht leiten lassen, könnte es passieren, dass Sie nicht richtig hinschauen und wieder an einen kranken oder hilfsbedürftigen Mann geraten (wie Ihr Ex-Mann es war). Deshalb ist es ganz wichtig, dass Sie vor der Partnersuche ganz stabil auf eigenen Beinen stehen. Das betrifft nicht nur Ihr äußeres Leben (Job, Wohnung, Freunde, Finanzen), sondern auch Ihre Gefühlswelt. Hier geht es darum, sich auch als Single zufrieden und erfüllt zu fühlen.

Ich weiß, das ist sehr viel verlangt!

Deshalb rate ich Ihnen, zu allererst bei sich anzufangen und sich selbst glücklich zu machen, so ungern Sie das wahrscheinlich auch hören. Ein guter Anfang wäre es, dass Sie sich um Ihren Körper und um Ihre Gefühle kümmern, denn bei Ihnen drückt sich die Sehnsucht nach einem Partner vor allem körperlich aus.

Ganz konkret: Wann fühlt sich Ihr Körper entspannt und im positiven Sinne berührt an, wenn Sie mit sich alleine sind? Einige empfinden ein gutes, erfülltes Gefühl beim Tanzen (nicht nur Paartanz, auch Zumba, Flamenco, Jazztanz etc.), beim Schwimmen (das Wasser streichelt und umfängt einen von allen Seiten), beim sportlichen Auspowern (Laufen, Fahrrad fahren) oder beim Yoga.

Und da Ihr Bedürfnis nach Sex und körperlicher Intimität spürbar hoch ist: Wie ist es bei Ihnen mit der Selbstbefriedigung? Kennen Sie Ihren Körper gut und wissen, was Ihnen gefällt? Nehmen Sie sich die Zeit, sich genüsslich selbst zu befriedigen – und fühlen Sie sich danach entspannt? Wenn nicht, wäre es gut, wenn Sie sich etwas Anleitung zur körperlichen Selbstliebe holen können (zum Beispiel wird die Erkundung des eigenen Geschlechts genau und einfühlsam beschrieben in dem Buch: "Make more love" von Ann-Marlene Hennings oder in dem Frauenbuch: "Komm, wie du willst" von Emily Nagosky.

Sie könnten sich außerdem Massagen verschreiben lassen oder eine Freundin finden, die Interesse hätte, einen Massagekurs zu besuchen (oder Online- Anleitungen zu sehen) und sich dann gegenseitig mit Öl zu massieren.

Auch bei der Körperpflege gibt es viele Möglichkeiten, sich selbst Liebe und Zuneigung zu zeigen, sich liebevoll eincremen und selbst massieren, ein Vollbad zu nehmen …

Es wäre auch bestimmt hilfreich, wenn Sie einen Paartanz lernen. Salsa und Swing sind schon mit einigen Stunden Anfängerunterricht gelernt, und Sie haben die Möglichkeit, Männern auf eine unverbindliche Art körperlich nah zu kommen.

Und natürlich möchten Sie langfristig einen Partner finden. Die am weitesten verbreitete Methode ist mittlerweile das Online-Dating, und ich würde Ihnen empfehlen, dabei zu bleiben, auch wenn es am Anfang einige nervige oder frustrierende Erfahrungen gibt. Es gibt einige Ratgeberbücher, die ganz genau beschreiben, wie man ein Profil erstellt, das die richtigen Partner anzieht, wie man das erste Date gestaltet, worüber man sich unterhält und wie man auch die Männer schnell verabschiedet, mit denen man sich nicht weiter treffen möchte.

Es wäre auch wichtig, sich genau vorzustellen, wie das Kennenlernen verlaufen sollte, damit Sie Vertrauen aufbauen können. Welche Fragen müssten geklärt sein, ab wann fühlt sich Sex gut und richtig an, was sind Warnzeichen, bei denen Sie das Weite suchen sollten? Es ist realistisch, dass Sie sich darauf einstellen, mit vielen Männern einen Kaffee trinken zu gehen, um dann letztlich den Richtigen zu finden.

Mit einem aussagekräftigen Profil und der richtigen Strategie ist es jedoch deutlich einfacher und entspannter, passende Männer kennen zu lernen. Vielleicht können Sie das mal mit einer Freundin durchsprechen, die da gute Erfahrungen gemacht hat?

Vielleicht können Sie sich immer vor Augen halten, dass man bei der Jobsuche auch nicht aufhört, wenn man noch keine neue Stelle gefunden hat, auch wenn es anstrengend und lästig ist? Bei der Partnersuche wäre es auch wichtig, so lange am Ball zu bleiben, bis Sie jemanden Passenden gefunden haben.

Auf jeden Fall ist es wichtig, dass Sie alles dransetzen, sich selbst glücklich machen und sich intensiv darum bemühen, Ihre Bedürfnisse zu erkennen und zu erfüllen. Erst wenn es Ihnen gut geht, können Sie auch in Ruhe schauen, welcher Partner zu Ihnen passt und dann auch mal jemanden ziehen lassen, der doch nicht der Richtige ist – wie zum Beispiel bereits gebundene Männer.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie alles dransetzen, dass es Ihnen gut geht und dann auch bald einen Partner finden, der Sie liebevoll behandelt!

Herzliche Grüße,

Julia Peirano

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(