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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe Mein Freund hat sich aus heiterem Himmel von mir getrennt – kann das Marihuana damit zu tun haben?

Ist der Drogenkonsum ihres Freundes wirklich der Trennungsgrund? (Symbolbild)
Ist der Drogenkonsum ihres Freundes wirklich der Trennungsgrund? (Symbolbild)
© Goodboy Picture Company / Getty Images
Fünf Jahre lang hatten Elena und ihr Freund sich gemeinsam ein Leben aufgebaut – und plötzlich kommt aus dem Nichts die Trennung. Kann es auch mit seinem Drogenkonsum zusammenhängen?

Hallo Frau Peirano, 

nach fünf Jahren hat mich gerade mein Freund verlassen. Von den fünf Jahren haben wir vier Jahre zusammen gewohnt. Kurz vor seinem 30. Geburtstag meinte er, er bräuchte jetzt einen neuen Weg ohne mich, er sieht mit mir keine Zukunft mehr. Und es bricht ihm das Herz, weil ich ihm sehr wichtig bin. 

Man muss dazu sagen, wir haben wir haben sehr viel durch gemacht. Angefangen mit einer Eileiterschwangerschaft und dem Abgang. Danach hat er sich arg verändert und immer so komische Sprüche rausgehauen hat wie "wenn Kinder Kinder kriegen" und das es schon besser so war. Wo ich mir dann manchmal die Frage gestellt habe: Meint er das so? Oder ist es doch nur ein Schutzmechanismus? Leider habe ich nie eine richtige Antwort bekommen. 

Dann sind wir von Österreich nach Deutschland gezogen, weil er sich beruflich verändert und sich selbstständig gemacht hat. Das ist jetzt zehn Monate her. Und genau da ging es dann auch bergab. Er hat dann immer öfter zu Marihuana gegriffen und war quasi nicht mehr zugänglich, hat keine Nähe mehr zugelassen, es sei denn er war zugedröhnt. Wir reden hier nicht von mal ab und an eine Tüte geraucht, sondern täglich auch mal bis sechs Joints am Tag (besonders am Wochenende). Wir haben uns immer öfter deswegen gestritten. 

Ich habe immer wieder versucht, mit ihm zu reden. Habe auch immer wieder unsere schönen Zeiten hervorgerufen und mit ihm drüber gesprochen. Ich habe ihm den Rücken freigehalten, habe ihn unterstützt in der Selbstständigkeit. Wir hatten Ziele, gemeinsame Träume - und nun soll das alles vorbei sein? 

Vor einer Woche bin ich nun aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen und weiß immer noch nicht, was ich davon halten soll. Meine Freunde raten mir, das alles komplett sein zu lassen. Andererseits denk ich mir halt fünf Jahre sind fünf Jahre und ich hätte gerne eine Antwort auf mein "warum?". Gibt es noch eine Chance? Ich weiß es nicht. Ich bin ziemlich durcheinander. Ich habe mich seit dem Auszug nicht mehr bei ihm gemeldet, er wiederum schreibt mir schon. Hatte mich sogar auch zu seinem 30. Geburtstag eingeladen. 

Mit freundlichen Grüßen 

Elena T.

Liebe Elena T.,

ich kann sehr gut verstehen, dass Sie zur Zeit traurig, durcheinander und auch frustriert sind. Sie haben fünf Jahre mit Ihrem Freund verbracht und waren davon ausgegangen, dass Sie zusammen bleiben und möglicherweise eine Familie aufbauen. Und dann kam Ihr Freund mit der Botschaft, dass er sich trennen will - das scheint aus relativ heiterem Himmel passiert zu sein. Kein Wunder, dass Sie erst einmal durcheinander sind und sich orientieren müssen.

Allerdings kommt es mir in Ihrer Schilderung so vor, als wenn es einige tief sitzende Probleme in Ihrer Beziehung gab. Kann es sein, dass eigentlich Sie immer diejenige waren, die mehr auf das Beziehungskonto eingezahlt hat? Dass Sie die Vernünftige waren, die nach vorne geguckt hat? Dass Sie Ihren Freund beruflich unterstützt haben (und auch seinetwegen mit ihm umgezogen sind) und auch versucht haben, ihm seinen Marihuana-Konsum auszureden? Dass Sie diejenige waren, die unter der Fehlgeburt am meisten gelitten hat und bei Ihrem Partner keine Schulter zum Anlehnen gefunden hat? 

Es hört sich so an, als wenn Ihr Freund eher der Part war, der sorglos handeln konnte, weil Sie verlässlich an seiner Seite waren. Er konnte am Wochenende kiffen und seine Gefühle vermeiden, weil er vielleicht den Eindruck hatte, dass Sie sowieso an seiner Seite bleiben. Wie wäre es, wenn Sie für sich noch einmal prüfen und aufschreiben, was Ihr Freund in die Beziehung investiert hat und was Sie investiert haben? Vielleicht helfen Ihnen Ihre Freunde auch dabei - es wird sicher einen Grund geben, warum sie sich einig sind, dass Sie es lassen sollen mit Ihrem Freund. 

Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass Ihr Freund und Sie sich auch manchmal nicht richtig verstanden haben. Seine Bemerkungen zu Ihrer Fehlgeburt haben Sie verwirrt, und auch hier klingt es so, als wenn er eher auf sich geschaut hat als auf Sie beide als Paar. Und Sie nicht in dem Maße getröstet hat, in dem Sie es gebraucht hätten.

Insofern würde ich mich hier vorsichtig Ihren Freunden anschließen und Ihnen raten, sich erst einmal ganz viel Zeit zu nehmen, um selbst (und mit Hilfe Ihrer Freunde) herauszufinden, was in der Beziehung nicht gepasst hat. Und sich vorzustellen, wohin es möglicherweise geführt hätte, wenn Sie zusammen geblieben wären. Ich kann mir vorstellen, dass die Vorstellung eines kiffenden, mauernden, abweisenden Partners Ihnen nicht so zusagt, insbesondere mit Kindern.  Das hilft Ihnen vielleicht bei der Frage, ob Sie selbst noch eine zweite Chance wollen. Es klingt ehrlich gesagt wie ein Minusgeschäft für Sie…

Machen Sie jetzt alles, was Ihnen gut tut: Treffen Sie sich mit lieben Menschen, gehen Sie an die frische Luft, treiben Sie Sport, essen Sie regelmäßig und schreiben Sie am besten viel Tagebuch.

Wenn Sie nach mindestens zwei Monaten noch ein Gespräch mit Ihrem Freund wollen, können Sie das dann ja machen. Aber erst einmal wäre es sicher hilfreich, Abstand zu bekommen. 

Ich hoffe, dass Sie bald wieder zur Ruhe kommen und Klarheit über die Beziehung gewinnen. Nur wenn Sie die ungünstigen Muster dieser Beziehung wirklich verstehen, können Sie mit einem anderen Partner eine Beziehung führen, in der beide sich bemühen.

Herzliche Grüße, Julia Peirano


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