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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: Meine Freundin und ich befeuern gegenseitig unsere Ängste

Jeder Mensch hat Situationen, mit denen er nur schwer umgehen kann. Was aber, wenn sich die Partner in einer Beziehung immer wieder gegenseitig in genau solche Situationen bringen? Thomas und seine Freundin stecken in so einer Lage fest. Lässt sie sich auflösen?

In vielen Beziehungen stehen Ängste zwischen den Partnern (Symbolbild)

In vielen Beziehungen stehen Ängste zwischen den Partnern (Symbolbild)

Getty Images

Liebe Frau Peirano,

ich (Lehrer, 55 Jahre) war  32 Jahre verheiratet. Meine Frau ist vor genau einem Jahr durch einen Autounfall verunglückt. Wir hatten eine harmonische Beziehung, unser Sohn ist mittlerweile erwachsen.

Ich habe dann über Bekannte eine Frau (Ludmilla) kennengelernt, die mich aus meiner Trauer und Isolation herausgerissen hat. Sie ist Russin, sehr temperamentvoll und emotional. Wir sind jetzt ein Jahr zusammen. Am Anfang hat mich ihre spontane Art begeistert. Wir haben viel ungeplant unternommen (einmal sind wir einfach Freitag zum Flughafen gefahren und haben den nächsten Flug genommen - dann eine Wochenende in Paris verbracht). Ich habe noch nie so viele neue Menschen kennen gelernt (meine Frau und ich hatten einen sehr kleinen Freundeskreis). Und am Anfang haben wir sehr viel gelacht. 

Leider gibt es auch eine andere Seite an Ludmilla. Sie ist sehr ungeduldig und verlangt, dass ich alles sofort für sie erledige. Sie ist bei ihrer Mutter aufgewachsen, die sie nicht genug beachtet hat. Sie wurde wohl sehr vernachlässigt. Ludmilla kann sehr wütend werden, wenn ich dem nicht nachkomme, auch wenn ich mich bemüht habe. Sie verlangt, immer im Mittelpunkt meines Denkens zu stehen und akzeptiert es nicht, wenn ich mal einen Moment für mich sein möchte (z.B. im Bett noch lesen möchte, anstatt sie zu streicheln). Sie wirft mir vor, dass ich gefühlskalt bin, obwohl ich mich sehr um sie bemühe.

Ich bin bei Pflegeeltern aufgewachsen. Meine erste Pflegemutter konnte sehr wütend werden und hat mich oft gestraft. Es gab Liebesentzug, sie hat teilweise tagelang mit mir nicht gesprochen. Das ging über 3 Jahre, bis das Jugendamt aufmerksam wurde und ich in eine andere Familie kam. Nach außen wirkte sie sehr nett und sie konnte auch sehr liebevoll und lustig sein. Man wusste aber nie, woran man bei ihr war. Ich hatte große Angst vor ihr und habe versucht, mich unsichtbar zu machen, damit sie mich nicht weiter bestraft. 

Wenn Ludmilla wütend wird, ziehe ich mich automatisch zurück und verschanze mich hinter einer dicken Mauer. Sie wird dann noch wütender, weil ich mich entziehe. Wir diskutieren stundenlang, sie ist auch schon einfach weggelaufen und ist nicht ans Handy gegangen. Es wird nur wieder gut, wenn ich mich entschuldige. 

Es ist ein so schwieriger Teufelskreis, aus dem wir nicht herauskommen. Aber die Streitigkeiten häufen sich und die Stimmung ist sehr angespannt.

Ich würde mich über eine Strategie sehr freuen.

Thomas G.

Lieber Thomas G.,

Zuerst einmal möchte ich Ihnen mein Beileid zum Tod Ihrer Frau aussprechen! Haben Sie sich eigentlich genug Zeit genommen, um über den Verlust Ihrer Frau hinweg zu kommen? Es gibt zwar keine Richtwerte, aber ich könnte mir aus meiner Erfahrung vorstellen, dass nur wenige Monate nicht reichen, um den plötzlichen Tod der langjährigen Gefährtin zu verarbeiten und sich für eine neue Beziehung öffnen zu können. Vielleicht können Sie da in ruhigen Momenten noch einmal nachspüren, insbesondere wenn Sie Fotos von Ihrer verstorbenen Frau betrachten oder sich mit Ihrem Sohn treffen? Wenn Ihre alte Beziehung noch nicht verarbeitet ist, wird es auch innerlich schwer, sich auf etwas neues einzulassen.

Mein Eindruck von Ihrer neuen Beziehung zu Ludmilla ist, dass Sie beide sich aufgrund früher Beziehungsmuster (und insbesondere Ängste!) unbewusst ausgesucht haben. Sie haben die Erfahrung gemacht, von Ihren Eltern verlassen worden zu sein (aus welchen Gründen auch immer) und zu einer Pflegefamilie gegeben worden zu sein. Es wäre, sofern Sie das noch nicht gemacht haben, sicher hilfreich, die näheren Umstände zu erfahren (sind Ihre Eltern gestorben, waren Sie alkoholabhängig oder drogensüchtig…).

Es kann durchaus sein, dass der plötzliche und unerwartete Tod Ihrer Frau wieder Erinnerungen an frühe Verlusterfahrungen aus Ihrer Kindheit aktiviert, auch wenn Ihnen das nicht bewusst ist. Aber Ihr Nervensystem hat die Trennung von Ihren Eltern abgespeichert und der Stress kommt wieder hoch, wenn jetzt eine Trennung passiert oder droht.

Sie sind dann in eine Pflegefamilie gekommen, zu einer Pflegemutter, die Sie emotional missbraucht hat. Sie haben nicht die Erfahrung machen können, sicher und beständig akzeptiert und geliebt zu werden. Sondern Sie mussten sich wie auf rohen Eiern bewegen, um nicht den Ärger Ihrer Pflegemutter hervorzurufen. Und das hat nicht geklappt, denn grundlos wurden Sie mit Liebesentzug bestraft - und das als ein Kind, das schon früh von den Eltern getrennt wurde oder diese verloren hat.

Sie haben also gelernt, dass Stimmungen ständig kippen können und dass Sie möglichst lieb sein müssen, um das zu verhindern.  Und das Bemühen um gutes Verhalten hat die Ausbrüche Ihrer Pflegemutter auch nicht verhindern können, so dass Sie sich hilflos gefühlt haben. Man nennt das auch "erlernte Hilflosigkeit". Sie haben deshalb gelernt, sich emotional in Sicherheit zu bringen, wenn jemand mit Ihnen schimpft, Ihnen Vorwürfe macht oder Liebesentzug ausübt. Man nennt das auch "Dissoziation" - das bedeutet: Ich gehe innerlich aus einer traumatischen oder bedrohlichen Situation heraus, mache mich gefühllos und erlebe diese Situation wie aus einer Beobachterrolle.

Ludmilla hingegen hat erfahren, dass Sie nicht genug Beachtung und Liebe bekommt. Sie beobachtet genau, wie viel Zuwendung Ihr jemand entgegen bringt. Die Erfahrung, schnell und immer verfügbar zu sein, bedeutet für Sie, dass Sie wichtig ist, dass Sie geliebt wird, dass Sie sicher ist. Sie muss bei Ihrem Partner ständig spüren, dass sie im Mittelpunkt seiner Wahrnehmung steht. Wenn er sich mal mit etwas anderem beschäftigen möchte (dem Buch), bekommt sie Verlustängste und fühlt sich unbewusst an die Situationen mit ihrer Mutter erinnert, in denen sie nicht zählte. Und das schmerzt sie sehr.

Es ist schwer für ein Paar, wenn sie zueinander passende, tiefsitzende Ängste haben. Der eine treibt den anderen an das "du beachtest mich nicht genug, deshalb raste ich aus"- Verhaltensmuster, worauf der Partner mit: "du rastest aus, deshalb beachte ich dich lieber nicht" reagiert.

Ich würde Ihnen empfehlen, dass Sie, sofern das noch nicht geschehen ist, diese Muster offen legen und aus einer Beobachterrolle heraus mit Ludmilla besprechen. Sie beide sind Opfer Ihrer Vergangenheit. Deshalb sollte auch keiner versuchen, aus Verständnis für das Leid des anderen Dinge auszuhalten, die nicht ok sind. Es wäre gut, wenn Sie in Streitsituationen aussprechen könnten, was Sie empfinden. Zum Beispiel: Ich merke, dass du wütend wirst. Ich fühle mich bedroht und möchte mich erst einmal beruhigen, indem ich alleine spaziere gehe. Es wäre gut, wenn Ludmilla sagen könnte: Ich bekomme Panik, wenn du jetzt weggehst. Ich habe Angst, dass du mich verlässt. Deshalb kämpfe ich so.

Am Besten wäre es, in einer Paartherapie zu besprechen, wie jeder die unangenehmen Gefühle, die bei dem Aufeinandertreffen hervorkommen, akzeptieren kann. Manchmal geht es nicht darum, etwas gegen die Gefühle zu unternehmen oder eine Lösung zu bekommen, sondern zu lernen, sie als Teil von uns wahrzunehmen. Es wäre gut, wenn Ludmilla lernt, sich ihrer Verlustangst zu widmen, wenn Sie sich aus der Situation herausziehen und sich beruhigen. Und es wäre gut, wenn Sie Ihre Angst vor Strafen wahrnehmen können und versuchen, dabei innerlich offen für eine neue Begegnung mit Ludmilla zu bleiben.

Das ist ein schwieriger und langer Weg, insbesondere, weil Sie beide tiefe Verletzungen aus der Kindheit haben. Insofern empfehle ich ein Setting, in dem Sie beide eine Paartherapie machen und in der Paartherapie überlegt wird, inwiefern Einzelsitzungen (bei der gleichen oder einer anderen Therapeutin) nötig und sinnvoll sind.

Herzliche Grüße, Julia Peirano

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Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.