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Rosa Schlüpfer für die Liebe: Die schrägsten Silvesterbräuche

Der Jahreswechsel, traditioneller Siedepunkt des Aberglaubens. Wir verraten Ihnen, welcher internationale Silvesterbrauch zu welchem Anliegen passt. Nur ausprobieren müssen Sie's selbst.

Neues Jahr, neues Glück? Vor den guten Vorsätzen kommen an Silvester traditionell die glückversprechenden Bräuche. Ist es hierzulande der schlichte Ausstausch von Schweinchen, Kleeblättern und Hufeisen, geht es global betrachtet deutlich aktiver zu. Da werden Puppen und Zettel verbrannt, da wird über Wellen und von Stühlen gesprungen und allerlei Schabernack mit Unterwäsche getrieben. Vor allem bösen Geistern geht es vielfach an den Kragen.

Von Glück, Gesundheit und Liebe - geben Sie sich ungehemmt dem Aberglauben hin! Skurrile Silvesterbräuche für jedes Anliegen:

Auf der Suche nach Glück?

Wer sich in der Nähe eines Meeres befindet, der kann um Mitternacht über sieben Wellen hüpfen - eine für jeden Wochentag. So macht man's nämlich in Brasilien, um das Glück anzulocken. Falls kein Meer zur Hand sein sollte, tut es notfalls vielleicht der Gartenteich.

Steigen Sie auf einen Stuhl und springen Sie um Mitternacht runter wie die Dänen. Oder verzehren Sie bei jedem Glockenschlag eine Weintraube wie die Spanier. Wer auf Nummer sicher gehen will, stellt sich auf einen Stuhl, schluckt bei jedem Glockenschlag eine Weintraube, hält dabei einen Gegenstand in der Hand, der einen besonders innigen Wunsch symbolisiert (z.B. Reisepass) und springt dann erst runter. So machen es die Venezolaner. Kleiner Hinweis: Schmeckt eine der zwölf Trauben schlecht, wird der entsprechende Monat hart. Größerer Hinweis: Sie sollten von derlei Akrobatik Abstand nehmen, wenn Sie den Abend über übermäßig dem Alkohol zugesprochen haben.

Sie können sich auch gemäß griechischer Traditionen lediglich dem exzessiven Karten- und Würfelspiel widmen. Die Griechen zocken vom Silvesterabend bis zum Sonnenaufgang am 1. Januar. Wer da gewinnt, soll das ganze Jahr über Glück haben. Wer verliert, kann auf den rosa Schlüpfer verzichten (--> siehe "Liebe" weiter unten).

Sollten Sie zufällig eines neugeborenen Lämmchens habhaft werden, hilft einfaches streicheln für Glück im neuen Jahr. Das glauben jedenfalls die Rumänen. Falls Ihnen das alles zu kompliziert ist, können Sie auch unprätentios im Freien tanzen, gern in der Nähe eines Busches oder Baumes. Wenn Sie dann kein Hund anfällt: Werten Sie das als ersten Glücksbeweis.

Sie sind nicht mehr jung, brauchen aber trotzdem das Geld?

Die Venezolaner schwören auf gelbe Unterwäsche. Das lassen wir mal so stehen. Auf den Philippinen trägt man zu Silvester außerdem Kleidung mit Pünktchen und legt zwölf verschiedene runde Früchte auf den Esstisch - das sorgt über das ganze Jahr verteilt für Wohlstand. Falls Ihnen außer Apfel und Orange kein rundes Obst einfallen sollte, essen Sie halt Fisch - vorzugsweise Karpfen - und legen Sie sich eine Schuppe ins Portemonnaie.

Auf ganz der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie um Mitternacht einen Löffel mit Linsen verspeisen. Die stehen symbolisch für Geld und gelten vielerorts als Reichtumsbooster: Man huldigt der Hülsenfrucht unter anderem in Chile, den USA, Tschechien, Italien. Wer so richtig viel Kohle will, der legt noch grüne Bohnen obendrauf. Und wird möglicherweise reich, aber einsam.

Ihnen ist Gesundheit am wichtigsten?

Da haben die Bulgaren die Rute vorn. In der Silvesternacht und am ersten Januar ziehen Kinder bewaffnet mit einem Ast des Kornelkirschenbaums von Haus zu Haus und verteilen zwecks Gesundheit Schläge auf den Rücken. Dafür bekommen sie Bonbons, Kuchen und Kleingeld geschenkt. Vielleicht funktioniert das Konzept deshalb, weil man nach den Stockschlägen andere Schmerzen nicht mehr spürt.

Sie wollen doch nur reisen?

Ein bemerkenswert bescheidener Wunsch mit verhältnismäßig einfacher Umsetzung - jedenfalls in Kolumbien: Schnappen Sie sich einen leeren Koffer und gehen Sie einmal um ihr Haus. Dann blüht Ihnen ein Jahr voller Reisen. Und unter Umständen der eine oder andere schräge Blick.

Wunscherfüllung gefällig?

Da hält man sich am Besten an die Russen. Die schreiben nämlich um Mitternacht einen Herzenswunsch auf einen Zettel, verbrennen ihn, bröseln die Asche in ein Glas Champagner (Prosecco zählt bei Durchschnittsbürgern auch) und stürzen ihn vor 0:01 Uhr in einem Zug runter. Aber die Russen haben eh robuste Mägen.

Sie wollen etwas loswerden?

Tragen Sie Weiß wie die Brasilianer - das ist das Mindeste, was Sie tun können, um böse Geister allein mit Ihrem Anblick zu brüskieren. Zudem empfiehlt es sich - so zumindest meint man auf den Philippinen - mit Einbruch der Dunkelheit im gesamten Haus das Licht anzuschalten. Sehr zum Unbill der bösen Geister, sehr zum Entzücken des Stromanbieters. Später sollten Sie, wenn Sie den bösen Geistern (und den Nachbarn) das Nervenkostüm final zerfetzen möchten, auch noch wild auf Töpfen und Pfannen trommeln. Hat sich zumindest im angelsächsischen Raum bewährt.

Wenn Sie es etwas gründlicher angehen wollen, machen Sie's auf Argentinisch, schreddern Sie den ganzen Tag über Unterlagen und werfen Sie sie aus dem Fenster. Fegen Sie anschließend das Haus sorgfältig von oben nach unten aus (Chile) und stellen Sie anschließend den Besen vor die Tür (Mexiko). Auf diese Weise nehmen Sie nichts Unerledigtes aus dem alten Jahr mit. Um auch noch dafür zu sorgen, dass Tränen und Schmerz fernbleiben: Ein Glas Wasser aus der Tür weg vom Haus auschütten. Aber bitte nicht direkt auf den Fußweg; wir sind nicht auf den Philippinen, es könnte frieren.

Wem das alles in Sachen Geistervertreibung zuviel Tamtam ist, der macht eben klassisch Feuerwerk. Oder bastelt eine lebensgroße Puppe und verbrennt sie um Mitternacht im Garten - damit lässt man in Ecuador das vergangene Jahr los. Hier sorgt man eher für (berechtigte) Nachfragen vom Nachbargrundstück.

Her mit der großen Liebe!

Supermärkte, Waschcenter, Bars und Datingportale erfolglos abgegrast? Geben Sie die Hoffnung nicht auf und Ihrem Liebesglück einen Schubs. Das geht verhältnismäßig einfach: Tragen Sie zu Silvester unten drunter brandneue pinkfarbene oder rote Dessous. So halten es unter anderem Italiener und Chilenen. Wenn Sie es machen wollen wie die Kolumbianer, dann ziehen Sie den Schlüpfer auch noch verkehrt herum an und wenden Sie ihn nach Mitternacht. Am 1. Januar sollten Sie ihn dann wegwerfen. Spätestens.

Was Sie auf KEINEN FALL tun sollten:

Hängen Sie an Silvester keine Wäsche auf - die vom allgemeinen Tohuwabohu entsprechend wütenden bösen Geister könnten sich darin verfangen und etwas säuerlich reagieren, was sich der Überlieferung nach darin ausdrückt, dass sie einen Verwandten mitnehmen. Und wir wissen alle, was das heißt. Leider kann man sie nicht nur gezielt auf Schwiegermütter loslassen. Also lieber mal für einen Tag den Waschzwang zügeln.

Essen Sie auch bloß kein Huhn - das symbolisiert nämlich Armut und ist überhaupt kein gelungener Einstieg ins neue Jahr. Und auch nicht gut für ihren Antibiotika-Haushalt.

Verlassen Sie am 1. Januar nicht das Haus - falls Sie nicht ohnehin vollkommen zerstört auf der Couch versacken. Genau genommen darf - zumindest in den USA - gar nichts am 1. Januar das Haus verlassen, nicht mal der Müll. Sonst droht Unglück. Denn wenn Sie Pech haben, warten vor dem Haus vielleicht ein paar extrem entnervte böse Geister auf Sie ...

jbw

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