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Zeichen der Versöhnung Völkermord in Ruanda: "Ich habe dem Mörder meines Mannes vergeben – und unsere Kinder haben nun geheiratet"

Völkermord in Ruanda
2008 heirateten Alfred und Yankurije (Symbolbild)
© Marco VDM / Getty Images
Bis zu eine Million Menschen starben 1994 beim Völkermord der Hutu an den Tutsi in Ruanda. Die Wunden heilen nur langsam – doch ein Ehepaar setzt ein eindrucksvolles Zeichen der Versöhnung.

1994 schlachteten Angehörige der Hutu-Mehrheit in Ruanda ihre zur Volksgruppe der Tutsi gehörenden Landsleute regelrecht ab. Innerhalb von 100 Tagen wurden 800.000 bis eine Million Menschen ermordet, 75 Prozent der Tutsi kamen ums Leben. Der Völkermord in Ruanda ist ein unfassbares Verbrechen, unter dem das ganze Land bis heute leidet. Und doch gibt es Zeichen der Versöhnung zwischen beiden Volksgruppen.

Ein eindrucksvolles Symbol hat ein Paar aus dem afrikanischen Land gesetzt. Alfred gehört zu den Tutsi, Yankurije ist eine Hutu – und ihre Familien verbindet eine schreckliche Geschichte. Während des Völkermordes brachte der Vater von Yankurije den Vater von Alfred brutal um. Dennoch haben beide  14 Jahre später geheiratet, wie die BBC berichtet.

Ruanda: Ehefrau des Opfers vergibt dem Täter

Noch bemerkenswerter ist, welche Rolle dabei Alfreds Mutter Bernadette Mukakabera spielte. Ihr Mann Kabera Vedaste wurde 1994 von seinem Nachbarn Gratien Nyaminani ermordet – dem Vater von Yankurije. Erst 2004, also zehn Jahre nach dem Völkermord, gestand Nyaminani die Tat bei einer Anhörung in dem Dorf, in dem beide Familien leben. Er bat die Witwe um Verzeihung – und Kabera Vedaste sprach ihm tatsächlich noch bei der gleichen Gelegenheit ihre Vergebung zu.

Und nicht nur das: Vedaste billigte sogar die Hochzeit ihres Sohnes mit der Tochter ihres Mörders. Sie ermutigte ihn sogar ausdrücklich dazu. "Ich hege keinen Groll gegen meine Schwiegertochter wegen der Taten ihres Vaters", sagt sie. "Ich hatte das Gefühl, dass sie die beste Schwiegertochter wäre, weil sie mich besser verstehen konnte als jeder sonst. Ich habe meinen Sohn davon überzeugt, sie zu heiraten."

Das Paar lernte sich schon in der Kindheit kennen

Alfred und Yankurije kennen sich schon seit Kindestagen. Yankurije war zur Zeit des Völkermords neun Jahre alt und besuchte ihre Nachbarn damals oft, um im Haushalt mitzuhelfen. "Sie hatte niemanden sonst, der ihr helfen konnte, weil mein Vater verantwortlich war für den Tod ihres Mann", erklärt sie. Dabei habe sich der fünf Jahre ältere Sohn von Vedaste wohl in sie verliebt. Alfred besuchte damals ein Internat und konnte seine Mutter nicht unterstützen.

2008 heirateten beide in der Katholischen Kirche der Stadt im Westen von Ruanda. Beide Familien gehören der Kirchengemeinde an, der örtliche Priester setzt sich stark für die Versöhnung zwischen den Tätern des Völkermords und den Hinterbliebenen ihrer Opfer ein. Dort hatte auch Yankurijes Vater Gratien Nyaminani seine Schuld bekannt und sich feierlich mit der Witwe seines Opfers versöhnt. 

Sohn und Tochter haben ein weiteres bewegendes Zeichen dafür gesetzt, wie die Wunden der Vergangenheit in dem afrikanischen Land Stück für Stück heilen können. "Unsere Kinder haben nichts damit zu tun, was passiert ist", sagt Kabera Vedaste. "Sie haben sich einfach ineinander verliebt und nichts kann sie davon abhalten, sich zu lieben." Sie hofft, dass diese Liebesgeschichte auch weitere Menschen dazu ermutigt, um Vergebung zu bitten und den Tätern zu vergeben.

Quelle: BBC

epp

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