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Das Buch der Singlefrau: Single sein ist unbefriedigend? Ich lach' mich schlapp!

Unter dem Titel "Mein Bett ist halbvoll" hat die Singlefrau – endlich – ein Buch herausgebracht. Gnadenlos ehrlich erzählt sie darin von den spannenden und saukomischen Erfahrungen, die Toni, Mitte 30 und allein, macht. 

Eine junge Frau frühstückt im Bett Müsli mit Obst und lacht

Frühstück im Bett – schmeckt auch alleine spitze

Seit zwei Jahren berichtet die Singlefrau in ihrem Blog "Weiblich! Ledig! Na und?" beim stern davon, wie sich ihr neues Leben allein anfühlt. Wie sie sich rechtfertigen muss dafür, dass sie nicht alle zur Verfügung stehenden On- und Offline-Möglichkeiten nutzt, um endlich den Mann zu finden, mit dem sie eine Familie gründen wird. Ihre Mama träumt nämlich von Enkeln. Und wie sie in ihrem Freundeskreis stets beteuern muss, dass sie, "Ja, wirklich!", glücklich ist, auch ohne Kerl. 

Ihre Erlebnisse auf Partys, Reisen, mit One-Night-Stands und in längeren Affären hat die Singlefrau nun als Inspiration genutzt und ein Buch herausgebracht. "Mein Bett ist halbvoll", heißt es, und beinhaltet nicht die Summe der einzelnen Blog-Beiträge, sondern einen ausführlichen Rückblick auf die Leiden und Freuden im Leben allein. Der Neubeginn als Single war für ihre Heldin Toni nicht einfach, wie sie schreibt, eigentlich sogar ziemlich peinlich. Gleich am ersten Abend, den Auszug aus der gemeinsamen Wohnung hat sie just hinter sich gebracht, geht Toni auf eine Party. Mit ein paar Bieren intus trifft sie auf ihren Exfreund, der Freundeskreis ist schließlich immer noch der gleiche. Und sie macht ihm prompt ein eindeutiges Angebot. 

Buch-Auszug: Tag 1 als Single

Im Flur wird es plötzlich lauter und wuseliger. Die Ersten gehen, ist ja auch schon halb elf. Und wenn ich ehrlich bin – so richtig viel hält mich hier nicht mehr. Satt bin ich, müde und angetrunken auch. Ich hatte all diese Menschen schon den gesamten Tag um mich, und ich bin mehr als froh, dass sie alle da waren, aber ein bisschen freue ich mich auf die Ruhe in meinem neuen Heim. Ich bin gespannt, wie ich darauf reagieren werde.

Dennis hat mittlerweile die Küche verlassen. Als ich gerade ungelenk versuche, eine Bierflasche mit dem Feuerzeug zu öffnen, kehrt mein Ex in die Küche zurück. Er legt eine Hand auf meine Schulter.
»Brauchst du Hilfe?«
»Nein, ich schaffe das allein.«
»Du hast aber auch schon gut getankt.«
»Ja, na und? Mir ist danach.«
»Ach, nun sei doch nicht so, Toni.«
»Wenn ich ach so betrunken bin, dann kann ich ja gleich mit zu uns, äh dir.«
Unsere alte Wohnung ist nur ein paar Minuten zu Fuß entfernt, und der kurze Weg käme meinem angetrunkenen Zustand tatsächlich entgegen.
»Hab ich auch schon gedacht. Aber das wäre wohl keine so gute Idee.«
»Meinst nicht? Wir können jetzt tun und lassen, was wir wollen, sind zu nichts mehr verpflichtet.«
»Wir müssen den Absprung hinkriegen.«
»Ja, ich weiß. Aber schon heute Nacht?«
Ich klinge etwas verzweifelnd-bittend. Das ist eigentlich gar nicht so meine Art.
»Ja.«
Es klingt nicht sehr bestimmt, eher vernünftig, so wie er das sagt.
»Okay, dann halt nicht.«
Korb Nummer eins meines Singlelebens. Der erste und letzte –
you wish! Ich stürze das Bier fast auf ex hinunter. »So, ich muss dann jetzt auch los«, sage ich, grinse ihn an, drücke ihm die Flasche in die Hand, umarme ihn einmal flüchtig. »Mach’s gut, gute Nacht, schlaf gut.«

Gnadenlos ehrlich

Wie wir es aus ihrem Blog kennen, nimmt die Autorin auch bei Toni kein Blatt vor den Mund. Schont weder sie noch ihre Männer in den Bekenntnissen aus ihrem Singleleben. Peinlich sind wir letztendlich alle, irgendwie. Zumindest manchmal. Und immer mal wieder taucht auch bei Toni, die ihr Leben in vollen Zügen genießt, der Wunsch nach einem Kerl auf. Es soll nichts für die Ewigkeit sein, aber ein bisschen Kuscheln wäre mal wieder schön. So lässt sich Toni zum Beispiel noch einmal auf Karsten ein, eine eigentlich bereits vor zehn Jahren abgeschlossene Affäre.

Buch-Auszug: Sex mit 'nem Ex

Während ich noch mit der Situation fremdelte, hatte er schon meinen Gürtel geöffnet, den Hosenknopf. Seine Hand glitt in meinen Slip, fuhr um die Hüfte, auf den Hintern, drückte zu. Es war vertraut und ungewohnt gleichzeitig. Mir war klar, dass es nicht meine Reize waren, sondern weibliche, vielleicht noch ein wenig das Verbotene, was ihn so erregte. Karsten fummelte an meinem Reißverschluss herum, schob die Hose über den Hintern, den Slip gleich mit. Jetzt war es egal, dass das ein Hotel und er verheiratet war. Ich setzte mich aufs Bett, zog mir den Pullover aus, öffnete den BH, schmiss beides neben mich auf den Boden und lehnte mich zurück, stützte mich auf den Unterarmen auf dem Bett ab, auffordernd. Karsten stellte sich ans Bett, fixierte mich mit seinen braunen Augen, öffnete seinen Gürtel, seine Hose, zog sie samt Unterhose aus.
[...]
Er legte sich neben mich, guckte mich an, seufzte erleichtert. »Wie vor zehn Jahren«, sagte er. Genau das ist das Problem, dachte ich. Zumindest hatte sich bei mir innerhalb meiner letzten Beziehung und in den Monaten des Singledaseins der Sex geändert. Bei Karsten offenbar seit zehn Jahren nicht. Aber so wie man sich nach Ende des Studiums persönlich entwickelt, so sollte man doch auch im Bett Neues ausprobieren. Ein fieser Gedanke, ich sprach ihn nicht aus, stand auf, suchte meine Unterwäsche, mein T-Shirt, begann, mich anzuziehen. »Ich fände es schön, wenn du bleibst«, sagte er.

6 Fragen an die Singlefrau

Du bloggst seit zwei Jahren beim stern zum Thema Single-Sein und hast nun ein Buch darüber geschrieben. Was erwartet deine Blog-Leser, was sie noch nicht kennen?
In meinem Blog schreibe ich über mich selbst, das ist meine Geschichte, das sind meine Ansichten und die Dinge, die ich erlebt habe. Meine lustigen oder betrüblichen Anekdoten über Dates, Abfuhren und mein Umfeld, das sich gerne einmischt. Was man als Single halt so erlebt. Im Buch hingegen ist das allgemeiner gefasst, die Protagonistin ist eine Figur, es ist nicht autobiografisch. Es greift zwar in etwa die gleichen Themen auf, aber die Single-Abenteuer werden von einer Figur von A bis Z erlebt.

Warum bleibst du dann auch in deinem Buch anonym?
Wenn ich das Blog nicht anonym schreiben würde, würde ich mir einen Großteil meines Recherchematerials kaputt machen. Heutzutage googelt ja jeder vor einem Date den Namen und ich möchte natürlich nicht bei meinen zukünftigen Dates damit konfrontiert werden, dass ich doch nur Recherche betreiben würde. So ist es nur logisch, auch das Buch unter Pseudonym zu schreiben.

Wie war es, sich seine eigene Vergangenheit ein zweites Mal vorzuknöpfen?
Ich habe noch nie Tagebuch geschrieben oder wenn, dann zuletzt mit 14. Man erinnert sich ja meist nur an die schönen Dinge, aber um genau diese Geschichten aufzuschreiben, muss man auch an Situationen denken, in denen man sich selbst plötzlich nicht mehr leiden konnte oder eine Reaktion im Nachhinein ganz anders ausgefallen wäre. Manchmal war es ganz gut, sich mit Dingen noch einmal auseinanderzusetzen. Einfach mit einem gewissen Abstand noch einmal darüber nachzudenken. Aber das war jetzt nicht schlimm.

Toni, deine Figur aus dem Buch, ist aus Hamburg fort ans andere Ende der Republik gezogen, wie man auf den letzten Seiten deines Buches erfährt. Erwartet sie dort ein anderes Single-Leben und können wir auf Teil 2 hoffen?
Grundsätzlich ist der Süden aufgeschlossen, Männlein wie Weiblein. Die Menschen sind kommunikativer, offener und man kommt leichter mit ihnen ins Gespräch. Dabei geht es nicht nur ums Flirten, sondern auch um Gespräche in der Bar oder im Bus. Im Süden gibt es weniger Distanz und mehr Interesse am anderen, im Positiven wie im Negativen. Ob daraus ein zweiter Teil entsteht, müssen wir abwarten.

Du genießt es, selbstständig und frei zu sein. Geht das in einer Beziehung nicht?
Ich glaube, das geht in den wenigsten Beziehungen. Wenn ich mal wieder eine Beziehung haben sollte, würde ich eine haben wollen, die ohne kleinliche Verpflichtungen auskommt. In meiner letzten Beziehung war ich in dieser Hinsicht frei. Wir haben sehr viel getrennt voneinander gemacht, ich musste nicht immer mit zu seinen Eltern und umgekehrt auch nicht. Wir konnten auch ohne einander in Urlaub fahren. Mit anderen Worten: Ich glaube schon, dass das in einer Beziehung möglich ist, aber in den wenigsten gelebt wird.

Du kommst also nicht zu dem traurigen Schluss, dass du zur "Generation beziehungsunfähig" gehörst?
Nein, auf gar keinen Fall. Ich bin nicht beziehungsunfähig, nur weil ich gerade keine Beziehung haben möchte.

Dakota Johnson und Rebel Wilson in "How to be Single"


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