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BOCHUM: Der Terror wirkt nach

Entsetzen und Trauer kennzeichnen das Leben an der Ruhr-Universität.

Entsetzen und Trauer kennzeichnen das Leben an der Ruhr-Universität

Nichts ist mehr so, wie es einmal war. Die Ereignisse des 11. September haben ihre Spuren hinterlassen – in New York, in Washington und auch an der Ruhr-Universität in Bochum. Dabei sind die Veränderungen in und um die Hochschule gar nicht direkt ersichtlich. Nur vereinzelt erinnern Bilder und Aufrufe an die Opfer der schrecklichen Attentate in den Vereinigten Staaten. Verändert haben sich die Menschen und mit ihnen die für gewöhnlich sorglose und heitere Stimmung auf dem Campus.

An der RUB ist es bedenklich still geworden in den Tagen des Trauerns. Eigentlich ist es nicht ungewöhnlich, dass die Universität während der Semesterferien leer und ausgestorben erscheint. Aber diese Leere ist nicht mehr nur materieller, sichtbarer Natur. Sie hat sich ausgeweitet und in den Köpfen der wenigen Bediensteten und Studenten festgesetzt, die sich aus welchen Gründen auch immer momentan an der Hochschule aufhalten. Stimmen ertönen gedämpft, lächelnde Gesichter wirken gequält und herzerfrischende Freude sucht man vergeblich. Statt dessen steht den Menschen das Entsetzen noch immer ins Gesicht geschrieben – für jeden sichtbar, dem sich die Bilder jenes schwarzen Tages in die Erinnerung gebrannt haben.

Die Anteilnahme ist groß

Im Namen aller Universitätsangehörigen hat die Hochschule ihre tiefe Bestürzung über die Vorfälle ausgedrückt. Die Taten seien abscheulich, unmenschlich und unbegreiflich. Zum Zeichen der Solidarität mit den Opfern und Hinterbliebenen der Terroranschläge wurde ein Kondulenzbuch im Audimax hinterlegt. Viele hunderte Studenten, Professoren und Mitarbeiter haben in den letzten Tagen unterschrieben und offen ihre Anteilnahme bekundet. Das Kondulenzbuch wird Ende September mit den besten Wünschen in die Vereinigten Staaten gesandt werden.

Mit Sorge reagiert die Universität auch auf die zunehmende latente Ablehnung moslemischer Mitbürger. Gerade weil Bochum ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen ist und der Anteil moslemischer Studentinnen und Studenten sehr hoch ist, befürchtet man ein anschwellendes Konfliktpotential. Dass die Spur des Terrors auch in die Ruhrgebietsmetropole und somit möglicherweise in den Dunstkreis der RUB führt, ruft Entsetzen hervor. Die Vorstellung, dass einige Attentäter in unmittelbarer Nähe oder inmitten der Studentenschaft ihre Terrorakte geplant und vorbereitet haben, ist beängstigend.

Die Frage nach Konsequenzen bleibt vorerst unbeantwortet

Welche Konsequenzen die Ereignisse für die Ruhr-Universität haben werden, ist bislang noch nicht abzusehen. Es gibt erste Stimmen, die sich für stärker interkulturell ausgerichtete Veranstaltungen und eine offene Auseinandersetzung mit dem Islam aussprechen. Zu frisch allerdings sind die Erinnerungen, als das erste Resultate bereits spruchreif wären.

Währenddessen geht der Bochumer Alltag weiter und die Vorbereitungen für das anstehende Wintersemester laufen auf Hochtouren. Angesichts der angespannten weltpolitischen Lage und einer drohenden kriegerischen Auseinandersetzung im arabischen Raum fällt es aber jedem schwer, zur Normalität zurückzukehren. Doch was ist in diesen Tagen eigentlich schon normal? (sh)

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