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23 Familien klagen: Chefarzt jubelte Dutzenden Paaren sein eigenes Sperma unter

Skandal in der Fruchtbarkeitsklinik: Ein Chefarzt soll Eltern statt des gewünschten Spendersamens sein eigenes Sperma untergeschoben haben - und war auch noch stolz darauf. Jetzt klagen die Familien.

Ein Arzt sitzt am Bett einer frisch gewordenen Mutter, die ihren Säugling auf dem Arm hat

Ist das nur der Arzt - oder auch der Papa? (Smybolbild)

Wenn Eltern der Kinderwunsch verwehrt bleibt, haben sie heute viele Möglichkeiten. Eine ist der Besuch in einer Fruchtbarkeitsklinik. Dort kann man sich häufig den Wunschspender aussuchen, etwa damit das Kind seinem Familienvater trotz anderen Erzeugers ähnlich sieht. Was also tun, wenn das Kind plötzlich nicht Papa ähnelt, sondern dem Chefarzt? Genau vor dieser Frage stehen gerade Dutzende Familien in Holland.

Die hatten sich auf die Dienste des Bijdorp Medical Center, einer Kinderwunschklinik in Barendrecht, verlassen. Sie war in den 80er- und 90er-Jahren eine der größten Fruchtbarkeitskliniken des Landes. Im Jahr 2009 musste sie schließen - weil die Spenderlisten nicht korrekt geführt wurden. Einer der Gründe dafür soll ungeheuerlich sein: Statt das Material der gewünschten Samenspender zu nutzen, soll Chefarzt Jan Karbaat die Frauen mit seinem eigenen Sperma geschwängert haben. Das behaupten 23 Familien. Sie klagen auf einen DNA-Test.

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"Frischer Samen" aus dem Hinterzimmer

Einige der betroffenen Frauen erzählten vor Gericht, Dr. Karbaat sei in einen Nebenraum gegangen um "frischen Samen" zu holen. Zudem sähen ihre Kinder dem Arzt ähnlich, hätten etwa dieselbe Augenfarbe - obwohl der Wunschspender eine andere hatte. Karbaat selbst soll einem Bericht des "Telegraph" zufolge zugegeben haben, so bis zu 60 Kinder gezeugt zu haben. Der Arzt kann sich nicht mehr zu dem Fall äußern, er starb vor einem knappen Monat im Alter von 89 Jahren.

Manche Frauen fühlten sich "von Karbaat vergewaltigt", erklärte ein Anwalt vor Gericht. Sie fordern nun einen DNA-Test, um Klarheit zu bekommen. Karbaats Familie bestreitet die Vorwürfe. "Es gibt nicht die leisteten Hinweise, dass Herr Karbaat der Spender ist", erklärte der Anwalt der Familie. Eine der Klägerinnen, Monique Wassenaar, behauptet allerdings, Karbaat habe ihr gegenüber in einer E-Mail die Taten gestanden. Er sei sogar stolz darauf gewesen. "Er fand, er war in guter Gesundheit und intelligent, also könnte er seine Gene mit der Welt teilen", erklärte Wassenaar. "Er sah es als nobel. Er hatte keine moralischen Bedenken und redete die Folgen für die Kinder klein."

Die Kinder leiden

Die leiden darunter, keine Gewissheit zu haben. "Als Mutter gibt mir die Klage nichts", erklärt Klägerin Esther Heij gegenüber dem "Telegraph". "Aber ich sehe, wie das Leben meines Sohnes betroffen ist. Er war so wütend, als Karbaat gestorben ist." Offiziell stammen er und seine Schwester vom gleichen Vater ab, sie sollen mit dem Samen desselben Spender gezeugt worden sein. "Die Tests laufen, aber es ist noch nicht klar, ob sie wirklich Geschwister sind."

Karbaat hatte die Akten wohl auch deswegen geändert, weil Samenspender in Holland nicht mehr als sechs Kinder zeugen dürfen. Die anonyme Spende ist bereits seit 2004 verboten. Nach der Schließung der Klinik wurden die gesetzlichen Bestimmungen und die Registrierung verschärft, um eine mehrfache Registrierung desselben Spenders zu verhindern. Die möglichen Kinder Krabaats könnten immerhin bald Gewissheit haben: Ab dem 2. Juni gehen die Verhandlungen weiter, eine Zahnbürste mit DNA-Spuren wurde schon beschlagnahmt. Ob sie benutzt werden darf, wird wohl bald entschieden.

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mma
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