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Deutsche Hochschulen: Internationale Attraktivität gefährdet

Den deutschen Hochschulen droht nach Ansicht des Münchner TU-Präsidenten Wolfgang Herrmann der Verlust ihrer Anziehungskraft für ausländische Studenten.

Den deutschen Hochschulen droht nach Ansicht des Münchner TU-Präsidenten Wolfgang Herrmann der Verlust ihrer Attraktivität für ausländische Studenten. Hauptursache seien die langjährige Unterfinanzierung und die schlechte Betreuung für ausländische Gäste, sagte Herrmann in einem dpa-Gespräch. Deutschlands Hochschulen hätten bei der Internationalisierung mit der Wirtschaft nicht Schritt gehalten. "Es ist in Deutschland kaum möglich, Studienangebote für die Besten aus aller Welt Maß zu schneidern."

"Ein Ausdruck mangelnder Dienstleistung"

Die Unterfinanzierung der Universitäten belaufe sich auf geschätzt zwei bis drei Milliarden Euro im Jahr, sagte Herrmann, der Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) auf dessen China-Reise begleitet. Der Geldmangel verhindere den Aufbau bedarfsgerechter Studienangebote. Für die Betreuung der ausländischen Studenten werde in Deutschland ebenfalls zu wenig getan - von der Wohnungsvermittlung bis zur Unterstützung beim Umgang mit den Behörden. "Das ist ein Ausdruck einer mangelhaften Dienstleistung, wie andere Länder ihn sich nicht mehr leisten."

Herrmann fordert "unternehmerisches Handeln"

Um die Probleme lösen zu können, müssten die Universitäten ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen, ihre Behördenstruktur aufgeben und sich wie Unternehmen organisieren können, forderte Herrmann. "Das Thema Internationalisierung kriegen wir nicht hin, wenn wir nicht unternehmerisch handeln." Wenn die Universitäten freier würden, werde ihnen auch die Einwerbung von Sponsorengeldern leichter fallen. Doch die Politik tue sich sehr schwer, den Universitäten größere Unabhängigkeit zu gewähren. "Das Prinzip muss aber heißen: Steuern statt kontrollieren."

Mehr Attraktivität durch Gebühren

Die Universitäten müssten für Maß geschneiderte Studiengänge auch Geld verlangen können, sagte Herrmann. Die Kostenfreiheit des Studiums in Deutschland habe zu einer "zweitklassigen Internationalisierung" geführt. Vielen asiatischen Studenten sei es "sehr suspekt", dass das Studium in Deutschland umsonst sei. "Die kommen nicht, weil sie bei uns umsonst U-Bahn fahren wollen."

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