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Deutscher Schulpreis 2014: Mädchen können Technik - diese Schule macht's richtig

Erstmals erhält eine Realschule den Deutschen Schulpreis. Frank-Walter Steinmeier zeichnet sie heute in Berlin als beste Schule Deutschlands aus: die Anne-Frank-Realschule aus München.

Von Catrin Boldebuck

So sehen Siegerinnen aus! Die Mädchen der Anne-Frank-Realschule können sich über den 1. Preis und 100.000 Euro für ihre Schule freuen.

So sehen Siegerinnen aus! Die Mädchen der Anne-Frank-Realschule können sich über den 1. Preis und 100.000 Euro für ihre Schule freuen.

Wenn wir möchten, dass Deutschland in der Welt wettbewerbsfähig bleibt, dann können wir es uns nicht erlauben, kluge Köpfe unentdeckt zu lassen", sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. "Jeder, der das Zeug hat, muss unabhängig von Herkunft und Geschlecht die Chance haben, seinen Weg zu gehen und jeder hat, wenn es sein muss, auch eine zweite Chance verdient. Für all das stehen die für den Schulpreis nominierten Schulen." Steinmeier überreichte am 6. Juni die Auszeichnung als beste Schule Deutschlands 2014 in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin.

Unabhängig von der Debatte um G8 oder G9, Gemeinschaftsschule oder Gymnasium, machen die Lehrer an diesen Schulen guten Unterricht, fördern Starke und Schwache. Und es werden immer mehr. Seit 2006 suchen die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung diese Schulen und zeichnen sie aus - bislang 43 Stück. Damit sie als Vorbilder wirken können, sich ein Netzwerk guter Schulen über Deutschland legt und sie so die Bildungslandschaft von unten revolutionieren. Der stern unterstützt den Wettbewerb seit Beginn an. Denn der Preis macht deutlich: Gute Schule ist machbar! Sie hängt nicht von der Ausstattung ab, nicht von der Schulform und auch nicht vom Bundesland. Sondern von den Lehrern, die den Mut haben, neue Wege zu gehen.

Mädchen für Mathe, Natur und Technik begeistern

So wie die Pädagogen an der Anne-Frank-Realschule in München. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, ihre Schülerinnen für Mathematik, Naturwissenschaften und Technik zu begeistern. Seit 14 Jahren arbeiten sie systematisch daran. Inzwischen wählt die Hälfte der Mädchen Naturwissenschaften als Wahlpflichtfach. Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Bosch Stiftung, sagt: "Wie alle bisherigen Preisträger beweist die Anne-Frank-Realschule, dass Eigeninitiative, Offenheit für Veränderungen und der nicht nachlassende Anspruch noch besser zu werden mindestens so wichtig sind, wie eine gute Ausstattung mit Lehrpersonal und finanziellen Mitteln."

Anfang des Jahres wählten die Jurymitglieder 20 Schulen aus und inspizierten sie zwei Tage lang. Dabei prüfen die Wissenschaftler, Schulleiter und Pädagogen sechs Kriterien: Leistung, Schulklima, Verantwortung, Unterrichtsqualität, Umgang mit Vielfalt und Schulentwicklung. 15 Schulen wurden nominiert.

Die Siegerschule, die Anne-Frank-Realschule, München, bekommt 100.000 Euro. Vier weitere ausgezeichnete Schulen erhalten je 25.000 Euro: Erich Kästner Schule, Hamburg; Geschwister-Scholl-Gymnasium, Lüdenscheid; Berufsbildungszentrum Wirtschaft, Kiel und die Römerstadtschule, Frankfurt am Main. Die SchlaU Schule für junge Flüchtlinge in München wird mit dem "Preis der Jury" (25.000 Euro) ausgezeichnet. Die übrigen neun nominierten Schulen erhalten jeweils 2000 Euro. (Hier finden Sie die Siegerschulen im Kurzporträt.)

Und nun: bewerben!

Alle ausgezeichneten Schulen gehören für fünf Jahre der "Akademie des Deutschen Schulpreises" an: Gemeinsam entwickeln die Lehrer in Workshops und Seminaren Unterrichts- und Schulkonzepte weiter. Auch für die übrigen Wettbewerbsteilnehmer gibt es Angebote, zum Beispiel Hospitationen an ausgezeichneten Schulen. Allein im vergangenen Jahr haben mehr als 1000 Vertreter von Schulen an den Veranstaltungen der Akademie teilgenommen.

Und der Wettbewerb geht weiter: Ab Juli können sich alle Schule, egal ob staatlich oder privat, Grundschule oder Gymnasium, für die nächste Runde bewerben. Einsendeschluss ist der 15. Oktober 2014. Mehr Infos unter: www.deutscher-schulpreis.de

Kurzporträts der sechs Siegerschulen

Anne-Frank-Realschule, München-Pasing, Hauptpreisträger 2014

Anne-Frank-Realschule, München-Pasing, Hauptpreisträger 2014

Anne-Frank-Realschule, Hauptpreisträger 2014: Die Schule für Mädchen fördert systematisch das Interesse für Mathematik, Natur-wissenschaften und Technik. Über ein Viertel der Schülerinnen beginnt nach dem Abschluss eine technische Ausbildung. Zweimal in der Woche haben die Schülerinnen Lernbüro: Sie suchen sich einen Fachlehrer für Englisch, Mathe oder Deutsch und entscheiden dann, was sie lernen und wann. Dabei werden sie zu Co-Lehrern: Wer Hilfe braucht, schreibt seinen Namen an die Tafel, eine andere Schülerin schreibt ihren dazu und signalisiert so: "Ich helfe dir." Über 60 Prozent der jungen Frauen gehen nach der Mittleren Reife weiter zur Schule und machen Abitur.

Erich Kästner Schule in Hamburg

Erich Kästner Schule in Hamburg

Erich Kästner Schule in Hamburg: Die Stadtteilschule steht für gelebte Inklusion. Hier lernen seit 20 Jahren Mädchen und Jungen mit und ohne Handicap gemeinsam von der Vorschule bis zum Abitur. Die Lehrer kennen sich aus im Umgang mit unterschiedlichsten Leistungsansprüchen. Ihr Konzept lautet: Gerade die Unterschiede machen uns stark.

Geschwister-Scholl-Gymnasium in Lüdenscheid

Geschwister-Scholl-Gymnasium in Lüdenscheid

Geschwister-Scholl-Gymnasium in Lüdenscheid, Nordrhein-Westfalen: Wer Begabte fördern kann, kann auch Schüler mit Behinderung fördern. Dieses Gymnasium ist offen für alle - besonders für jene Schüler, die woanders Probleme haben. Sei es, weil sie Behinderungen haben, ADHS, psychische Probleme, seltene Krankheiten oder aus schwierigen Familienverhältnissen kommen. Förder- und Sonderpädagogen gibt es nicht, der Schlüssel zum Abitur liegt in der individuellen Förderung.

Römerstadtschule in Frankfurt

Römerstadtschule in Frankfurt

Römerstadtschule in Frankfurt am Main: An der staatlichen Grundschule unterrichten die Lehrer nicht mehr getrennt nach Jahrgängen, sondern in altersgemischten Lerngruppen von je 50 Schülern. Statt Klasse 1a oder 4d gibt es die "Delfine", "Uhus" oder "Igel". Die Grundschule zeigt, dass exzellente Schule auch in einem Stadtviertel machbar ist, in dem über ein Drittel der Kinder und Jugendlichen in einem Hartz IV Haushalt aufwächst.

Regionales Bildungszentrum Wirtschaft in Kiel

Regionales Bildungszentrum Wirtschaft in Kiel

Regionales Bildungszentrum Wirtschaft in Kiel, Schleswig-Holstein: Die 34 Ausbildungsgänge ermöglichen den 4500 Berufsschülern einen beispielhaften Aufstieg durch Bildung. Es ist nicht ungewöhnlich, dass der ehemalige Schulabbrecher hier sein Abitur schafft. Schulleiter Wulf Wersig sagt: "Es ist egal, wo einer anfangs steht, wichtig ist, ihm zu zeigen, was er erreichen kann."

SchlaU-Schule, München (Preis der Jury)

SchlaU-Schule, München (Preis der Jury)

SchlaU-Schule, München (Preis der Jury): Die private Schule kümmert sich um junge Flüchtlinge im Aller von 16 bis 21 Jahren, die ohne Eltern nach Deutschland gekommen sind. Viele Jugendliche sind traumatisiert, mussten ihre Familien in der Heimat zurücklassen. Hinzu kommt die ständige Angst, abgeschoben zu werden. Mit ihren Sorgen wenden sie sich an ihre Lehrer, denen sie vertrauen und die ihnen helfen. Nicht nur beim Lernen des Präteritums.

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