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Vertauschte Rollen: Wie eine 103-Jährige ihre Tochter pflegt

Theodora Neubert ist 103 Jahre alt, aber sterben kommt überhaupt nicht in Frage. Denn ihre Tochter ist demenzkrank, und die liebevolle Mutter möchte sie bis zum Schluss pflegen.

Theodora Neubert ist in einem Alter, in dem es ohne Hilfe nicht mehr geht. Sie geht gebeugt und sieht nicht mehr besonders gut. Seit Jahren lebt die 103-Jährige in einem Pflegeheim in Dortmund. Ihre Tochter Renate, die als Schulleiterin arbeitete, besuchte sie regelmäßig, und kümmerte sich so gut es ging. Doch dann wurde die Tochter wegen einer fortschreitenden Altersdemenz selbst pflegebedürftig.

Sie zog ins gleiche Heim wie ihre Mutter, aber nun ist es Theodora, die sich um ihr 68-jähriges Kind kümmert. Die "WAZ" hat das bemerkenswerte Eltern-Kind-Duo in ihrem neuen gemeinsamen Zuhause besucht. Renate Neubert sitzt im Rollstuhl, kann nicht mehr sprechen und muss künstlich ernährt werden. Ihre Mutter hilft, wo sie kann. Sie wäscht, trocknet und bügelt für ihr Kind. Gemeinsam hören sie klassische Musik von Bach, Brahms und Liszt.

Theodora Neubert arbeitete früher als Kinder- und Säuglingskrankenschwester, ihr Mann ist schon lange tot. Renate Neubert ist ihr letztes noch lebendes Kind. Vier weitere starben bei einem Bombenangriff im zweiten Weltkrieg. Nachzügler Renate wurde danach geboren. Und Theodora will trotz ihrer 103 Jahre bis zum Ende für sie da sein. Die Liebe zum Kind halte sie aufrecht, sagte sie der "WAZ". "Es ist mir nur wichtig, dass ich durchhalte, solange das Kind mich braucht."

bak
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