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"Achtung, ich komme": Teil 2: Was ich in Tansania über Sex gelernt habe

Bestsellerautorin Henriette Hell will weg vom Orgasmus-Stress und geht auf Reisen, um zu lernen, wie Sex in anderen Ländern klappt. Hier berichtet sie exklusiv von ihren Erfahrungen.

In Daressalam sind nicht nur die Grillpfannen heiß

In Daressalam sind nicht nur die Grillpfannen heiß

Bestsellerautorin Henriette Hell schreibt hier jede Woche exklusiv über weibliche Lust, Stress im Bett und ihre Aha-Erlebnisse rund um den Globus. Diese Woche: Tansania, das "Paradies: Liebe", in dem sie als Mzungu (zu Dt.: weißer, reicher Touri) automatisch zum Sex-Objekt wurde, aber leider auch zum "Antichrist-Superloser" ...

10 Dinge, die ich in Tansania über Sex gelernt habe

1. Holy shit! Wenn du Sex haben willst, erzähle niemandem, dass du nicht an Gott glaubst, sollte dies der Fall sein. Sonst halten dich viele der extrem gläubigen Einheimischen für eine "verlorene Seele", die "des Teufels" ist. Und das verringert deine Chancen ungemein. Mein Tipp: einfach lügen. Um einen Mann zu beeindrucken, habe ich sogar mal einen sechsstündigen tansanischen Gottesdienst besucht. Allerdings ohne Erfolg ...

2. Dance like Merkel.

Die Tansanier denken, wir Deutschen können nicht tanzen. Ja, echt! "Ihr wirkt bei allem, was ihr tut, irgendwie verkrampft. So wie eure Mrs. Mööörkel", tat ein Herr mir kund. Um ihn vom Gegenteil zu überzeugen, blieb mir nur eins: Ich ging mit ihm in einen Club, spülte all meine Hemmungen mit Konjagi (tansanischer Schnaps) runter und versuchte, meine Hüften halbwegs lässig zu Bongoflavour (eine Mischung aus HipHop und Buschtrommeln) zu bewegen. Und schon standen die Verehrer Schlange!

3. "Wanna marry me?"

In Tansania wurde ich als Mzungu automatisch zum Sexobjekt, weil viele Einheimische meine Hautfarbe unweigerlich mit Reichtum und einem vermeintlich besseren Leben assoziierten. So kam es, dass ich praktisch an jeder Straßenecke mit Heiratsanträgen und Liebeserklärungen bombardiert wurde - von völlig Fremden. Bei Flirts in Tansania wusste ich also nie, ob es dem Mann um mich oder mein (nicht vorhandenes) Geld ging. Umso mehr lobe ich mir heute die verklemmten Norddeutschen. Eine ernsthafte Beziehung hätte ich in Tansania unter diesem Umständen wohl niemals aufbauen können.

4. Culture Clash. Ich glaube, dass manche Kulturen einfach zu verschieden sind, um in Liebesdingen miteinander zu harmonieren. Die jeweiligen Vorstellungen davon, was zu gutem Sex dazugehört (Ich weiß jetzt: ein Vorspiel ist keine Selbstverständlichkeit!) und wie schöne Küsse funktionieren, sind teilweise einfach zu verschieden.

5. Steh zu deinen Kurven!

Ich kam mir in Tansania häufig wie ein kleiner, androgyner Junge vor, weil vor Ort die Big Mamas den Ton angeben: Üppig, selbstbewusst, mit einer Ausstrahlung zum Niederknien tragen sie niemals weniger als Kleidergröße 44/46 und werden als ultimative Sexgöttinnen verehrt. Ihre Kurven tragen sie stets stolz in hautengen Fummeln zur Schau, als würde es sich dabei um das achte Weltwunder handeln. In Tansania wissen die Männer diese Pracht zu schätzen, etwa, wenn die Big Mamas ihre Fahrgestelle auf der Tanzfläche parken wie kostbare Lamborghinis und sie lasziv kreisen lassen. Davon sollte sich jede Frau inspirieren lassen, die wegen ein paar überschüssiger Kilos in Selbstzweifeln und zeltähnlichen Gewändern versinkt. Denn nur, wer sich in seinem Körper wohlfühlt, kann es in vollen Zügen genießen, sich einem Mann hinzugeben, sich fallen zu lassen und Orgasmen haben.

6. Sei tolerant! In Tansania ist Homosexualität illegal. Wer beim gleichgeschlechtlichen Fummeln erwischt wird, landet für 14 Jahre im Gefängnis oder in die Psychiatrie. Seitdem ich das weiß, bin ich noch dankbarer für die hiesige Gleichberechtigung, Toleranz und Offenheit (obwohl es natürlich auch in Deutschland schwarze Schafe gibt, deren Denken von mittelalterlichen Rollenklischees beherrscht wird - und für die zum Beispiel die sexuelle Selbstbestimmtheit einer Frau immer noch nicht normal ist). Und mein Mantra hat sich manifestiert: Ich bestimme über meine Lust und lasse mich von niemandem kontrollieren. Keine Frau sollte das tun.

7. Lass mal stecken.

Sex aus rein rationalen Gründen, etwa weil man glaubt, etwas oder jemanden unbedingt mal ausprobieren zu müssen (zum Beispiel einen exotischen Einheimischen), bringt's nicht. Das ist wie Champagner ohne Kohlensäure. Wie "Breaking Bad" ohne Walter White. Wie Safari ohne Löwen. Einfach nicht geil.

8. Untreue? Kein Problem!

Eine Umfrage hat ergeben, dass jeder zweite Deutsche fremdgeht. Der Großteil heuchelt dennoch Treue und tut so, als wäre seine Beziehung/Ehe perfekt. In Tansania stehen die Menschen wenigstens zu ihren Affären. Ja, richtig gehört! Etwa 40 Prozent der Afrikaner haben parallel mehrere Sexualpartner, vor allem in Ostafrika sind dauerhafte Mehrfachverbindungen üblich. Deshalb gibt es auch an jeder Straßenecke sogenannte "Guesthouses", spezielle Hostels, die optisch an Tarantinos "Titty Twister" erinnern und in denen sich diejenigen, die noch bei ihren Eltern leben oder eine Affäre haben, vorzugsweise in den Mittagsstunden mit ihrer/m Geliebten zum Vögeln treffen. Und wenn man mal einen Bekannten trifft, wünscht man sich ganz cool "viel Erfolg".

9. Schmerzhaft.

Du bist manchmal genervt, was dein Mann alles von dir im Bett verlangt? Entspann dich mal. In Tansania ist es in den ländlichen Regionen mitunter üblich, dass sich die Frauen ihren Männern zuliebe in Pavianurin getränktes Zeitungspapier (!) in die Vagina einführen, um sie auf diese Weise auszutrocknen. Danach kommt es zum sogenanntem "dry sex", der für die Frauen extrem schmerzhaft ist, zu Verletzungen führt und so auch das Risiko für eine HIV-Übertragung erhöht.

10. Detox Days.

Es ist in Ordnung, auch mal für mehrere Wochen gar keine Lust auf Sex zu haben. Vor allem, wenn du seit Monaten bei 45 Grad in der tansanischen Hitze schmorst. Wirklich.

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