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H. Hell: Was ich über Sex gelernt habe Wie geht eigentlich stilvoller Cybersex?

Ein junger Mann schaut auf einen Computerbildschirm, auf dem eine Frau in Dessous von hinten zu sehen ist
Mit ein bisschen Cybersex kann man dafür sorgen, dass der Liebste einen nicht vergisst. Und trotz Abwesenheit auf seine Kosten kommt.
© Colourbox.de/stern
Sind Sie auch gerade ohne Ihren Partner im Urlaub? Machen ein Auslandssemester? Oder führen ganz regulär eine Fernbeziehung? Dann haben Sie sich bestimmt auch schon gefragt, wie Sie den fehlenden Sex kompensieren können.

"Do you have Wi-Fi? Wiiii-Fiiii! Esta Wi-Fi? For my Laptop!", rufe ich dem mexikanischen Kellner aufgeregt entgegen, der gerade die Tische seiner Bar an der Strandpromenade von Carmel-by-the-Sea abwischt. "Aber Madam, was wollen Sie denn an so einem schönen Tag mit Ihrem Computer? Genießen Sie doch lieber den Ausblick auf das Meer!" Prinzipiell hat der Mann Recht – Kalifornien ist amazing. Aber jetzt gerade brauche ich verdammt nochmal Internet: "My boyfriend is waiting for me on Skyyyyyype! You know? It's very important for me!"

Mein Freund und ich sind viel unterwegs. Den Sommer verbringe ich in diesem Jahr in Kalifornien, er in der Schweiz. Unsere Beziehung hängt an einem seidenen Faden namens W-Lan – und wir sind nicht allein: Aktuell lebt jeder achte Deutsche in einer Fernbeziehung. Und alle quält dieselbe Frage: Was ist mit Sex? Sprich: Wie funktioniert stilvoller Cybersex? Genügen ein paar scharfe Fotos via WhatsApp? Ein paar versaute Sätze? Oder sollte man direkt mal einen Striptease via Skype hinlegen (vehement die Gedanken an Jason Biggs in "American Pie" verdrängend)?

Das Problem an Skype ist blöderweise immer dasselbe. Meistens steht immer nur eins: die Verbindung oder dein Freund, aber nie beides gleichzeitig. Da bleibt nicht viel Zeit und es läuft wie im Film "Soul Kitchen", wo der Hauptdarsteller seine Freundin via Laptop anfleht: "Komm, los, bitte zeig mir einmal kurz deine Titten. Bitteeee!" Sie gibt dann augenrollend nach.

Technische Hilfsmittel

Ein bisschen mehr Interaktion darf schon sein, wenn man sich liebt, finde ich. Eine Freundin, deren Lover in Singapur studiert, legte mir kürzlich einen ferngesteuerten Vibrator ans Herz. "Ich hab' den Vibrator, er die passende App", erklärte sie mir. "Damit kann er von überall auf der Welt mit seinem Smartphone steuern, wann ich komme." Meine Freundin trägt das Ding immer bei sich. In Vorlesungen, beim Einkaufen, in der S-Bahn. "Wenn er vibriert, laufe ich schnell los und suche mir ein stilles Plätzchen. Das ist echt der Hammer!"

Das klingt erstmal verrückt, ist aber in Wahrheit ziemlich schlau. Denn meine Freundin hat erkannt, wie wichtig Cybersex ist. "Seine Sexualität muss man ausleben – und zwar zusammen. Sonst funktioniert es nicht – ich meine, wo soll man denn sonst mit seiner Geilheit hin?"

Alternativ: Sexting

Für alle, die nichts von Elektrogeräten halten, ist "Sexting", also das Verschicken von sexy Selfies, wohl die bequemste Variante. Es ist auch die beliebteste: Laut einer US-Studie haben 20 Prozent der 13- bis 19-Jährigen und 59 Prozent der 20- bis 26-Jährigen bereits Sextings versendet. Vermutlich, weil die Kids nach dem jüngsten Hacking-Skandal in Hollywood, bei dem von so gut wie jedem angesagten Promi (von J-Law bis Rihanna) Nacktfotos veröffentlicht wurden, glauben, dass man das halt so macht. Eine Bekannte, deren Ex-Lover erotische Aufnahmen von ihr ins Netz gestellt hat, gab mir noch den Tipp: "Wenn schon sexy Selfies, dann ohne Gesicht." Macht Sinn.

Mich hat der mexikanische Kellner letztlich in ein kleines heruntergekommenes Internetcafé geschickt. Es ist mittlerweile 1 Uhr nachts. Ich bin allein. Die Skype-Verbindung steht. Mal sehen, wer noch.

Naja, und im Notfall kann ich meinem Freund ja auch immer noch einen Liebesbrief per Post schicken.


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