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"Achtung, ich komme!": Teil 6: Was ich in Deutschland über Sex gelernt habe

Bestsellerautorin Henriette Hell will weg vom Orgasmus-Stress und geht auf Reisen, um zu lernen, wie Sex in anderen Ländern klappt. Zurück in Deutschland zieht sie Resümee - und den Vergleich.

Bestsellerautorin Henriette Hell schreibt hier jede Woche exklusiv über weibliche Lust, Stress im Bett und ihre Aha-Erlebnisse rund um den Globus. Im letzten Teil dieser Reihe resümiert sie, was sie nach ihrer Rückkehr in Deutschland über Sex gelernt hat:

10 Dinge, die ich wieder zurück in Deutschland über Sex gelernt habe

1. Burn-out-Sex.

Die Menschen in anderen Ländern lachen uns Deutsche dafür aus, dass wir uns ständig einen solchen Stress machen. Auch beim Sex. In Tansania habe ich erfahren, dass die meisten Männer mit Ende 20 noch Jungfrau sind, richtig niedlich. In Deutschland ist Sex dagegen total verroht: Wenn man hier als Frau mit Mitte 20 nicht alles mitmacht und perfekt beherrscht - vom Analsex bis zum Dreier - sind die Männer genervt.

2. Mittelalter-Alarm!

Für einige Männer ist die sexuelle Selbstbestimmung einer Frau offenbar immer noch nicht normal. Das habe ich an einigen Reaktionen auf mein Buch gemerkt. Ihnen ist ein Heimchen am Herd lieber als eine Frau, die ihre Bedürfnisse frei und selbstbewusst auslebt. Es gefällt ihnen nicht, dass eine Frau plötzlich den aktiven Part übernimmt, sich nicht (mehr) kontrollieren lässt und somit ihre Macht bedroht. Als wäre die 68er-Bewegung nie da gewesen! Das finde ich traurig.

3. Nervös ist gut.

Mit jedem neuen Partner fängt man wieder ganz von vorne an. Und das ist auch gut so! In der ersten Kennenlernphase kann man sich ja vor Nervosität und Verknalltheit sowieso nicht aufs Kommen konzentrieren, erlebt aber trotzdem den intensivsten und schönsten Sex miteinander. Was erneut beweist: Sex ist auch ohne Höhepunkt schön (76 Prozent der Frauen bestätigen das)!

4. Sei neugierig! Als Alleinreisender ist es völlig normal, sich zu anderen Touristen an den Tisch zu setzen, mit ihnen zu Abend zu essen. Man ist eine Familie! Häufig entstehen daraus spannende Bekanntschaften, interessante Gespräche, heiße Nächte. Großartig! Zurück in Deutschland erkannte ich erst, wie introvertiert und unlocker viele Deutsche sind. Sprach ich etwa Fremde in Bars an, reagierte der Großteil (zunächst) misstrauisch; dachte wohl, ich wolle ihnen ein Abo andrehen. Schade!

5. Date dich selbst!

Geh unbedingt mal allein aus. Klar, es soll ja Leute geben, die sich noch nicht mal allein in ein Café setzen, weil sie meinen, dass sie dann von allen angestarrt und bemitleidet werden. So ein Schwachsinn! Lerne, gerne (!) mit dir allein zu sein. Denn nur, wer es gut mit sich selbst aushält und in sich ruht, wird auch andere Menschen dauerhaft mit seiner Anwesenheit erfreuen können. Außerdem wird sich diese innere Gelassenheit positiv auf dein Sexleben auswirken.

6. Horizonterweiterung inklusive!

In der Backpacker-Community herrscht auf der ganzen Welt eine hohe Solidarität, ein großer Zusammenhalt. On the road geht es darum, offen für neue Sitten und Gebräuche zu sein, sich auf fremde Kulturen einzulassen und den persönlichen Horizont zu erweitern. Es würde unserer Welt gut tun, wenn mehr Menschen diesen Geist in sich tragen würden (statt jedes Jahr all inclusive auf Malle zu buchen und sich maximal für den fiesen Sonnenbrand seines Liegennachbarn zu interessieren). Wagt mal was, Leute!

7. Hört auf zu zählen! Für viele Frauen spielt es kaum eine Rolle, wie häufig sie in den Genuss eines Höhepunkts kommen. Einmal im Monat? Einmal am Tag? Egal! Entscheidend ist doch, dass heute (fast) keine Frau mehr auf ihren Orgasmus verzichten muss, wenn sie weiß, wie ihr Körper funktioniert und das Allerbeste aus dem macht, was die Natur ihr geschenkt hat.

8. Genug experimentiert?

Guter Sex ist nicht immer mit dem Erreichen des Höhepunkts gleichzusetzen. Sie können fünf Minuten uninspiriert vor sich hin rubbeln und zum Orgasmus kommen oder fünf Stunden am Stück vor Lust schreien, weil Sie gerade den besten Sex ihres Lebens haben. Und, was fänden Sie heißer?

9. Fremde beißen nicht!

Für einen Selbstfindungstrip rund um den Globus braucht man Nerven aus Stahl. Matratzensport in schäbigen Hostels unter löchrigen Mosquitonetzen bei quälender Hitze ist nichts für jede(n). Ist aber auch gar nicht nötig: Denn egal, ob Lima oder Lokstedt - entscheidend ist, dass man ab und zu mit alten Gewohnheiten bricht, offen für Fremdes ist und auch mal etwas Beklopptes wagt.

10. Die besten Liebhaber

wohnen in Hamburg!

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