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"Achtung, ich komme": Teil 1: Was ich in Indien über Sex gelernt habe

Bestsellerautorin Henriette Hell will weg vom Orgasmus-Stress und geht auf Reisen, um zu lernen, wie Sex in anderen Ländern klappt. Hier berichtet sie exklusiv von ihren Erfahrungen.

Im Land des Kamasutra leben auch Superverklemmte, aber zum Glück nicht nur

Im Land des Kamasutra leben auch Superverklemmte, aber zum Glück nicht nur

Die Frage, die mir die Leute seit dem Erscheinen meines Buches "Achtung, ich komme! In 80 Orgasmen um die Welt" am häufigsten stellen, lautet: "Warum hast du das gemacht?" Also zwei Jahre um den Globus touren und dabei mit schätzungsweise 20 Männern in 11 Ländern auf 4 Kontinenten schlafen. Die Antwort? Ich hatte eine "Mission", wollte besseren, entspannteren Sex haben. Ohne Leistungsdruck! Ohne Orgasmus-Stress! Unterwegs habe ich faszinierende Dinge über Sex gelernt, die ich so niemals in Deutschland erlebt hätte. Los ging's in Indien, dem Land des Kamasutra, der verrückten Aussteiger, aber auch der Superverklemmten:

10 Dinge, die ich in Indien über Sex gelernt habe

1. Kauft euch unbedingt das Kamasutra! Die alten Inder wussten schon vor zweitausend Jahren, worauf es im Bett ankommt. Im Kamasutra werden die Frauen je nach der Beschaffenheit ihres Geschlechtsorgans in die Kategorien "Gazelle", "Stute" und "Elefantenkuh" eingeteilt, Männer in "Hase", "Stier" und "Hengst". Die Lehre: Achtet unbedingt darauf, dass euer Geschlechtsteil mit dem eures Liebsten kompatibel ist. Sprich: Elefantenkühe, lasst die Finger von Hasen. Gazellen, schnappt euch einen Hengst - und ihr werdet abheben.

2. Ladys first!

Im Kamasutra steht außerdem geschrieben, dass der Mann ganz gentlemanlike zuerst die Frau verwöhnen sollte, ehe es zur Vereinigung kommt. Damit zuerst SIE und DANN er zum Höhepunkt kommen kann. Eigentlich ein Basic für jeden guten Liebhaber, oder? Schreibt euch das mal hinter die, äh, Löffel, meine Herren!

3. Klappe halten!

Nach dem Sex wird im lauten Indien nämlich einfach mal geschwiegen. Nachfragen ("Und, bist du gekommen?") gilt als unnötig. Höchstens wird getreu dem allgegenwärtigen indischen Motto shanti shanti ("Chill mal!") ein Bidi gepafft und nachgespürt. Die Message dahinter: Wer kommt, der kommt. Wer nicht kommt, kommt halt beim nächsten Mal.

4. Sex ist verdammt nochmal keine Performance, die bestimmten Regeln unterliegt oder auf ein vorgeschriebenes Ende zusteuern muss. Nehmt euch Zeit, wenn ihr mit eurem Partner schlaft, und vergesst die vermeintlichen Ziele, die euch von der Gesellschaft durch Pornos und Zeitschriften suggeriert wurden.

5. Schluss mit der Zurückhaltung.

Wenn ihr auf etwas oder jemanden Lust habt, dann nehmen es euch einfach. Lasst euch nicht von obskuren moralischen Werten bremsen. Leb dich aus! Dein Kopf ist danach frei für Wichtigeres. Das bestätigte mir auch Guru Petra, eine weise alte Frau, die ich im Dschungel von Goa traf: "Wenn du zu viel über Sex nachdenkst, dann vergiftet dich das", sagte sie zu mir. "Tu es einfach, oder lass es. Aber hör auf, die ganze Zeit an nichts anderes zu denken."

6. Anonymität ist sexy!

Manchmal kann frau sich bei einem Fremden besser gehen lassen als bei einem Mann, mit dem sie eine Liebesbeziehung führt. Warum? Weil man bei anonymem Sex nichts zu verlieren hat. Weder den Ruf noch den Respekt des Partners.

7. Verhüllt euch! Nackte Schultern und Knie haben in Indien etwa denselben Effekt wie eine Frau, die in Hamburg im Bikini in die U-Bahn steigt. Nicht unbedingt ein Nachteil. Ich habe es angesichts der aggressiven Supersexualität, mit der uns hierzulande Popsternchen wie Miley Cyrus oder Rihanna tagtäglich konfrontieren, sogar genossen, mich zur Abwechslung mal auf die subtile Erotik dieser "einfachen" Körperteile zu besinnen.

8. Nicht jeder Orgasmus hat dieselbe Qualität.

Erlebt man ihn mit jemandem, der das Herz nicht berührt, ist das zwar körperlich befriedigend, aber längst nicht mit dem Höhepunkt zu vergleichen, der sich vom Unterleib bis hoch ins Herz ausbreitet - wenn man liebt.

9. Nimm dein Glück selbst in die Hand

- und pack mit an. Du musst den Männern schon zeigen, wo es langgeht und über deine Wünsche und Bedürfnisse sprechen. Egal, ob sie sich nun in Mumbai oder München befinden.

10. Männer sind wie Roulette.

Auf Dauer den großen Gewinn zu machen, ist relativ aussichtslos. Rein statistisch harmoniert eine Frau mit jedem elften Mann. Das geht aus meinen privaten Aufzeichnungen hervor. 1a-Indiz: Männer, die eine Frau, die beim Sex nicht gekommen ist, anschließend ganz selbstverständlich (!) mit der Hand verwöhnen. Studien belegen übrigens, dass ein guter "Besorger" auch ein guter Versorger ist. Sprich: Wenn sich jemand richtig Mühe mit deinem Orgasmus gibt, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass er es auch sonst ernst mit dir meint, ziemlich groß.

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