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Henriette Hell: Was ich über Sex gelernt habe: Kriegen Sie auch Minderwertigkeitskomplexe, wenn Sie Jennifer Lopez sehen?

Neu-Single Jennifer Lopez macht es vor: Mit fast 50 in Sachen Liebe nochmal bei null anzufangen ist definitiv cooler, als für den Rest seines Lebens in einer mittelmäßigen Beziehung festzustecken. Ein wahres Vorbild, findet Henriette Hell.

Jennifer Lopez

Jennifer Lopez als neues Vorbild in Sachen Beziehungen?

Als ich noch jünger war, sorgte der Anblick von Jennifer Lopez dafür, dass ich mich minderwertig und hässlich fühlte. Ja, echt! Während ihre damaligen Hits "If you had my love" oder "Waiting for tonight" bei MTV und VIVA rauf und runter liefen und sie in den dazugehörigen Videos ihre Perfektion zur Schau stellte (dieser Hintern!), saß ich – ein 13-jähriger, sommersprossiger kleiner Freak, der sich aus Protest "gegen das System" so geschminkt hatte wie Marilyn Manson in seiner "Antichrist Superstar"-Phase (sprich: ziemlich gruselig) – in meinem Kinderzimmer und ärgerte mich wahnsinnig: Darüber, dass Jennifer von allen Jungs in meiner Klasse angehimmelt wurde und ich NICHT. Darüber, dass Jennifer mit absoluten Traummaßen ausgestattet war und ich NICHT. Darüber, dass Jennifer ein gefeierter Superstar war und ich NICHT.

Aber, hey, die gute Nachricht ist: Ich habe jene finsteren Stunden meiner Pubertät ohne bleibende Schäden (wie ich glaube) überstanden.

Mittlerweile sind viele Jahre ins Land gezogen. J.Lo ist mittlerweile 47, immer noch ein gefeierter Star (obwohl ihre Musik meines Erachtens immer schlechter wird) und sexyer denn je, könnte man fast sagen, würde man auf Superlative abfahren.

ABER – einen kleinen Bruch gibt es nun doch noch: Diese Woche hat J.Lo ganz überraschend ihren 29-jährigen Toyboy Casper Smart (sorry, aber den Titel wird der Junge nicht mehr los – obwohl man ihn wohl getrost als eine von Jennifers größeren Lieben bezeichnen darf) nach fünf gemeinsamen Jahren in den Wind geschossen.

Wie cool ist das denn?

Streit gab es keinen. Die Beziehung habe ein natürliches Ende gefunden, man wolle befreundet bleiben. Eine Trennung aus Langeweile, könnte man also fast dazu sagen. Das, liebe Leute, nenne ich mal eine echt coole Aktion! Denn gerade wimmelt es in meinem Bekanntenkreis ehrlich gesagt nur so von Weicheiern, die schon viel zu lange in irgendwelchen beschissenen Beziehungen feststecken und sich aus Angst vor einer ungewissen Zukunft ("Ich will nicht einsam sterben!"), wegen einer gemeinsamen Immobilie ("Wo soll ich denn hin? Die Küche ist doch noch nichtmal abbezahlt ...") oder einem längst hinfälligen Ehegelübde ("Ich geh’ lieber fremd, als mich scheiden zu lassen, das kommt billiger") NICHT trauen, dem Schrecken ein Ende zu setzen.

Dabei sind die alle erst Ende 20/Anfang 30! Trotzdem haben sie Schiss, es noch einmal darauf ankommen zu lassen – in Sachen Liebe und Leidenschaft.

Jennifer Lopez ist da anders. War sie schon immer. Dreimal hat sich "La Lopez" schon von Ehemännern scheiden lassen. Jetzt ist sie – mit fast 50 – wieder allein, aber glücklich, da bin ich mir sicher. Denn das, was viele sicherlich als Launenhaftigkeit und Allüren bezeichnen würden, ist aus meiner Sicht vielmehr die nötige Portion an Mut, Selbstvertrauen und Zuversicht, die es braucht, um konstant ein Leben führen zu können, das einem zu einhundert Prozent entspricht und das einen erfüllt.

Das macht J.Lo für mich zum ersten Mal in meinem Leben zu einem echten Vorbild.  

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