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Checkliste: Die beste Schule für Ihr Kind

Geht mein Kind auf die richtige Schule? Für Eltern gab es bisher keinen zuverlässigen Leitfaden. Deshalb erklären wir im stern-Ratgeber Bildung, wie Sie selbst zum Schul-Inspektor werden.

Von Catrin Boldebuck

"Uns hat das schöne neue Schulgebäude gefallen." - "Wir haben darauf geachtet, dass der Ausländeranteil nicht so hoch ist." - "Die Schule hat einen guten Ruf." Das sind typische Antworten von Eltern auf die Frage: Wie haben Sie die Schule für Ihr Kind ausgewählt? Die Antworten klingen plausibel. Denn was sollen Eltern auch sonst sagen? Sie können ja nur das bewerten, was sie sehen und verstehen. Natürlich würden viele Väter und Mütter gern hinter die Kulissen der Schulen schauen, die wahren Stärken und Schwächen entdecken. Aber wie sollen sie das machen? Und worauf kommt es wirklich an? Fragen über Fragen. Und so wenig Antworten.

Einen Schul-TÜV gibt es nicht


Oft zieht sich dieser quälende Entscheidungsprozess über Monate hin. Offizielle Rankings oder gar ein TÜV-Siegel "Gute Schule" gibt es nicht. Und so sitzen Mütter und Väter bei Infoabenden in der Aula, horchen in der Nachbarschaft herum, und ganze Familien pilgern am Tag der offenen Tür durch Schulen. Sie lauschen dem Schulchor, essen selbst gebackenen Kuchen, inspizieren Turnhallen und Toiletten. Aber ob die Lehrer sich genug Zeit nehmen für jeden Schüler, ihr Kind genug lernt - das erfahren sie nicht.

Dabei gibt es eine Methode, wie Eltern gute von schlechten Schulen unterscheiden können: der Vergleich mit den Besten, am Beispiel von ausgezeichneten Schulen. Eine Gruppe von zwölf Experten hat dazu eine zuverlässige Methode entwickelt. Zu der Gruppe gehören Wissenschaftler wie Professor Peter Fauser von der Universität Jena, der Pisa-Leiter Professor Manfred Prenzel oder der Schulinspektor Johan van Bruggen aus den Niederlanden. Mit nur sechs Kriterien messen die Experten die Qualität von Schulen.

Diese Merkmale, die zunächst ziemlich theoretisch klingen, heißen:
1. Unterrichtsqualität
2. Leistung
3. Umgang mit Vielfalt
4. Schulentwicklung
5. Schulleben
6. Verantwortung

Auch Eltern können diese sechs Qualitätsmerkmale nutzen, in die Schulen gehen und herausfinden, wie die Lehrer arbeiten, welche Konzepte sie für ihren Unterricht haben. Damit am Ende nicht mehr "das schöne Gebäude" oder "die nette Lehrerin" den Ausschlag geben für die Schulwahl, sondern das "Lernen mit dem Wochenplan" und "fächerübergreifende Projekte".

Seit 2006 ist die Expertengruppe mit diesem Kriterienkatalog zwischen Flensburg und München unterwegs, um Jahr für Jahr die guten Schulen zu finden. Die besten werden mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet, er hat sich zu dem Qualitätssiegel in der deutschen Bildungslandschaft entwickelt. Begleitet und gefördert wird diese Suche von zwei renommierten Einrichtungen: der Robert Bosch Stiftung und der Heidehof Stiftung. Der stern und die ARD sind Kooperationspartner. Mehr als tausend Schulen haben sich inzwischen für den Schulpreis beworben, 24 wurden bisher prämiert.

Schritt für Schritt

: Mit diesen sechs Qualitätsmerkmalen können Eltern vor Ort prüfen, welche Stärken und Schwächen eine Schule hat.

1. Unterricht

Der Unterricht ist das Kerngeschäft der Lehrer. Wenn ihr Unterricht gut ist, dann lernen die Schüler gut und gern. Die Lehrer stehen nicht ständig vorn und halten Vorträge, sondern sie wechseln ihre Methoden. Dabei lernt jeder Schüler in seinem Tempo, der Lehrer achtet darauf, dass kein Fach zu kurz kommt. Fächerübergreifende Projekte finden nicht nur einmal im Jahr statt, sondern immer dann, wenn es in den Lehrplan passt. Fragen Sie, ob Sie im Unterricht hospitieren dürfen. An der Reaktion auf diese Frage können Sie schon eine Menge ablesen: Ist das für die Lehrer an der Schule selbstverständlich - oder eine Zumutung? Beobachten Sie im Unterricht: Wie ist die Atmosphäre? Wie lernen die Schüler: selbstständig, jeder in seinem Tempo nach einem Wochenplan? Oder alle im Gleichschritt? Gibt es Zeit für Freiarbeit? Arbeiten die Schüler in fächerübergreifenden Projekten? Welche Lernräume stehen den Kindern neben dem Klassenraum zur Verfügung? Was tun die Pädagogen um ihren Unterricht zu verbessern? Werden sie dabei von der Schulleitung unterstützt? Gibt es außer den Lehrern noch andere Fachkräfte, zum Beispiel Erzieherinnen oder Sozialpädagogen? Wie wird Leistung gemessen? Verstehen die Schüler die Rückmeldung zu ihrer Leistung? Kommt es vor, dass Kinder nicht versetzt werden? Wird neben der Schülerleistung auch der Unterricht evaluiert? Werden dazu auch die Schüler gefragt?

2. Leistung

Es ist kein Gütesiegel für eine Schule, wenn sie möglichst viele Schüler sitzen bleiben lässt oder gar "abschult". Leistung in einer Schule zeigt sich so: Kaum ein Schüler muss wiederholen, viele schaffen den Abschluss. Dabei schneiden die Schüler besonders gut in Mathe, Englisch, Deutsch und in den Naturwissenschaften ab. Daneben engagieren sie sich aber auch in Sport, Kunst, Musik und Theater. Und sie nehmen erfolgreich an Wettbewerben teil. Leistung: So können Sie gezielt fragen Wie schneidet die Schule in landesweiten Leistungsvergleichen ab? Nehmen Schüler erfolgreich an Wettbewerben teil, zum Beispiel "Jugend forscht"? Wie viele Schüler bleiben sitzen? Und wie viele machen einen Abschluss? Welche Unterstützungen bietet die Schule für schwächere Schüler: Gibt es Nachhilfeangebote oder Hausaufgabenbetreuung seitens der Schule? Intensivierungs- oder Förderstunden? Oder Nachhilfe durch Ältere? Oder erwartet die Schule, dass die Eltern all das allein leisten? Was bietet die Schule für besonders begabte Schüler: Gibt es Extra-Klassen oder zusätzliche Unterrichtsangebote? Würdigt die Schule außerschulisches und soziales Engagement der Kinder?

3. Vielfalt

Der eine lernt schnell, der andere langsam. Jedes Kind kann und will lernen. Die Lehrer respektieren diese Unterschiede. Und sie gehen konstruktiv mit dem un-terschiedlichen Bildungsstand und der unterschiedlichen Herkunft ihrer Schüler um. Ein Kind mit ausländischen Eltern stellt kein Problem für die Klasse dar, sondern ist eine Bereicherung. Vielfalt: So können sie gezielt fragen Wie lernen die Kinder - alle im Gleichschritt, oder gibt es für jedes Kind individuelle Arbeitspläne? Sieht der Stundenplan Zeit für Freiarbeit vor? Wie fördert die Schule schwache Schüler? Was bietet sie starken? Bei Grundschulen: Testet die Schule den Entwicklungsstand? Hat sie Fördermöglichkeiten im Programm? Bei weiterführenden Schulen: Gibt die Schule Hilfestellung bei Schwierigkeiten, zum Beispiel Legasthenie? Können sich die Kinder mit eigenen Projekten und Ideen auf dem Schulfest präsentieren? Würdigt die Schule die unterschiedliche Herkunft der Schüler, etwa durch Religionskurse? Gibt es Schulprojekte, die Toleranz und Unterschiede thematisieren, zum Beispiel Veranstaltungen, bei denen die Kinder ihre verschiedenen Herkunftsländer vorstellen?

4. Schulentwicklung

Eine gute Schule arbeitet ständig an sich. Die Lehrer entwickeln neue Formen des Unterrichts. Dabei werden sie vom Schulleiter unterstützt. Statt über die Vorgaben vom Schulamt zu stöhnen, suchen sie nach kreativen Lösungen, zum Beispiel bei der Umsetzung des Lehrplans. Wichtig: Die Schule prüft, ob sie die selbst gesteckten Ziele auch erreicht. Schulentwicklung: So können sie gezielt fragen Hat die Schule ein Leitbild? Kennen die Schüler dieses Leitbild, und richten sie sich danach? Fragen Sie den Schulleiter nach seiner Vision für die Schule: Wo sieht er Stärken? Was will er noch besser machen? Fragen Sie andere Eltern, wie er mit Kritik umgeht. Gibt es ein Gremium für Schulentwicklung? Wer arbeitet darin mit? Können sich Eltern und Schüler beteiligen? Überprüft die Schulleitung, ob sie ihre Ziele auch erreicht? Wer wird bei der Evaluierung gefragt: die Lehrer, oder auch Schüler und Eltern? Wählt der Rektor seine Lehrer selbst aus? Wie arbeiten die Lehrer? Allein, oder schließen sich Jahrgangs- oder Fachkollegen zu Teams zusammen? Unterstützt der Schulleiter die Lehrer bei der Entwicklung von neuen Unterrichtsmethoden? Gehen die Lehrer regelmäßig zur Fortbildung? Haben sie einen Arbeitsplatz in der Schule? Gibt es viele Referendare, die neue Ideen mitbringen?

5. Schulleben

Lehrer, Schulleiter, Schüler und Eltern - sie alle fühlen sich wohl an ihrer Schule. Sie ist keine Lernanstalt, sondern Lebensraum. Und das sieht man ihr auch an: mit Kunstwerken von Schülern, einem Schulgarten oder einem Zoo. Feiern und Aufführungen gehören zum Jahresrhythmus. Die Schule pflegt Kontakte zum Museum oder dem Sportverein. Schulleben: So können sie gezielt fragen Horchen Sie in sich hinein, wenn Sie die Schule betreten. Löst diese Schule alte Angstgefühle bei Ihnen aus? Wie präsentiert sie sich: wie bei einer Verkaufsshow - oder spüren Sie echte Aufmerksamkeit? Und: Fragen Sie doch mal Ihr Kind, was es von der Schule hält. Wirken die Klassenzimmer öde oder einladend? Hängen Bilder von Schülern an den Wänden, werden Plastiken von ihnen ausgestellt? Wie sind die Flure gestaltet: grau und funktional oder in hellen Farben? Auch ein Blick in die Toiletten sagt viel über die Schule aus. Wie ist die Mensa gestaltet? Was für Essen wird den Kindern angeboten? Gibt es Ruheräume, in die sich die Mädchen und Jungen zurückziehen können? Hat die Schule eine Bibliothek? Wird an der Schule regelmäßig gefeiert? Was für AGs gibt es? Und wonach richtet sich das Angebot: nach den Interessen der Schüler oder den Hobbys der Lehrer? Mit welchen außerschulischen Partnern arbeitet die Schule zusammen? Gibt es beispielsweise eine Kooperation mit dem Sportverein oder Handwerkern aus dem Viertel? Wo und wie können sich Eltern einbringen? Herrscht ein gutes Klima zwischen Lehrern und Kindern? Sehen die Lehrer ihre Aufgabe auch darin, die Kinder zu erziehen? Und wie ist das Verhältnis zu den Eltern?

6. Verantwortung

Konflikte gehören zum Alltag, auch in der Schule. Deshalb braucht eine Schule klare Regeln, die für Schüler und Lehrer gelten und von allen eingehalten werden. Es gibt regelmäßig die Möglichkeit, über Probleme und Konflikte offen zu diskutieren, zum Beispiel im Klassenrat. So übernehmen Schüler Verantwortung für sich und andere. Verantwortung: So können sie gezielt fragen Wie ist die Atmosphäre an der Schule? Wirkt sie offen, oder löst sie Beklemmung bei Ihnen aus? Wie treten die Schüler auf? Wie gehen sie auf Fremde zu? Wirken sie selbstbewusst? Wie sind das Schulhaus und die Räume gestaltet? Stehen zum Beispiel Pflanzen in der Pausenhalle? Oder sehen Sie Spuren von Vandalismus, wie Löcher in den Wänden? Werden Schülerarbeiten liebevoll präsentiert? Hängen in den Klassen Regeln für den Umgang im Alltag aus? Stellen die Schüler diese Regeln selbst auf? Gibt es einen Schulvertrag oder ein Schulprogramm? Gibt es Gremien wie den Klassenrat und eine Schulversammlung, in denen Schüler mitbestimmen dürfen? Werden Schüler zu Streitschlichtern ausgebildet? Können Schüler Lehrer - im Rahmen der Gesetze - auch mal überstimmen? Wird die Meinung der Schüler wirklich ernst genommen?

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.