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England Lehrkräfte lästern über sechsjährige Schülerin mit Behinderung – während eines Live-Streams der Schule

Drei Lehrkräfte lästerten über eine sechsjährige Schülerin (Symbolbild)
Drei Lehrkräfte lästerten über eine sechsjährige Schülerin (Symbolbild)
© Chris Ryan / Getty Images
Eine inklusive Grundschule wollte die Eltern online über geplante Klassenfahrten informieren. Drei Lehrkräfte begannen jedoch während des Live-Streams, über eine Erstklässlerin zu lästern – nicht ahnend, dass ihre Worte für alle Eltern zu hören waren.

Wenn Eltern ihr Kind in die Schule schicken, besonders, wenn es noch klein ist – dann hoffen sie, dass dort gut darauf aufgepasst wird. Dass sich Menschen um die Schulkinder kümmern, denen deren Wohl wirklich am Herzen liegt. Entsprechend entsetzt waren die Eltern der kleinen Willow aus dem englischen Städtchen Kettering, als sie hörten, wie drei Lehrkräfte über ihre sechsjährige Tochter sprachen.

Willow kam sechzehn Wochen zu früh auf die Welt, sie hat dadurch körperliche Einschränkungen und eine leichte Lernbehinderung, braucht 24 Stunden am Tag Betreuung. Vor allem aber muss sie stets eine Trachealkanüle tragen, da sie ohne diese keine Luft bekäme. Woran sich das kleine Mädchen längst gewöhnt hat und im Alltag kaum stören lässt, das schien einigen ihrer Lehrerkräften in der ersten Klasse hochgradig unheimlich zu sein.

Ein eigentlich harmloser Infoabend im Live-Stream

Die St. Andrew's-Grundschule in Kettering veranstaltete kürzlich einen Infoabend zum Thema Klassenfahrten. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde dieser via Facebook Live gestreamt, die Eltern konnten also in Echtzeit im Internet zusehen und -hören. Da es sich bei St. Andrew's um eine inklusive Schule handelt, ging es schließlich auch um das Thema der medizinischen Versorgung der Kinder, wenn diese mit ihrer Klasse unterwegs sein sollten. Und hier konnte sich eine Lehrkraft nicht zurückhalten und begann mit zwei Kolleg:innen eine abfällige Unterhaltung darüber, wie ungern sie sich um die kleine Willow kümmere.

"Der Maskenwechsel bei Willow. Die Kanüle austauschen, es ist schrecklich", sagte eine Person. Eine andere erwiderte: "Dabei würde mir übel, ich könnte das nicht erledigen." Und eine dritte Lehrkraft sagte: "Ich kann dabei nicht mal hinschauen." Die drei, bei denen es sich um zwei Lehrkräfte und einen pädagogischen Assistenten gehandelt haben soll, schätzten offenbar falsch ein, wie gut das Mikrofon für den Live-Stream alle Stimmen im Raum aufnehmen konnte. Ihre gefühllose Lästerei jedenfalls war für mehrere Tausend Menschen, die der Info-Veranstaltung online zusahen, laut und deutlich zu hören.

Eine Freundin wies Willows Mutter auf den Stream hin

Ausgerechnet Willows Mutter hatte nicht zugeschaut, doch eine Freundin schickte ihr sofort den Link. Sie konnte nicht glauben, was sie da hörte. "Willow kann sich nicht selbst verteidigen. Es ist nicht ihre Schuld, dass sie eine Trachealkanüle tragen muss. Für sie geht es dabei um Leben und Tod. Die Schule ist so stolz darauf, den Kindern gewisse Werte beizubringen – aber dann beschätigen sie Lehrpersonal, das so über ein Kind mit einer Behinderung spricht. Welche Werte drückt das denn aus?!"

Bei der St. Andrew's-Grundschule ziert man sich, wirkliche Konsequenzen aus dem Vorfall zu ziehen. Ein Sprecher verkündete lediglich, dass es "offensichtlich Elemente in der Unterhaltung gab, die nicht hätten geäußert werden sollen. Die Tatsache, dass dieses Gespräch versehentlich mit einem großen Publikum geteilt wurde, ist äußerst unangenehm." Man habe sich bei der betroffenen Familie bereits entschuldigt und wolle "das Thema mit den entsprechenden Mitarbeitern noch einmal ausführlich diskutieren." Immerhin sind die drei Personen bis zur Klärung der Sachlage vom Dienst suspendiert.

Den Eltern genügt die Entschuldigung nicht

Die Entschuldigung allein reicht Willows Eltern jedenfalls nicht. Sie haben einen Anwalt eingeschaltet. "Das Entscheidende ist der Ton, in dem die Konversation der Lehrkräfte stattgefunden hat", sagt dieser zu dem Fall. "Der kann nur als äußerst unschön und als mehr als nur ein wenig herablassend beschrieben werden." Außerdem erkenne man zwar an, dass es nicht der Wunsch der Schule war, diese gemeine Unterhaltung mit so vielen Menschen zu teilen – aber genau das sei nun mal passiert. "Innerhalb von zwei Stunden wurde der Link zum Stream mehr als 10.000 Mal geteilt. Immerhin ist es schön, zu sehen, wieviele Menschen Willow in den sozialen Medien verteidigen."

Übrigens ist der Wechsel von Willows Atemmaske und ihrer Kanüle etwas, das sowohl ihre Geschwister als auch die Nachbarn der Familie gelernt haben und ausführen können – denn für Willow kann es lebensbedrohlich werden, wenn die Maske nicht innerhalb weniger Minuten getauscht werden kann. Und offenbar schaffen es alle diese Helfer, sogar Kinder, ohne dass ihnen dabei übel wird ...

Quelle:  "Daily Mail"

wt

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