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Schauspielerin "Manchmal nenne ich ihn Knallkopp" – Alwara Höfels über das Zusammenleben mit ihrem Hund Oskar

Schauspielerin Alwara Höfels über das Zusammenleben mit Hund Oskar
"Bei unserer Abendrunde trifft Oki, wie Oskar auch heißt, gern seine Huskyfreundin Pola, in die er ein bisschen verliebt ist", verrät Alwara Höfels
© Kristin Bethge
Die Schauspielerin Alwara Höfels und ihr griechischer Jagdhundmix Oskar sind ein eingeschworenes Team, das durch Kreuzberg stromert und zu Hause tanzt.
Von Carla Woter

"Er heißt Oskar, wenn man schon den Preis nicht gewinnt", stellt Alwara Höfels lachend ihren Hund vor. Oskar scheint mit der Erklärung einverstanden zu sein, zumindest guckt er freundlich und wirkt bereits auf den ersten Blick gut erzogen. Ein höflicher, stämmiger Kerl mit interessanter braun-weißer Maserung und nicht wenig Energie. Seine Halterin – in Sneakers, schwarzer Trainingshose und Bluse mit Tiermotiven – legt Wert auf gutes Benehmen und das aus guten Gründen. Schließlich sind wir mitten in Berlin-Kreuzberg verabredet, wo die beiden leben. Kreuzberg, das bedeutet: viele Menschen aus vielen Nationen mit vielen Hunden unterschiedlichster Herkunft, die alle Tag und Nacht unterwegs sind und sich dabei durchaus in die Quere kommen.

"Alles entspannt", signalisiert Höfels, "Oskar hat schon seine große Morgenrunde hinter sich, sonst wäre er nicht so ausgeglichen." Der Dreijährige sitzt am Straßenrand und wartet auf sein Kommando. "Abfahrt" heißt bei Höfels "Es geht los" und "Ey" bedeutet "Stopp". Nun also "Abfahrt", auf geht’s, immer am Landwehrkanal entlang. Oskar verfügt immer noch über viel Power, aber er hat sich im Griff, posiert tapfer für jedes Foto. Die Strecke ist fast idyllisch. Hausboote dümpeln im Wasser, zwischendurch geht es an graffitibemalten Mauern vorbei, hier und da tarnt allerdings eine Trauerweide beachtliche Müllansammlungen. "Die Clubs haben wegen Corona geschlossen", erklärt Höfels. "Bei unserer Abendrunde trifft Oki, wie Oskar auch heißt, gern seine Huskyfreundin Pola, in die er ein bisschen verliebt ist", verrät Alwara Höfels unterwegs, die über ihr eigenes Privatleben nicht spricht. Tabuzone.

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Alwara Höfels verabschiedete sich aus dem Dresdner "Tatort"

Ihr Name sagt den wenigsten auf Anhieb etwas, doch wenn man erklärt: Das ist die mit dem bläulich schimmernden Muttermal auf der Wange, die, die sich freiwillig aus dem Dresdener "Tatort" verabschiedet hat, weil ihr das Drehbuch zu unrealistisch war, jene liebestolle Kindergärtnerin in "Keinohrhasen" mit bemerkenswertem Monolog über Oralsex, dann nicken alle. Die 39-Jährige ist zwar in der Nähe von Frankfurt geboren, aber eine echte Berliner Pflanze, aufgewachsen in Kreuzberg und im Wedding, eine Frau mit entsprechendem Humor und guten Sprüchen. Im Film verkörpert sie meist warmherzige, witzige, eher kumpelige Charaktere aus bescheidenen Verhältnissen mit sympathischer Ausstrahlung, die in komplexen Situationen landen. Und wenn man die Schauspielerin trifft, wirkt sie nicht viel anders: unkompliziert und authentisch.

Höfels ist Schauspielerkind, die Eltern trennten sich früh. "Das prägt", sagt sie. Viele Umzüge, Freiheit, aber eben auch viel Alleinsein und vorzeitiges Erwachsenwerden. Mit sechzehn zieht sie aus und lebt ihr eigenes Leben. Mit Unterstützung der Eltern, wenn auch nicht wieder mit Hund. Zu groß war zu diesem Zeitpunkt noch der Verlustschmerz. "Als Kind war Lucie, ein Foxterrier, meine sehr treue Begleiterin, sie war ein Familienmitglied und erscheint heute noch in meinen Träumen." Höfels schluckt, man spürt, wie dicke die beiden waren. Dann fährt sie fort in ihrer lakonischen Art: "Schon schade, dass Hunde nicht so alt werden, so gesehen wäre eine Schildkröte besser." Dann gab es jahrzehntelange Hundepause, und plötzlich war er da, "der Wille und die Lust, sich wieder mit einem Tier auseinanderzusetzen". Interessant, wie sie ihren Wunsch begründet, denn "ein Hund ist ein Hund und kein Kinderersatz, ich würde nie in Babysprache mit ihm reden". Sie imitiert kurz eine piepsige Kleinmädchenstimme, die an Debbie, Busfahrerin und alleinerziehende Mutter, erinnert, die Höfels eindrücklich spielte in dem ARD-Film "Mein Sohn, der Klugscheißer".

Womit wir beim Thema wären: Hunde am Drehort. Das sei schwierig, räumt sie ein. Oskar nimmt sie jedenfalls nicht mit zur Arbeit, "da gehört er nicht hin, das ist nicht seine Welt". Als "Schauspielkollegen" seien Hunde, Tiere generell, eine besondere Herausforderung. Alwara Höfels schildert, wie einer Kollegin mal die Beine dick mit Leberwurst eingerieben wurden, um einen, nun ja, fressfixierten Labrador zu locken, der Zuneigung auf Kommando zeigen sollte. Ging. Aber eben nur mit Wurst.

Männliche Konkurrenz schätzt Oskar nicht sonderlich

Für jedes Foto bekommt Oskar seine kleine Belohnung, und er spürt: Läuft gut heute. Höfels lobt gern, aber "ein Hund braucht ebenfalls klare Strukturen und Erziehung, das ist meist auch ein Lernprozess für den Halter, denn nur so wird der Hund zum tollsten, loyalsten Begleiter, den man sich wünschen kann", erklärt sie ernst. Der Loyalste seinerseits ist höchst vergnügt, denn er trifft gerade am Wegesrand auf eine junge Golden-Retriever-Dame. Die mag er, männliche Konkurrenz hingegen schätzt er nicht sonderlich, wie viele Rüden. Aber er sei kein Angreifer, eher eine coole Socke, der Typ relaxter Kreuzberger, der ignoriert, was ihm nicht gefällt, charakterisiert Höfels ihren vierbeinigen Begleiter. Keine schlechte Methode, um durchs Leben zu kommen, wie man im Lauf des Spaziergangs immer wieder sieht.

Heute ist er der Star, wenn auch einer mit trauriger Vergangenheit. Die Schauspielerin nahm ihn bei sich auf, dafür ist er augenscheinlich dankbar und hat sein Frauchen am liebsten immer im Blick. Eine stille Übereinkunft, die beide offenbar beruhigt. "Oskar stammt aus Korinth, einem geschichtsträchtigen Ort, was mir als Schauspielerin natürlich gefiel." Sie lächelt. Alwara Höfels ist gelernte Theaterschauspielerin, besteht gleich nach dem Abitur die Aufnahmeprüfung an der Ernst-Busch-Schauspielschule in Berlin und wird fest am Deutschen Theater engagiert.

Oskar hatte Glück, er befand sich bereits mit seiner Mutter in der Tötungsstation. Eine Griechin, die mit einem Berliner Tierschutzverein zusammenarbeitet, holte ihn da raus. "Ich sah ein Foto von ihm im Internet. Als Hundeliebhaber weißt du sofort, wenn dieser Blick in dein Herz einschlägt, dann ist es geschehen!" Damals war Oskar fünf Monate alt. Ein Hund aus einer Zucht interessierte sie überhaupt nicht. "Es gibt zu viele, die ein Zuhause brauchen, und ich hatte Lust auf ein Überraschungspaket", erzählt Höfels amüsiert und verweist damit auf eine Parallele in ihrem Leben: 2007 wird sie von Til Schweiger für "Keinohrhasen" entdeckt. Sie gehört zum Ensemble des Deutschen Theaters, gab die schöne Helena in Shakespeares "Sommernachtstraum". Aber beim Film kannte sie so gut wie niemand. Schweiger fand sie toll beim Casting, ein "Überraschungsei", und setzte sie durch. Seitdem sucht sich Höfels ihre Rollen bewusst aus, denn Geld verdienen aus Sicherheitsgründen sei nicht ihr Ding, sagt sie und betont ihre "Liebe zu künstlerischen Inhalten". Sprechen, spielen, schreiben, das hat sie schon immer fasziniert: Als Kind fragte sie fremde Leute auf der Straße nach ihrem Leben und schrieb es auf, sie verfasste Theaterstücke in der Schule. Heute liegen fast fertige Drehbücher in ihrer Schublade.

Kennenlernmoment in Korinth

Auch Oskar aus Korinth ist eine Herzensangelegenheit. An den Kennenlernmoment kann sie sich genau erinnern: "Ich kam in einen Raum mit vielen Hunden, setzte mich in eine Ecke und wartete. Er kam, sprang gleich auf meinen Schoß, drehte sich auf den Rücken und guckte mich an. Da war alles klar." Höfels hat fast Tränen in den Augen, als sie das erzählt. Die Erziehung hingegen war ein mühsamer Weg, bei aller Sympathie gab es einiges zu tun.

Sie gingen lange in die Hundeschule zu einem pragmatischen Berliner, wie sie sagt: "Nur auf Kuschelkurs hatte ich keinen Bock, sondern, wie gesagt, auf klare Strukturen und Erziehung." Ein halbes Jahr Einzeltraining mit einer Hundebetreuerin kam hinzu, die die beiden auf allen relevanten Wegen begleitete: zu Hause, auf der Straße, in den Wald und ins Café. "Ich habe mit ihm bewusst viel unternommen, damit unser gemeinsames Leben kompatibel ist und gut funktioniert."

Funktionieren tut es, sehr gut sogar. "Wir gehen beide gerne stundenlang in den Wald und genießen das", sagt Alwara Höfels. "Würde man Oskar nach dem bisher schönsten Moment in seinem Leben fragen, würde er antworten: Die letzten Monate, weil wir immer zusammen waren und praktisch ständig im Wald." Und so hatte Corona für sie auch eine gute Seite. Natürlich war damit eine Zwangspause für die Schauspielerin verbunden. Zum Glück gehen die Dreharbeiten aber wieder los, unter anderem mit Dieter Hallervorden in der erfolgreichen ZDF-Serie "Mein Freund, das Ekel". Bis Herbst 2021 sei sie beschäftigt, versichert Alwara Höfels. Das beruhigt, sofern man in diesen seltsamen Zeiten überhaupt beruhigt sein kann.

Im Beruhigen ist Oskar auch gut. Zumindest lenkt er ziemlich erfolgreich ab, wenn es mal traurig wird, ist empathisch und lebenslustig. Er hat viele Gesichter, wie ein guter Schauspieler, bringt Alwara Höfels zum Lachen – und nicht nur das. Manchmal legt sie Platten auf und sie tanzen durch die Bude. "Oskar kann coole Moves", sagt sie. In Momenten großer Nähe nennt sie ihn "Knallkopp" und sagt: "Ich bin ja selber auch einer."

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