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Österreich Lesbisches Elternpaar erhält Drohungen und Beschimpfungen per Post

Die österreichische Politikerin Faika El-Nagashi
Die österreichische Politikerin Faika El-Nagashi
© Franz Perc / Picture Alliance
Die österreichische Politikerin Faika El-Nagashi und ihre Frau sind 2020 Eltern geworden. Dass ein lesbisches Paar offen als Familie lebt, gefällt jedoch nicht jedem – die 44-Jährige erhielt beleidigende Post.

Faika El-Nagashi ist alles, was Menschen mit rechtskonservativen Vorstellungen dazu bringt, hörbar Luft einzuatmen. Sie hat einen Migrationshintergrund – ungarisch und ägyptisch –, ist Feministin, Veganerin und Abgeordnete für die Grünen. Und sie lebt offen lesbisch, ist seit Mai 2020 mit ihrer Frau verpartnert. Seit Juli sind die beiden Eltern eines kleinen Jungen.

Viele Menschen schickten begeisterte Glückwünsche, als El-Nagashi erste Fotos von sich und dem kleinen Younis auf ihren Social-Media-Kanälen teilte. Aber wie man sich, leider, fast schon denken kann: Das Familienglück gönnt der 44-Jährigen nicht jeder. Nachdem sie einer Tageszeitung ein Interview über ihren Alltag als Teil einer Regenbogen-Familie gab, erhielt Faika El-Nagashi beleidigende Post.

Eine Tagezeitung berichtete über die Familie

Der österreichische "Kurier" hatte über das erste Weihnachten des kleinen Younis mit seiner Mama und seiner Mami in Wien berichtet und die Vorgeschichte erzählt: dass die beiden Frauen seit vier Jahren den Wunsch hatten, eine Familie zu gründen, aber dass der Vater ihres Kindes kein anonymer Spender, sondern jemand aus ihrem Umfeld sein sollte, den Younis später auch kennenlernen kann. Jemanden zu finden, der dazu bereit war, dauerte – doch inzwischen sind alle Beteiligten glücklich. "Love makes a family", schrieb Faika El-Nagashi auf Facebook, "Liebe ist das, was uns zu einer Familie macht".

Doch genau diese Ausgabe der Tageszeitung hatte die 44-Jährige jetzt im Briefkasten. Bekritzelt, mit dickem, blauen Filzstift. Ein Foto davon teilte sie entsetzt bei Twitter. "Ich helfe euch mal lesen, was so auf dieser 'Zusendung' steht, die ich heute in meiner Post hatte", schreibt sie dazu, da die Schrift schwer zu entziffern ist.

Ein Unbekannter meldete sich zu Wort

"Muslime sollen sich anpassen und integrieren", steht da – obwohl weder El-Nagashi noch ihre Frau Muslime sind. Die Elternschaft der beiden Frauen sei "unnatürlich" und ihr kleiner Sohn werde sicher "auch lesbisch". Ausländer sollten sich zudem bitte "an unsere Gesetze halten". Die 44-Jährige schreibt dazu: "Das ist übrigens nicht das erste Mal, dass ich von dieser Person Post bekomme. Oder Hassnachrichten, die mich als Frau, Lesbe, Muslimin, Migrantin und Woman of Color adressieren und deswegen angreifen."

Es sei erschütternd, was ihre bloße Existenz und ihre Sichtbarkeit, als erfolgreiche Politikerin, bei manchen Menschen auslösten. Doch gerade dafür bekommt Faika El-Nagashi auch jede Menge Zuspruch. "Wir brauchen euch ganz dringend. Danke für den Mut zur Sichtbarkeit! Ich weiß nicht, wie es ist, so etwas aushalten zu müssen", schreibt eine Nutzerin auf Twitter. Eine andere: "Solange so viel Hass, Ignoranz und Intoleranz in unserer Gesellschaft ist, haben wir echt noch sehr viel zu tun! Volle Solidarität mit dir und deiner Familie". Und, ein emotionaler Kommentar: "Wie lieb ist dieses Foto von euch? Mein Herz schmilzt. Ich weiß, das ist nicht das eigentliche Thema aber, oh mein Gott, ihr seid so lieb!"

Quellen:  Twitter, "Kurier"

wt

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