Meinung Alles nur Gilogen!

Gil Ofarim
Bei der Verteilung der Tier-Trophänen erhielt Gil Ofarim das Chamäleon von seinen Camp-Kollegen
© RTL
Gil Ofarim hätte zwei Wochen im Dschungelcamp als gesellschaftliches Resozialisierungsprogramm nutzen können, stattdessen vollzieht er eine Art Schweigegelübde.

Täglich schaltet man das Dschungelcamp ein und hofft auf zwei Dinge: Entweder tritt Gil Ofarim nun endlich den Gang nach Canossa an – oder wenigstens den Gang aus der Show. Denn nach seinem Auftritt bei "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" werden ihm viele den Sieg missgönnen. Zu tief sitzt der Eindruck, dass er weniger Läuterung als Selbstschutz betrieben hat.

Warum das so ist? Weil es der Sänger in den vergangenen Jahren geschafft hat, vom einstigen Teenie-Schwarm zur Persona non grata mit Sendezeitgarantie zu werden. Der Skandal um Gil Ofarim begann im Oktober 2021, als er in einem Video behauptete, in einem Leipziger Hotel wegen eines Davidsterns antisemitisch diskriminiert worden zu sein. Die Vorwürfe lösten große öffentliche Empörung aus – doch die Wahrheit stolperte schneller hinterher als Ofarim selbst bei den Dschungelprüfungen. Ermittlungen und Videoaufnahmen konnten die Darstellung nicht bestätigen. Im November 2023 gestand Ofarim schließlich vor Gericht, dass seine Geschichte nicht der Wahrheit entsprach, entschuldigte sich, und das Verfahren wurde eingestellt. Juristisch erledigt, moralisch medial offen.

Wenn er im Camp auf diesen Vorfall angesprochen wird, antwortet Ofarim stets, er würde gerne darüber reden, dürfe aber nicht. Er verweist auf eine angebliche "Verschwiegenheitserklärung". Damit gemeint ist die Unterlassungserklärung, die Ofarim damals unterschrieb. Ofarims Anwalt hat bestätigt, dass es diese Unterlassungserklärung tatsächlich gibt. Das bestreitet auch der Anwalt des geschädigten Rezeptionisten nicht. In einer Pressemitteilung sagte der Anwalt des Geschädigten allerdings auch, einen grundsätzlichen Schweigedeal habe es hingegen nie geben. Heißt: Ofarim darf sehr wohl sprechen, nur seine damaligen Anschuldigungen gegen den Rezeptionisten nicht wiederholen. 

War Gil Ofarims Sturz gar nicht so schlimm?

Jeden Abend um 20.15 Uhr warten die Zuschauer nun gespannt darauf, ob heute der Tag ist, an dem Gil Ofarim nicht fällt, sondern steht – moralisch zumindest. Doch stattdessen sieht man den einstigen Popstar in Jesus-Optik durchs Camp schlurfen, teilweise noch geschwächt von seinem angeblichen Kopfsturz. 

Doch warum "angeblich"? Schließlich fuhr RTL das halbe medizinische Fachpersonal Australiens auf, um zu prüfen, ob Ofarim ernsthaft verletzt sei. Der Notarzt war zumindest schneller zur Stelle als Ofarims Einsicht. Die aufmerksame Social-Media-Community trat im Nachhinein den Videobeweis an. Comedian Oliver Pocher postete den Sturz in Zeitlupe. Einen Aufprall mit dem Kopf erkennt man nicht. Ofarim fällt, stützt sich mit den Ellenbogen ab und rollt zur Seite. Die Szene ruft zwar Mitleid hervor, wirft aber auch Fragen auf. Was ist also passiert? Oder war dieser zweite Ofarim-Fall erneut nur "gilogen"? Wenn man die Bilder sieht, drängt sich dieser Eindruck zumindest auf, denn ein Kopfsturz mit anschließender Ohnmacht ist auf dem Videomaterial nicht zu erkennen.

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Langsam entsteht der Eindruck, als sei Gil Ofarims Mission im Dschungelcamp nicht die Wiederherstellung seines Images, sondern das konsequente Einsammeln von Mitleidspunkten. Doch kaum droht das Publikum weich zu werden, wirft Simone Ballack ein weiteres Gerücht in die Lagerfeuerrunde. Es könnte sein, dass Ofarims Ehe-Aus mit Verena Ofarim, mit der er von 2014 bis 2018 verheiratet war, eventuell, möglicherweise, theoretisch etwas mit seinen sehr innigen Tanzeinlagen bei "Let’s Dance" 2017 mit Ekaterina Leonova zu tun gehabt haben könnte.

Natürlich lässt man die Vorlage einer Ballack nicht liegen. Hubert verwandelt: "Was war denn mit deiner Ex-Frau? Du hast mit einer Tänzerin …?" Was denken Sie, wie er reagiert? Ganz wie erwartet: mit Schweigen, verpackt als Moral. Dieses Mal wolle Gutmensch-Gil nichts sagen, um andere zu schützen: "Meiner Ex-Frau ging es damals nicht gut", sagt er. Punkt. Kein Warum, keine Erklärung. Logisch wäre zumindest der Gedanke, dass es einer Frau nicht gut geht, wenn ihr Mann fremdgeht, doch Ofarim lässt das Gerücht lieber schweigend weiterleben.

"Danke, danke, danke!"

Zu all den Ungereimtheiten geht mir Gil Ofarims seichte, säuselnde Tonlage auf die Nerven. Jedes zweite Wort von ihm ist gefühlt "Danke". Er bedankt sich für einfach alles: "Gil, du musst in die Dschungelprüfung!" – "Danke". Oh wie toll, ich darf eklige Ziegenpenisse essen, da muss man doch definitiv auch mal "Danke" sagen. Dieses höfliche Getue passt nicht zu dem eiskalt durchgezogenen Schweigegelübde. 

Die Fragen werden auch nach seinem Auszug aus dem Dschungel bleiben. Gil Ofarim hatte die Chance, sich als geläuterter Mensch zu zeigen. Er entschied sich stattdessen für die Rolle des leidenden Schweigers. Ganz gleich, ob er sich am Ende für die Krone oder die Teilnahme bedankt: Zurück bleibt das Bild eines Mittvierzigers, der kritikresistent wirkt, ausweichend, arrogant – und erstaunlich lernunwillig. 

So jemand hat es nicht verdient, Dschungelkönig zu werden.

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