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Lebensmittelkontrollen: Jedes fünfte Eis war verdorben

Die Hersteller haben kaum etwas aus den Lebensmittelskandalen gelernt: Bei den 400.000 Proben, die Verbraucherschützer vergangenes Jahr entnommen haben, gab es die meisten Verstöße bei Speiseeis - und Fleischwaren.

Die Verbraucherschützer haben im vergangenen Jahr rund 15 Prozent aller kontrollierten Lebensmittel beanstandet. Dabei wurden Speiseeis und Fleischwaren bei den Kontrollen besonders oft bemängelt. Aber auch bei Wild und Geflügel gab es viele Verstöße, wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am Montag in Berlin mitteilte. Laut dem gerade veröffentlichten Jahresbericht führt Speiseeis mit einer Beanstandungsquote von 21,4 Prozent die Negativrangliste an, gefolgt von Fleischwaren mit 20,2 Prozent.

Mogelpackungen und falsche Kennzeichnung

Insgesamt wurden 2005 rund eine Million Kontrollen in knapp 600.000 Betrieben durchgeführt. Damit wurden rund 56 Prozent aller Lebensmittelbetriebe untersucht. Dort nahem die Lebensmittelkontrolleure im vergangenen Jahr 400.000 Proben verschiedenster Nahrungsmittel, von denen 15,3 Prozent nicht dem Lebensmittelrecht entsprachen. Von den beanstandeten Proben war jede sechste verdorben. Immerhin bewerteten die Verbraucherschützer es als positiv, dass sich die Betriebe nach den jüngsten Lebensmittelskandalen verstärkt um eine lückenlose Rückverfolgbarkeit der Produkte bemühten.

Jeder zweite entdeckte Verstoß geht auf falsche Kennzeichnungen von Lebensmitteln zurück. Mogelpackungen oder fehlende Mindesthaltbarkeitsdaten auf der Packung sind hier die häufigsten Sündenfälle. Dazu kommen chemische Verunreinigungen von Nahrungsmitteln zum Beispiel durch Pflanzenschutzmittel, falsche Zutaten oder unzulässige Bestrahlungen. In 13 Prozent der kritisierten Lebensmittel entsprach die Zusammensetzung nicht den Vorschriften. Dazu zählt beispielsweise, wenn in einem Wiener Schnitzel, das aus Kalbfleisch bestehen muss, Reste von Schweinefleisch gefunden würden, erklärten die Experten.

Keine Auswirkungen der Fleischskandale

Der Gammelfleischskandal habe aufgrund der geringen Menge der Ekelware statistisch keinen Einfluss gehabt, sagte BVL-Präsident Christian Grugel. Am Ende der Negativ-Skala findet sich Obst und Gemüse sowie Schokolade, Kaffee und Tee mit Werten um zehn Prozent.

Ein Rückschluss der Untersuchungsergebnisse auf den Zustand aller Nahrungsmittel lasse sich nicht ziehen, betonte der BVL-Präsiden. Denn die Behörden gehen dazu über, schwerpunktmäßig besonders anfällige Betriebe zu überprüfen. "Wir wollen weg von der Krisenreaktion, hin zur Prävention", sagte Grugel. Dabei erhalten die Selbstkontrollen der Wirtschaft eine zunehmende Bedeutung. So hätten große Lebensmittelketten IT-gestützte Systeme eingeführt, die eine lückenlose Rückverfolgung der Waren ermöglichen.

Reuters/AP / AP / Reuters

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