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Küchenkunde: Elf Dinge, die Sie über Speiseeis noch nicht wussten

Wussten Sie, dass Stracciatella nicht nur der Name einer Eissorte ist? Und obwohl die Italiener als Väter der Leckerei gelten, sie nicht die Erfinder sind - elf überraschende Fakten übers Speiseeis.

Vanilleeis - der ewige Klassiker und Spitzenreiter unter den beliebtesten Eissorten.

Vanilleeis - der ewige Klassiker und Spitzenreiter unter den beliebtesten Eissorten.

1. China vor Italien

Die Eissorten Stracciatella, Malaga oder Tiramisu klingen so italienisch - da liegt es nahe zu denken, dass die Italiener auch das Eis erfunden haben. Stimmt aber nicht. Schon im antiken China soll Speiseeis bekannt gewesen sein, die Herrscher sollen große Eislager angelegt haben.

2. Eishungrige Nordlichter

Wer hätte das gedacht? Aber die Statistiken des Eis Info Services belegen es eindeutig: Nicht die Südländer, sondern die Nordlichter sind die Europameister im Eisschlecken. 2012 aßen die Finnen im Schnitt 11,8 Liter Eis pro Kopf und Jahr. Auch andere Skandinavier sind an der Spitze dieser Liste zu finden: Platz zwei belegen die Norweger mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 10,8 Liter Eis, auf Platz drei liegen die Schweden mit 10,4 Litern. Dann erst folgen die Italiener mit 6,3 und Deutschland mit 6,1 Litern Eis.

3. Kaltes Schmerzmittel

Schon Hippokrates schwörte um 400 vor Christus auf die kühlende Wirkung von Eis. Er mischte Getränke mit Eis, um so das Wohlbefinden seiner Patienten zu stärken. Auch als schmerzstillendes Mittel gegen Entzündungen, Schwellungen oder Bauchschmerzen verschrieb der Grieche Eis. Ob das allerdings funktionierte, ist fraglich.

4. Stracciatella-Suppe

Stracciatella gehört zu den beliebtesten Eissorten in Deutschland. In Italien bezeichnet der Name Stracciatella auch ein traditionelles Gericht, eine sogenannte Einlaufsuppe. So heißen Suppen auf Basis einer Rinderbrühe und weiteren regionalen Zutaten, in die eine Ei-Mehl-Mischung oder nur Ei hineingegeben wird ("einläuft"). Während des Kochens gerinnt das Ei und es bilden sich die namengebenden Ei-Fetzen (italienisch "stracciato", zerfetzt).

5. Eicreme, Milcheis, Rahmeis

Eis ist nicht gleich Eis. Ein paar Definitionen: In Milcheis muss mindestens 70 Prozent Milch enthalten sein, damit man es so nennen darf - Eier hingegen sind tabu. Wenn der Nachtisch einen Milchfettanteil von mindestens zehn Prozent hat, dürfen Eismacher ihre Kreation Eiscreme nennen. Und ein Rahmeis muss einen Milchfettanteil von mindestens 18 Prozent aus der verwendeten Sahne beinhalten. Es soll ja alles seine Richtigkeit haben.

6. Eskimo-Eis

Die israelischen Kult-Filme "Eis am Stiel" sind Filmliebhabern, aber auch Laien ein Begriff. Die drei Freunde Benny, Johnny und Momo haben nur Mädchen und Unsinn im Kopf. Benny arbeitet als Eisverkäufer - daher der hebräische Filmname "Eskimo". Der bezieht sich auf eine heute noch erhältliche Sorte des Eislutschers namens "Eskimo".

7. Zufällige Erfindung

An einem Abend in San Francisco im Jahr 1905 vergaß der kleine Frank Epperson seine Limo aus Wasser und Brausepulver, die er mit einem Stiel umgerührt hatte, auf der Veranda seines Elternhauses. Am nächsten Morgen war sein Limonadenmix am Rührstab festgefroren. Das Eis am Stiel war geboren. Doch Epperson, der viele Jahre später ein Limonadenhersteller werden sollte, musste noch 18 Jahre warten, bis er sein Eis am Stiel das erste Mal der Öffentlichkeit präsentieren konnte. Seine Kreation nannte er Eppsicle Ice pop, und er hatte großen Erfolg damit. Das war 1923. Im selben Jahr meldete ein anderer Amerikaner, Harry Bust, ein Patent an: für ein Vanilleeis am Stiel mit Schokoladenüberzug.

8. Baby Gaga

Es gibt fast nichts, was sich nicht zu Eis verarbeiten lässt: In Kalifornien soll es Knoblaucheis geben, die Japaner - für allerlei Kuriositäten bekannt - geben neben Wasabi oder Grünen Tee auch Shrimps, Sojasauce oder Tintenfische ins Eis. Selbst in Deutschland findet man schräge Kreationen mit Bier, Weißwurst oder Lachs. Es waren dann aber die Engländer, die es auf die Spitze trieben: Ein Londoner Eiscafé nahm 2011 ein Eis mit Muttermilch ins Programm auf, verfeinert mit Vanille und Zitronenabrieb, und nannte die Sorte "Baby Gaga". Das Eis war nach nur einer Woche ausverkauft. Nachschub wird es aber nicht geben: Die britischen Behörden ließen das Eis verbieten.

9. Genialer Einfall

Bis heute ist das Spaghettieis nur bei uns Deutschen so beliebt. In den USA ist Spaghettieis unbekannt. Erfunden hatte es ein Junge, der Mannheimer Dario Fontanella. Im Jahr 1969 wollte der Sohn italienischer Einwanderer seinen Vater, der eine Eisdiele betrieb, mit einer neuen Eisvariante beeindrucken und drückte das Vanilleeis durch eine Kartoffelpresse. Seither ist das Spaghetti-Eis aus Eisdielen in Deutschland nicht mehr wegzudenken.

10. Die Speiseeis-WM

Heißt offiziell "Gelato World Tour" unf findet dieses Jahr am 5. bis 7. September in Rimini statt. Hier geht es zur offiziellen Facebook-Seite. Drei deutsche Eisdielen nehmen an dem Wettkampf teil: Das Eiscafé "Venezia" aus Kempten im Allgäu, das Eiscafé "Venezia" aus Birkenfeld in Rheinland-Pfalz und die "Kleine Borkumer Eiskonditorei" aus Niedersachsen. Deren Eigentümer haben sich nun in Berlin mit ihren Eissorten "Gewürze des Orients", "Haselnuss Herz" und "Exotischer Sommertraum" qualifiziert.

11. Lustquelle

Zum Schluss noch einmal die Wissenschaft: Angeblich soll schon ein Löffel Eis die Lustzentren im menschlichen Gehirn aktivieren. Das fanden Forscher am Psychiatrischen Institut in London heraus. Es werden dieselben Zentren stimuliert wie beim Hören der eigenen Lieblingsmusik oder bei großen Gewinnen.

Von Linda Gondorf und Sonja Helms
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