Lichterglanz + Räucherkerzen Weihnachtsdeko darf nicht stören

Nicht jeder findet einen am Haus baumelden Weihnachtsmann toll
Nicht jeder findet einen am Haus baumelden Weihnachtsmann toll
© Colourbox.com
Wenn die weihnachtliche Licht-Deko fast schon die Kapazität des lokalen Elektrizitätswerks sprengt, ist das nicht jedermanns Sache. Vermieter dürfen besonders streng sein: Ist der Schmuck an der Fassade zu auffällig - oder sogar gefährlich - darf er verboten werden.

Für die einen ist die Adventszeit besinnlich und ruhig, andere drücken ihre Vorfreude auf das Weihnachtsfest mit buntem Lichtschmuck an Fenstern und Hausfassaden aus. Beim Dekorieren sollte jedoch immer Rücksicht auf Nachbarn und Passanten genommen werden, rät der Immobilienverband Deutschland (IVD). Der Lichtschmuck dürfe niemanden gefährden und auch nicht als störend empfunden werden.

Vermieter darf einschreiten

"Leuchtet der Schmuck zu sehr, blinkt auffällig, oder das Licht fällt allzu stark in benachbarte Wohnungen, darf der Vermieter ihn verbieten", sagt IVD-Sprecher Jürgen Michael Schick. Wenn Mieter Dekorationen an der Haustür oder an der Außenfassade des Hauses anbringen wollen, brauchen sie eine Genehmigung des Vermieters. Ortsübliche Dekorationen, wie etwa ein Kranz an der Tür oder eine dezente Weihnachtsbeleuchtung auf dem Balkon, seien aber kein Problem, meint er.

Der Umgang mit weihnachtlichen Bräuchen führt jedoch immer wieder zu Nachbarschaftsstreitigkeiten. So musste das Landgericht Düsseldorf eingreifen, weil ein Mieter nach alter Sitte einen Adventskranz an der Außenseite seiner Wohnungstür aufgehängt hatte. Davon fühlten sich Nachbarn belästigt. Sie hatten aber keine Chance. So ein saisonbedingter Schmuck muss geduldet werden, entschieden die Richter (AZ: 25 T 500/89).

In der Wohnung gilt Gestaltungsfreiheit

In ihrer Wohnung können Mieter jedoch weitgehend tun und lassen, was sie wollen. So dürfen sie einen Tannenbaum aufstellen, auch wenn das laut Mietvertrag verboten ist. Denn solche Klauseln sind unzulässig. "Aber der Vermieter kann darauf bestehen, dass der Mieter ausreichend gegen einen Zimmerbrand Vorsorge trifft", so Schick.

Grundsätzlich dürfen Mieter auch Wachskerzen und Wunderkerzen verwenden, wenn sie sorgfältig damit umgehen und den Baum nicht längere Zeit unbeaufsichtigt lassen. Entzündet sich der Baum trotzdem, ist dem Mieter nach einem Urteil des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts keine grobe Fahrlässigkeit vorzuwerfen (AZ: 3 U 22/97).

Kerzen niemals unbeaufsichtigt lassen

Anders sieht es aus, wenn der Baum unbeaufsichtigt gelassen wird. So hat das Amtsgericht Neunkirchen entschieden, dass es grob fahrlässig sei, Kerzen 15 bis 20 Minuten unbeaufsichtigt in einem Raum brennen zu lassen. (AZ: 5 C 1280/95).

Ob ein Brand grob fahrlässig verursacht wurde, hängt auch von der Beschaffenheit des Weihnachtsbaumes oder Adventskranzes ab. In einem vom Landgericht Hof entschiedenen Fall hatte eine Frau auf ihrem gefliesten Wohnzimmertisch eine Weihnachtskerze angezündet und dann für 15 Minuten das Zimmer verlassen. Während ihrer Abwesenheit rutschte die Kerze aus dem Ständer, fiel vom Tisch und setzte die Wohnung in Brand. Die Richter entschieden, dass keine grobe Fahrlässigkeit vorliege (AZ: 13 O 471/99). Die Kerze habe in einem Ständer auf einem gefliesten Tisch gestanden. Es habe nicht die Gefahr bestanden, dass allein durch das Abbrennen der Kerze Zweige oder Weihnachtsschmuck in Brand gesetzt werden konnten.

Lichterketten sind oft Stromfresser

Räucherkerzen sind ein Weihnachtsutensil, das die einen lieben und andere hassen. In den eigenen vier Wänden ist gegen ihren Gebrauch nichts einzuwenden. Aber manche Leute beduften damit auch Flure und Treppenhäuser. Das ist nicht zumutbar, urteilte das Amtsgericht Hannover. Eine Beräucherung, die dem Rauch von etwa fünf über den Tag verteilten Zigaretten entspricht, ist unzulässig (AZ: 70 II 414/99).

Wer Haus und Wohnung weihnachtlich dekorieren will, sollte auch an seine Geldbörse und die Umwelt denken. Darauf weist die Stiftung Warentest in der Dezemberausgabe ihrer Zeitschrift "test" hin. Sie prüfte Stromverbrauch und Sicherheit von Lichterketten und Schläuchen. Besonders Lichterketten mit Glühlampen sind Stromfresser. Drei Lichtschläuche mit Glühlampen verbrauchen in fünf Wochen soviel Strom wie ein moderner Kühlschrank mit Vier-Sterne-Gefrierfach in einem Jahr.

Reiner Fischer/DDP DDP

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