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MÜNSTER: Ein süßes Vergnügen

Studentin verschickt falsche Terrorbriefe

Studentin verschickt falsche Terrorbriefe

Spaß definiert sich im Widerspruch zum Denken, mag man meinen. Und erhält auch schnell Bestätigung: In Münster wurde eine Studentin festgenommen, die an eine Freundin und ihren Bruder in Berlin Briefe verschickt hat. Briefe, aus denen weißes Pulver rieselte. Nein, keine Milzbrand-Erreger, es war einfach nur Puderzucker.

Ein Großaufgebot der Polizei und Feuerwehr riegelte das Postverteilzentrum Tempelhof ab. Man nahm das vermeintliche Terrorpaket unter die Lupe und fand auch ein Bild von Osama Bin Laden. Trotzdem Entwarnung in Berlin, aber Festnahme in Münster. Die 28-Jährige hatte bereits die Adressaten informiert. Ihr Geständnis ließ nicht lange auf sich warten. Ihr Beweggrund? Sie habe es »aus Spaß« gemacht, gab sie zu Protokoll.

Trittbrettfahrer müssen hart bestraft werden

Der Spaß ist vielen aber schon lange vergangen. Grauzonen der Toleranz gibt es nicht mehr. »Irony is over, bye bye« hat einmal Jarvis Jocker von Pulp gesungen. Die politische Odyssee der Milchschaumschlürfer von heute beginnt mit dem Blick auf den Fernseher und endet beim Zukleben eines »lustigen« Briefes, der mit Puderzucker gefüllt ist.

Im Kampf gegen die Taliban ist jedes Mittel recht, da müssen Trittbrettfahrer hart bestraft werden. Trittbrettfahrer: Weniger Unwort, dafür Bezeichnung für Un-Personen. Die Studentin der Kunstgeschichte aus Münster erwartet eine Strafe von mehreren 10.000 Mark für den Einsatz, dazu bis zu drei Jahren Haft wegen »Störung des öffentlichen Friedens«.

Ein Disziplinarrecht für Studierende gebe es aber nicht, versichert Norbert Frie, Pressesprecher der Universität. Man werde die Studentin nicht von der Almer Mata verweisen. Trotzdem: »Wir sind betroffen über diese nicht zu entschuldigende und eigentlich auch nicht zu verstehende Tat.« Da fragt man sich, wann das Lachen endlich im Halse stecken bleibt. (mk)

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