HOME

Pkw-Maut: "Völliger Unsinn"

Ist eine Pkw-Maut auf deutschen Straßen sinnvoll? Der ADAC sagt im Gespräch mit stern.de ganz klar "nein". Denn Autofahrer würden nur unfair und unnötig belastet.

Von Heike Sonnberger

Bayerns Innenminister Günther Beckstein hat mit seiner Forderung nach einer Pkw-Maut für deutsche Autofahrer Furore ausgelöst. Der Vorschlag sieht eine 100 Euro teure Autobahnvignette vor, die allen Autobahnbenutzern pauschal aufgebürdet würde. Das sei zur Bekämpfung des Tanktourismus die "beste Lösung", so der CSU-Politiker zur "Süddeutschen Zeitung". "Wir müssen den Benzinpreis so reduzieren, dass eine Vignette bei ungefähr 10.000 Kilometern im Jahr für den Bürger kostenneutral ist."

Kritik wird immer lauter

Die Kritik an dem Vorschlag wird immer lauter. Auch Carsten Willms, Verkehrsexperte des ADAC, hält die Idee für "völligen Unsinn". Eine Maut für Lkws sei sinnvoll gewesen, um den Verschleiß, den die rollenden Giganten auf deutschen Autobahnen jährlich anrichten, finanziell auszugleichen. "Ein Pkw verursacht jedoch 60.000 bis 100.000 Mal weniger Schaden als ein Lkw mit 40 Tonnen Gewicht", sagt Willms.

Eine Pkw-Maut sei deshalb nicht zu rechtfertigen - zumal die anfallenden Kosten bereits durch Steuern wie die Mineralölsteuer und die Kfz-Steuer gedeckt seien. "Die Einnahmen daraus belaufen sich jedes Jahr auf 52 Milliarden Euro. Davon wird aber nur ein Drittel wieder in die Infrastrukturerhaltung hineingesteckt", so Willms. Es wäre nicht vertretbar, dass mit der Maut zum Beispiel das Haushaltsloch gestopft würde - "nach dem Motto: 'Wir fahren für die Krankenkassen'". Zumal der Benzinpreis mit der Mehrwertsteuererhöhung in jedem Fall noch einmal um fünf bis sechs Prozent steigen wird.

"Eindeutig dagegen"

Hinzu kommt, dass die Maut Autofahrer veranlassen würde, auf Bundesstraßen auszuweichen. Dort ist die Zahl der Unfälle laut ADAC aber sowieso schon höher als auf den Autobahnen. Eine Maut würde zu einer weiteren Überlastung und damit zu einer Verschlechterung der Verkehrssicherheit führen. Das wäre wohl kaum im Sinne des Erfinders.

Und natürlich sei eine Autobahnpauschale einfach unfair. "Vielfahrer würden genauso viel zahlen wie Fahrer, die nur selten die Autobahn benutzen", sagt Willms. Eine solche Ungerechtigkeit könne der ADAC nicht mittragen. Auch sei es unwahrscheinlich, dass eine Pkw-Maut den Tanktourismus stoppen würde. Der deutsche Benzinpreis könne dann vielleicht gesenkt werden - aber schließlich würden die Kosten nur verlagert. Der ADAC sei also "eindeutig dagegen".

Wissenscommunity