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Planung und Anleitung In sechs Schritten zur Vorsorgevollmacht

Lieber selbst bestimmern: Jeder Bürger sollte für den Notfall vorsorgen und eine vertraute Person als Vertreter bei Handlungsunfähigkeit zur Seite haben.
Lieber selbst bestimmern: Jeder Bürger sollte für den Notfall vorsorgen und eine vertraute Person als Vertreter bei Handlungsunfähigkeit zur Seite haben.
© Colourbox
Viele ältere Menschen wollen nicht, dass eine fremde Person für sie weitreichende Entscheidungen treffen kann. Hier hilft eine Vorsorgevollmacht - doch die will gründlich geplant sein.
Von Bernhard F. Klinger

Jeder Mensch kann durch eine Krankheit oder einen Unfall vorübergehend oder dauerhaft die Fähigkeit verlieren, seinen eigenen Willen zu äußern, selbständig Entscheidungen zu treffen und Rechtsgeschäfte abzuschließen. Nicht nur bei älteren Menschen kann dies auf Demenz - Stichwort "Alzheimer" - zurückgehen. Manche psychischen Erkrankungen sowie Bewusstlosigkeit in Folge eines schweren Unfalls schließen ebenfalls eine freie Willensbildung aus.

Unabhängig davon, auf welchen Gründen mangelnde Geschäftsfähigkeit beruht, sollte jeder Bürger für einen solchen Notfall vorsorgen. Denn fehlt die persönliche Vorsorge, kommt es zu folgendem Mechanismus: Der Arzt, eine Klinik, ein Heim oder eine andere Person oder Organisation benachrichtigt das Betreuungsgericht, und das Gericht setzt dann einen - unter Umständen fremden - Betreuer ein, der stellvertretend für die erkrankte Person handelt.

Dies lässt sich vermeiden: Wenn der mündige Bürger als "Vollmachtgeber" mit einer Vorsorgevollmacht selbst bestimmt hat, wer ihn bei Handlungs- und/oder Äußerungsunfähigkeit vertreten soll, bestimmt das Gericht keinen Betreuer. Die Vorsorgevollmacht wirkt als zuverlässiges Langzeitmittel gegen die in der Gesellschaft stark abgelehnte und gefürchtete "Amtsbetreuung".

Schritt 1: Bestimmung der zu regelnden Angelegenheiten

Am Anfang sollte immer die Überlegung stehen, welche Angelegenheiten (gegenüber Banken, Behörden, Rentenstelle, Ämtern, Krankenkasse) zu regeln sind, wenn einmal krankheitsbedingt keine Handlungs- und Äußerungsfähigkeit bestehen sollte. Das Ergebnis, eine Liste der wichtigen Angelegenheiten, sollte um die jeweiligen Ansprechpartner - Name, Adresse und Telefonnummer - ergänzt werden.

Schritt 2: Wer soll später einmal für Sie als bevollmächtigte Person tätig werden?

Welche Personen verdienen so viel Vertrauen, dass sie als Bevollmächtigte infrage kommen? Sie sollten immer nur eine Person als Bevollmächtigten einsetzen, der Sie sehr großes Vertrauen entgegenbringen und die auch bereit und in der Lage ist, die Aufgabe zu übernehmen. Es ist von entscheidender Bedeutung, diese Person zu fragen, bevor Sie sie als Bevollmächtigten einsetzen.

Dazu muss Ihr Bevollmächtigter gesundheitlich und altersmäßig in der Lage sein. Es bietet sich an, einen deutlich jüngeren Ersatzbevollmächtigten zu benennen. Wenn es Ihnen darauf ankommt, dass der Bevollmächtigte Ihre Wünsche und Interessen auch offensiv vertreten kann, sollte die Person in der Lage sein, überzeugend und konsequent zu handeln.

Sehr wichtig ist es in der Regel, dass Ihr Bevollmächtigter nicht allzu weit entfernt von Ihnen wohnt. Wenn Ihr einziges Kind im Ausland oder in einer viele Hundert Kilometer entfernten Großstadt arbeitet, ist es kaum in der Lage, in einem Notfall stellvertretend für Sie zu handeln.

Schritt 3: Sammlung von Informationen

Was Sie speziell auf Grund ihrer beruflichen Tätigkeit und privaten Situation mit einer Vorsorgevollmacht regeln sollten, können Sie in Gesprächen mit einem privaten und geschäftlichen Partner, Freunden und nicht zuletzt Juristen herausfinden. Umfassende Informationen finden Sie auch im Stern-Ratgeber "Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht".

Schritt 4: Erstellen der Vorsorgevollmacht

Zwar können Sie Ihre Vorsorgevollmacht grundsätzlich selbst zu Papier bringen, doch auf Grund der großen Bedeutung eines solchen Dokuments sollten Sie einen Fachanwalt für Erbrecht einschalten, der sich in dieser sehr speziellen juristischen Materie sehr gut auskennt. Wegen der rechtlichen Schwierigkeiten, die mit einer Vorsorgevollmacht verbunden sind, sollte sich der Vollmachtgeber professioneller Hilfe bei der Erstellung der Vollmacht bedienen.

Eine Vorsorgevollmacht kann theoretisch sogar mündlich erteilt werden. Da die mündliche Bevollmächtigung schwer oder überhaupt nicht nachzuweisen ist, sollte die Vollmacht schriftlich niedergelegt sein. So werden auch Zweifel an der Existenz einer Vorsorgevollmacht vermieden. Der Vollmachtgeber muss die Vollmachtsurkunde nicht handschriftlich niederlegen, sondern kann einen mit der Maschine oder dem PC vorgeschriebenen Text einfach unterschreiben.

Eine notarielle Beurkundung ist nur dann erforderlich, wenn der Bevollmächtigte die Möglichkeit haben soll, für Sie zum Beispiel auch Grundstücksgeschäfte zu tätigen, gewerbliche Aktivitäten weiterzuführen oder eine Firma zu leiten. Besteht keine notarielle Vollmacht für diese Rechtsangelegenheiten, muss das Betreuungsgericht hierfür einen Ergänzungsbetreuer bestellen. Ob die Bevollmächtigung allerdings so weit gehen soll, muss jeder selbst entscheiden. Für die Vertretung und Regulierung der täglichen Fragen bedarf es einer solch weitreichenden Bevollmächtigung nicht.

Schritt 5: Überprüfung Ihrer Vorsorgevollmacht

Auf diese Punkte sollten Sie beim Abfassen einer Vorsorgevollmacht achten:

  • Die Befugnisse des Bevollmächtigten sind so eindeutig geregelt, dass er weiß, was er tun darf und was nicht.
  • Ein Ersatzbevollmächtigter ist benannt.
  • Die dem Bevollmächtigten übertragenen Aufgaben sind in vermögensrechtlicher Hinsicht ebenso klar geregelt wie bei persönlichen Angelegenheiten.
  • Bei der Abfassung sind Bedingungen vermieden worden.
  • Mit dem Bevollmächtigten ist ein Grundvertrag über das Innenverhältnis abgeschlossen.
  • Die Vollmacht ist individuell auf mich abgestimmt und nicht nur ein angekreuzter Vordruck.
  • Die Vollmacht gilt über den Tod hinaus, so dass der Nachlass nicht handlungsunfähig ist.
  • Der Bevollmächtigte weiß, wo sich meine Patientenverfügung befindet.
  • Meine Vorsorgevollmacht ist aktuell und entspricht meinem Willen.

Schritt 6: Verwahrung und Registrierung der Vorsorgevollmacht

Der Bevollmächtigte muss die Vorsorgevollmacht rasch auffinden können. Nur so kann er sofort loslegen, wenn Sie eines Tages plötzlich Ihre Angelegenheiten krankheitsbedingt nicht mehr selbst regeln können. Gleichzeitig muss die Vorsorgevollmacht vor unberechtigtem Zugriff durch Unbefugte gesichert sein. Die Aufbewahrung in der eigenen Wohnung oder im Wohnhaus des Vollmachtgebers kann im Einzelfall durchaus sinnvoll und möglich sein. Legen Sie die Vollmacht nicht in einen Safe oder in ein Bankschließfach! Denn bei dieser sicheren Verwahrung ist die Urkunde sicher nicht verfügbar, wenn Ihr Bevollmächtigter für Sie handeln soll.

Seit Anfang 2005 wird in Berlin das Zentrale Register für Vorsorgevollmachten geführt. Auf Grund dieses Registers kann das zuständige Gericht rasch erkennen, dass wegen einer bestehenden Vorsorgevollmacht kein "Amtsbetreuer" bestellt werden muss. Tritt ein Notfall ein und ist nicht bekannt, ob ein Vorsorgebevollmächtigter bestellt wurde, ordnet das Betreuungsgericht die Einsetzung eines Betreuers kurzfristig an. Eine Hinterlegung der Vollmacht selbst ist dagegen nicht möglich. Das Vorsorgeregister umfasst sowohl privatschriftliche als auch notarielle Vorsorgevollmachten.

Weitere Informationen rund um das Thema Vorsorgevollmacht finden Sie hier


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