Rente mit 67 Keine Chance für Jahrgang '64


Sie stößt auf breiten Widerstand - kommt aber trotzdem: Der Bundestag hat die Rente mit 67 verabschiedet. Für alle, die heute 43 Jahre oder jünger sind, heißt dies nun: länger arbeiten - oder weniger Rente. stern.de erklärt worum es im Einzelnen geht.

Alle Proteste halfen nichts, der Bundestag hat trotz des heftigen Widerstands der Gewerkschaften die umstrittene Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre beschlossen. Diese Neuregelung betrifft all jene voll, die heute 43 Jahre oder jünger sind. Für sie heißt es nun: Länger arbeiten - oder sich mit deutlich weniger Rente zufrieden geben.

Bundesrat muss noch zustimmen

Vorgesehen ist nun, das Rentenalter von 2012 bis 2029 in kleinen Schritten von heute 65 auf 67 Jahre anzuheben. Dies beginnt mit dem Geburtsjahrgang 1947. Ebenfalls beschlossen wurde die Initiative 50 plus, die die Beschäftigungschancen Älterer verbessern und das reale Renteneintrittsalter erhöhen soll. Der Bundesrat soll am 30. März zustimmen.

Die Union stand geschlossen hinter dem Gesetz von Bundessozialminister Franz Müntefering (SPD). Den Genossen war das Projekt von Anfang an kein Herzensanliegen. Sie ließen "Münte" aber nicht im Regen stehen, zeigten letztlich mit deutlicher Mehrheit "Einsicht in die Notwendigkeit", wie es ein SPD-Abgeordneter formulierte. Müntefering nannte die Reform aus demographischen Gründen unabwendbar. Heute arbeiteten die Menschen kürzer, bezögen aber länger Rente als noch vor wenigen Jahrzehnten. Außerdem fehlten künftig Beitragszahler. Gleichzeitig räumte Müntefering jedoch ein, dass nicht jeder bis 67 Jahre arbeiten könne. Mit Prävention und aktivem Arbeitsschutz würden sich die Belastungen aber verringern lassen.

Früherer Renteneintritt nur mit hohen Abschlägen

Die SPD lässt in einer Arbeitsgruppe derzeit Vorschläge erarbeiten, wie Härten durch die Neuregelung abgefedert werden können. Müntefering musste auch zugeben, dass bei einem weiter möglichen Renteneintritt erhebliche Einbußen zu erwarten sind - künftig droht dann ein Minus von bis zu 14,4 Prozent. Nötig sei deshalb mehr betriebliche und private Altersvorsorge.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Sozialverbände richten ihre Hoffnung auf eine Revisionsklausel im Jahr 2010. Falls dann nicht genügend Beschäftigung von über 55-Jährigen erreicht sei, müsse die Rente mit 67 ausgesetzt werden, meinten DGB, SoVD und VdK. Die Wirtschaft unterstützt die Neuregelung hingegen und will noch mehr. "Die Rente mit 67 darf nicht das Ende der Reformen in der Rentenversicherung bedeuten", hieß es Wirtschaftskreisen.

spi/AP/Reuters

Altersgrenze

Die Altersgrenze für die Altersrente wird ab 2012 schrittweise von 65 auf 67 Jahre heraufgesetzt. Die Anhebung geschieht zunächst um einen Monat pro Jahr (65 bis 66), ab 2024 um zwei Monate pro Jahr (66 bis 67). Arbeitnehmer der Jahrgänge ab 1964 können damit künftig erst mit 67 Jahren ohne Abschläge in Rente gehen.

Abschlag

Arbeitnehmer können frühestens ab dem 63. Lebensjahr in Rente gehen. Bisher lag der Korridor zwischen 60 und 65 Jahren. Bei vorzeitigem Rentenbeginn müssen die Versicherten allerdings weiter einen kräftigen Abschlag von 0,3 Prozent pro Monat in Kauf nehmen. Wer also mit 63 statt mit 67 in den Ruhestand geht, dem wird die Rente um 14,4 Prozent gekürzt - und das lebenslang.

Beamte

Die Maßnahmen der Rentenversicherung sollen wirkungsgleich auf das Versorgungsrecht der Beamte übertragen werden. Auch bei anderen Rentenarten wird das Zugangsalter angehoben, für schwerbehinderte Menschen etwa von 63 auf 65 Jahre.

Beitragssatz

Der Beitragssatz zur Rentenversicherung soll bis zum Jahr 2020 die Marke von 20 Prozent und bis zum Jahr 2030 von insgesamt 22 Prozent des Bruttoverdienstes nicht überschreiten.

Initiative 50 Plus

Das Gesetz zur Rente mit 67 wird flankiert von der Initiative 50 Plus, mit der die Bundesregierung den Anteil Älterer auf dem Arbeitsmarkt erhöhen möchte. Diese setzt auf eine Mischung aus Kombilöhnen, Eingliederungszuschüssen, Weiterbildung und diversen Fördermaßnahmen.

Langjährig Versicherte

Langjährig Versicherte die mindestens 45 Jahre Pflichtbeiträge in die Rentenversicherung eingezahlt haben, sollen weiterhin ohne Abschläge mit 65 Jahren Altersrente beziehen können. Selbstständige Tätigkeiten und Kindererziehungszeiten werden angerechnet. Davon sollen vor allem Arbeiter und Handwerker profitieren, die meist schon in jungen Jahren eine Lehre begonnen haben. Gewerkschaften und Arbeitgeber kritisieren die Regelung als ungerecht, weil sie Langzeitarbeitslose, Frauen und Erwerbsgeminderte benachteilige.

Rentenniveau

Das Rentenniveau - also das Verhältnis einer durchschnittlichen Rente zum Durchschnittseinkommen - soll bis 2020 nicht unter 46 Prozent sinken. Bis 2030 soll es nicht unter 43 Prozent fallen.


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