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Nahles-Nachfolge: Weil keiner den Job will, könnte am Ende diese Frau SPD-Chefin werden: Wer ist Simone Lange?

In der SPD reißt man sich nicht gerade um die Nachfolge von Andrea Nahles als Partei-Vorsitzende. Kaum jemand hat sich in den letzten Jahren lange auf dem Posten gehalten. Nur eine hat sich bislang bereiterklärt, den Job zu machen: Simone Lange.

Simone Lange ist Flensburger Oberbürgermeisterin und die bislang einzige Kandidatin, die sich den SPD-Vorsitz wohl antun würde

Simone Lange ist Flensburger Oberbürgermeisterin und die bislang einzige Kandidatin, die sich den SPD-Vorsitz wohl antun würde

DPA

Abschreckende Beispiel gibt es genug. Andrea Nahles, Martin Schulz, Franz Müntefering. Sie alle haben sich höchstens 15 Monate als SPD-Vorsitzende gehalten. Kein Wunder, dass das aktuelle Spitzenpersonal der Partei zügig absagt, wenn es um die Nachfolge von Andrea Nahles geht. Malu Dreyer, Manuela Schwesig, Thorsten Schäfer-Gümbel und Olaf Scholz haben alle schon verkündet, nicht für den SPD-Vorsitz kandidieren zu wollen. Andere halten sich bedeckt.

Von denen mit Chancen auf den Posten hat nur eine ihre Kandidatur bislang nicht ausgeschlossen: Simone Lange. Schon 2018 war die Oberbürgermeisterin von Flensburg (Schleswig-Holstein) gegen Nahles angetreten, als es um den SPD-Vorsitz ging - und hatte die Kampfabstimmung klar verloren.

Wie bereits vor Monaten verbindet die frühere Kriminalpolizistin ihre mögliche Kandidatur mit Forderungen nach einer grundsätzlichen inhaltlichen und organisatorischen Neuausrichtung der SPD hin zu einer sehr viel linkeren Partei mit einem deutlich größeren Einfluss der Basis. "Wo sind die Fragen nach dem bedingungslosen Grundeinkommen? Wo debattieren wir das in der SPD?", fragte sie im Deutschlandfunk.

Simone Lange fordert "neue Wege" in der SPD

Eine "Gemeinwohlökonomie" sei die "Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft" und die SPD "gut beraten, das endlich breit zu diskutieren", ergänzte die 42-Jährige. Dazu müssten zudem offenere Verfahrensweisen in der Partei kommen. Nötig seien "neue Wege", um Mitglieder ernsthaft an Entscheidungen zu beteiligen und Vertrauen bei Anhängern innerhalb und außerhalb der Partei zurückzugewinnen.

Der Niedergang der SPD in den vergangenen Jahren sei auch mit der "Basta-Politik" verknüpft, mit der intern solidarisches Verhalten in der Partei eingefordert worden sei, sagte Lange. Die SPD müsse sich öffnen, forderte sie. Geboren wurde Lange in Rudolstadt in Thüringen, lebt aber schon lange in Schleswig-Holstein. Die verheiratete Mutter zweier Kinder zog 1995 für ein Verwaltungsstudium im Fachbereich Polizei in den hohen Norden. Sie arbeitete 13 Jahre lang als Kriminalpolizistin in Flensburg und engagierte sich bei der SPD auf regionaler Ebene.

Seit 2016 Oberbürgermeisterin von Flensburg

2012 ging sie für ihre Partei dann als Abgeordnete in den Kieler Landtag, war dort polizeipolitische Sprecherin der Fraktion. 2016 gewann sie die Direktwahl für das Amt der Oberbürgermeisterin von Flensburg als Kandidatin von SPD, CDU und Grünen mit absoluter Mehrheit.

Erst ihre Bewerbung um den SPD-Parteivorsitz im Februar vorigen Jahres brachte Lange überregionale Aufmerksamkeit. Damals hatte die SPD-Führung nach dem Abgang des Parteivorsitzenden Martin Schulz zwischenzeitlich geplant, Bundestagsfraktionschefin Andrea Nahles zur kommissarischen Parteivorsitzenden zu erklären. Lange kritisierte dies scharf, forderte eine Urwahl und brachte sich auch selbst als Kandidatin in Position.

Achtungserfolg gegen Nahles

Auf dem SPD-Parteitag im April 2018 trat Lange schließlich gegen Nahles als Bewerberin um den Parteivorsitz an. Sie scheiterte zwar, erreichte aber mit knapp 28 Prozent einen Achtungserfolg, während Nahles mit 66 Prozent nur ein mageres Ergebnis einfuhr. Lange verband ihre Bewerbung damals unter anderem mit scharfer Kritik an der Agenda 2010 von Ex-SPD-Kanzler Gerhard Schröder und den Hartz IV-Gesetzen sowie Forderungen nach einem Grundeinkommen. Zudem kämpfte sie gegen die Neuauflage der Großen Koalition im Bund.

Im vergangenen Herbst beteiligte Lange sich an der Gründung der von Linken-Bundestagsfraktionschefin Sahra Wagenknecht initiierten Sammlungsbewegung "Aufstehen". Außerdem gehörte sie damals auch zu den Unterzeichnern einer Erklärung linker SPD-Politiker, die den Rücktritt der SPD-Führung sowie einen sofortigen Sonderparteitag über einen Ausstieg aus der Koalition mit der Union forderten.

Ist Langes Zeit gekommen?

Nun sieht die Oberbürgermeisterin mit dem linken Ansatz erneut die Zeit gekommen, sich in der Debatte um die Zukunft der SPD zu Wort zu melden. "Wir haben nicht mehr viel Platz nach unten", sagte sie im Deutschlandfunk mit Blick auf die Umfragewerte der SPD. Dabei gehe es nicht mehr um eine einzelne Personalfrage, sondern um die "beste inhaltliche Idee für die Sozialdemokratie" und eine neue Führungsriege. Ob sie selbst kandidiere, sei dabei jetzt "nicht die Frage".

tkr mit AFP