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Rente mit 67: Pech für Jahrgang '64

Von 2012 wird das Rentenalter schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Hart trifft das vor allem die heute 30-45-Jährigen: Sie müssen überdurchschnittlich viel einzahlen, arbeiten länger und erhalten weniger Rente als die vorigen Generationen.

Von Karin Spitra

Die Leute leben länger. Es gibt immer mehr Alte und immer weniger Junge. Der Sozialstaat wuppt diesen demographischen Wandel nicht mehr, weil ihm die jungen Zahler für die vielen Alten fehlen. "Ändert sich am jetzigen Geburten-/Lebensalterverhältnis nichts, kommen im Jahr 2030 schon 50 Menschen im Alter von 65 und mehr auf 100 Menschen im Alter von 20 bis 65 Jahren," sagt Alexander Gunkel, Vorstand der Deutschen Rentenversicherung Bund, " - derzeit liegt das Verhältnis noch bei 32 zu 65." Deshalb haben sich die Regierungsparteien schon im Koalitionsvertrag darauf festgelegt, dass zur Stabilisierung der Rentenversicherung ab 2012 das Renteneintrittsalter schrittweise angehoben wird, bis es ab 2029 generell bei 67 Jahren liegt. Jetzt hat das Bundeskabinett Nägel mit Köpfen gemacht und die "Rente mit 67" beschlossen. Betroffen sind alle Jahrgänge ab 1964.

Ab 2012 ein Monat länger arbeiten

Ab 01.01.2012 werden alle Jahrgänge, die in Rente gehen, einen Monat länger arbeiten müssen. Für Angehörige des Jahrgangs 1947 bedeutet dies, dass sie 2012 mit 65 Jahren und einem Monat in Rente gehen. Die schrittweise Anhebung bedeutet für sie also eine um einen Monat verlängerte Arbeitsperiode. Die Jahrgänge von 1958 abreiten dann bereits ein Jahr mehr - für sie liegt das Renteneintrittsalter bei 66 Jahren. Die schrittweise Anhebung legt dann zwischen 2024 und 2029 einen Zahn zu: Ab dann steigt sie jedes Jahr mit Zweimonatsschritten. Damit gehört der Jahrgang der 1964er zu den Ersten, die regulär mit 67 ohne Abschläge in Rente gehen können.

Langjährig Versicherte, die schon 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben, dürfen auch mit der neuen Gesetzeslage schon mit 65 Jahren und ohne Abschläge in den Ruhestand. Dabei werden auch die Zeiten von Kindererziehung und Selbstständigkeit angerechnet. Derzeit sieht die Realtiät allerding so aus, dass nur 27 Prozent der Männer und vier Prozent der Frauen mit 45 Beitragsjahren in Rente gehen - alle anderen nehmen zum Teil kräftige Abschläge für ihren früheren Eintritt in Kauf.

"Abschläge sind keine Strafe"

"Diese Rentenabschläge sind allerdings keine 'Strafe' für den vorgezogenen Rentenbeginn, sondern ein versicherungsmathematisch berechneter Ausgleich für die längere Rentenbezugszeit jener, die schon vor Erreichen der Regelaltersgrenze in Rente gehen," erläutert Gunkel. Für die Rentenkasse heißt dies mehr zahlen: Erlässt man bestimmten Personengruppen trotz vorzeitigem Rentenbeginn die Abschläge, so stellt man diese Gruppe gegenüber der übrigen Solidargemeinschaft besser. "Diese Bekünstigten erhalten also für jeden Beitragseuro im Schnitt eine höhere Gegenleistung als der Rest der Versicherten," so Gunkel. In Zukunft können langjährig Versicherte frühestens mit 63 Jahren (bisher 60 Jahre) in Rente, ihnen wird dafür ein maximaler Abschlag von 14,4 Prozent abverlangt.

Mit dieser für spätere Jahrgänge vielleicht bitteren Verlängerung der Lebensarbeitszeit will die Regierung aber auch die weitere Entwicklung der Rentenkassen steuern. Während das künftige Leistungsniveau durch die Reform deutlich niedriger ausfallen wird, kann der sonst erforderliche Beitragsanstieg deutlich abgemildert werden. "Noch Ende der 80er Jahre haben Vorausberechnungen ohne Reformmaßnahmen für 2030 einen Beitragssatz von 40 Prozent - oder höher - gesehen," erinnert Gunkel. Zwar wird der Rentenbeitrag zum 1.1.2007 noch einmal auf 19,9 Prozent steigen, doch dort soll er bis 2020 dann auch bleiben. Und auch bis 2030 soll er keinesfalls über 22 Prozent des Bruttoverdienstes steigen.

Faktisch schrumpfende Renten

Dafür soll die Rentenhöhe - so zumindest rechnet die Bundesregierung - bis 2020 um 1,4 Prozent im Jahresdurchschnitt steigen. Bei einer höheren Inflationsrate heißt das nichts anderes, als dass die Rente schrumpft. Dennoch soll die Rentenhöhe bis 2020 nicht unter 46 Prozent (bis 2030 nicht unter 43 Prozent) des derzeitigen Durchschnittseinkommens fallen. Angesichts dieser Prognosen, die eintreten können, aber nicht müssen, steht nur eins fest: "Künftig werden alle länger arbeiten müssen," so Gunkel.

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