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SCHULE: Gute Schüler haben Angst vorm Strebervorwurf

Aus Angst, als Streber diffamiert zu werden, schöpfen gute Schüler und insbesondere leistungsstarke Mädchen ihr vorhandenes Leistungspotenzial oft nicht aus. Das ergab eine Studie Chemnitzer Soziologen.

Aus Angst, als Streber diffamiert zu werden, schöpfen gute Schüler und insbesondere leistungsstarke Mädchen ihr vorhandenes Leistungspotenzial oft nicht aus. Auf Dauer würden sie sogar leistungsschwächer, haben Chemnitzer Soziologen laut einer Mitteilung der Technischen Universität herausgefunden. Anders als in Nordamerika, wo gute Schulleistungen die Anerkennung in der Klasse erhöhten, würden sie in deutschen Klassen eher vermieden, um die Anerkennung der Klasse zu erhalten, hieß es.

Strebervorwurf ein deutsches Phänomen

In der Untersuchung gehen die Wissenschaftler der Frage nach, warum der Streber-Vorwurf gerade in Deutschland so verbreitet ist. Für eine internationale Vergleichsstudie wurden den Angaben zufolge 650 deutsche, 500 kanadische und darüber hinaus 400 israelische Schüler befragt. Bei der Auswertung zweier Pilotstudien habe man festgestellt, dass hier zu Lande herausragende Leistungen im Mathematikunterricht vor allem von begabten Mädchen vermieden würden, um nicht als »Streber« oder »Schleimer« zu gelten.

Dies schlage sich in den Noten nieder. »Mädchen könnten im Matheunterricht viel besser sein als Jungen, aber sie haben zu wenig Selbstvertrauen und fürchten sich stärker davor, als Streber zu gelten«, heißt es in der Mitteilung der TU Chemnitz. Bei den Jungen spiegele sich das objektive Leistungsvermögen dagegen viel eher in den tatsächlich erreichten Noten wider, Streberangst sei dabei nicht so ausgeprägt.

Erklärung für das schlechte Pisa-Abschneiden?

Die Untersuchung der Chemnitzer Soziologen wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und ist Bestandteil des DFG-Schwerpunktprogramms »Die Bildungsqualität von Schule«. Die Ergebnisse lieferten eine mögliche Begründung für das vergleichsweise schlechte Abschneiden deutscher Schüler bei der internationalen Pisa-Studie, die über das bislang Diskutierte hinaus reiche, hieß es.

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