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stern-spezial Oskars: Wir sind die Zukunft

»The Millennials« - so nennen amerikanische Wissenschaftler die Jugendlichen, die kurz nach der Jahrtausendwende die High School verlassen. In zwei Jahrzehnten bestimmen sie, wie die Welt aussieht. Oskars wollte wissen, wie sie sich ihr Leben im Jahr 2020 vorstellen

Die Zukunft? Das haben wir schon zu oft gelesen: Im Jahr 2020 ist die Welt voll von einsamen Menschen, die ihr Leben mit tragbaren Mini-Computern regeln. Gewalt und Drogen gehören zum Alltag wie Überbevölkerung und Umweltverschmutzung. Der einzige Ausweg scheint der Sprung aus dem Fenster. Oder? Stimmt nicht: Amerikanische Jugendliche haben keine übermäßige Angst vor übermorgen. Im Gegenteil: Sie sind sogar viel optimistischer als die so genannte Generation X vor zehn Jahren. Das belegen Neil Howe und William Strauss in ihrem Buch »Millenial Rising - The Next Great Generation«. Danach sind zwei Drittel der US- Teenager zuversichtlich, was ihr späteres Leben angeht. Dass sie für ihre Träume hart arbeiten müssen, ist ihnen klar - aber das nehmen sie für ihr Ziel in Kauf. Und das ist für viele dasselbe wie für Ari Joseph, den Oskars in New York befragte : »Ich möchte irgendwann einmal die Freiheit haben, zu tun, was ich will und wann ich es will.«

Don¿t worry, be happy? Nein, grenzenloser Optimismus gilt selbst im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht: »Meine schlimmste Angst ist, ohne Familie und ohne Job zu enden«, sagt Sarah Ann Laszlo aus Montana, und sie ist damit nicht allein: 43 Prozent der US-Jugendlichen sorgen sich um ihren zukünftigen Job. »Sie haben nicht Angst, gar keine Arbeit zufinden«, erklärt Thomas Devlin, Leiter des Karriere-Zentrums an der kalifornischen Uni Berkeley, »sondern, dass sie vielleicht keinen Beruf finden, der sie befriedigt.« Luxussorgen? Nein: Amerikas Teens haben nur begriffen, dass sie ihr halbes Leben im Job verbringen - und da möchten sie eben nicht unglücklich sein. Für die andere Hälfte haben sie im Kopf schon vorgesorgt. Teamgeist und Familie sind angesagt, aus einfachem Grund: Eigennutz und übersteigerter Individualismus seien Hauptursache für gesellschaftliche Probleme wie Gewalt oder Vereinsamung. Sagen die »Millenials«. Sagt auch Kali Monroe aus Duvall bei Seattle: »Ich habe Angst vor Kids, die sich gegenseitig umbringen, weil sich ihre Eltern nicht genug um sie kümmern.« Sie will daher nur arbeiten, wenn genug Zeit für die Familie bleibt.

Zurück zu alten Werten also? Immerhin: Ein Drittel aller US-Jugendlichen hält sich selbst für konservativ - mehr als doppelt so viele wie in der Generation ihrer Eltern. Und fast alle Oskars-Jugendlichen träumen von einer Familie mit Kindern und einem Haus am Meer. Aber ins Ausland wollen sie häufiger reisen als ihre Eltern und mehr Sprachen lernen. LeMinh Ho aus Kalifornien sagt warum: »Wir müssen offener werden, unsere Gesellschaft bleibt sonst stehen.« Und trifft damit den Punkt: Die Zukunft im Jahre 2020 ist nicht abhängig von Vorhersagen. Es liegt an jedem selbst, was er daraus macht. Die Zukunft gehört uns.

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