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Shell Concept Car Kleine Knutschkugel für die Überbevölkerung

Im Inneren bietet die Kugel überraschend viel Platz.
Im Inneren bietet die Kugel überraschend viel Platz.
© Shell
Megastädte und Überbevölkerung - dieses Chaos soll ein Auto im Isetta-Stil bewältigen. Der Motor? Ein Verbrenner! Denn Shell steckt hinter dem Projekt.

Es gibt rund 7 Milliarden Menschen auf der Welt. Die Hälfte davon lebt in der Stadt, 80 Prozent der Weltbevölkerung ist überhaupt nicht mobil. Bis zum Jahr 2050 wird sich die Zahl der Erdenbewohner auf 9 Milliarden erhöhen. Dreiviertel davon leben dann in Städten. Für all jene, die ein Effizienzwunder für die City suchen, hat der Mineralölkonzern Shell über mehrere Jahre in Kooperation mit dem Formel-1-Designer Gordon Murray ein Sparfahrzeug der Zukunft für die Großstadt entwickelt: Das Shell Stadtauto mit drei Sitzen und Verbrennungsmotor.

 

In Shalford/England ist das Gordon Murray Design (GMD) Office ansässig. Die Denkschmiede ist hermetisch abgeriegelt, ohne Sicherheitscheck gibt es keinen Einlass. Hier werden Zukunftsvisionen realisiert. Während des Briefings für die folgende Testfahrt mit dem Shell Concept Car wird unter anderem auf Notausgänge im Gebäude hingewiesen. Nach der Einweisung geht es zum Dunsfold Aerodrome Flugplatz. Eine weitere Sicherheitskontrolle folgt. Auf einem abgesperrten Areal steht er dann: der Mini-Flitzer.

Nein, es ist kein 1000-PS-Sportwagen. Das Zukunftsauto sieht aus wie ein Osterei. Der erste optische Eindruck begeistert, der Kleinstwagen zieht sämtliche Blicke auf sich. Kultig und witzig reicht aber nicht. Kann man damit auch fahren?

2,64 Liter Benzin Realverbrauch sind sehr gut, werden es aber gegen Zero-Emission-Vehikel schwer haben.
2,64 Liter Benzin Realverbrauch sind sehr gut, werden es aber gegen Zero-Emission-Vehikel schwer haben.
© Shell

Zum Einsteigen für die Testfahrt wird die komplette Front angehoben. Es regnet in England. Der Passagier wird erst mal nass. Vorne ein Sitz, hinten zwei. Ausreichend Platz für 3 Erwachsene ist vorhanden. Der äußere Eindruck lässt das nicht vermuten. Das Kofferraumvolumen beträgt bis zu 720 Litern, der Stauraum reicht für eine Urlaubsfahrt. Sagenhaft. Das Auto ist wendig und agil, die Rundumsicht super. Sogar eine Start-Stopp-Automatik ist vorhanden. Es gibt eine Halbautomatik, Schaltwippen am Lenkrad fehlen ebenso wenig wie Sicherheitsgurte. Der Scheibenwischer quietscht, sonst agiert der Motor fast lautlos. Der Passagier fühlt sich wie in einem kleinen Space-Shuttle. Die Beschleunigung ist so rasant, dass automatisch ein Grinsen ins Gesicht gezaubert wird. Um nicht abzuheben mit dem Concept Car, fahren wir keine Höchstgeschwindigkeit. Der Spaßfaktor ist groß, der Praxistest bestanden.

 

Was hat Shell zu solch einem Projekt veranlasst? Basis des Konzeptautos ist das Leichtfahrzeug T25, das Murray bereits 2010 der Öffentlichkeit präsentierte. Gordon Murray verfügt über eine produktive Kfz-Design-Gruppe, als Berater Japan Motor Geo Technologie und Shell. Der Beitrag des Mineralölkonzerns betrifft hauptsächlich die Schmierstoffe. Der Verbrauch zu konventionellen Produkten soll durch spezielle Leichtlauföle um rund 5 Prozent gesenkt werden. Aus diesen Erkenntnissen werden im Konzern zukünftige neue Öle entwickelt. Eine Serienproduktion des Shell Concept Cars ist nicht geplant.

 

Mit einem Gewicht von 550 Kilogramm handelt es sich um ein Fliegengewicht. Günstige recycelte Kohlenstofffaser beim Fahrgestell ist das Pendant zu einem aus Stahl gefertigten Fahrzeug. Fast das ganze Auto kann wiederverwertet werden. Eine Reihe von Komponenten wurde nach dem patentierten Herstellungsprozess i-Stream produziert, der in der Formel 1 verwendet wird. Zusätzlich stammt eine ganze Reihe Teile aus dem 3D-Drucker. Die Kosten für den Prototyp belaufen sich dadurch laut Shell auf nur rund ein Viertel eines herkömmlichen Fahrzeuges. 

Die Sicherheit und das Design resultieren aus den Erfahrungen aus der Formel 1. Zur Motorisierung ist ein 660-cc-Reihendreizylinder-Motor von Mitsubishi verbaut, dieser wurde allerdings stark überarbeitet. Der Motor sitzt unter dem winzigen Kofferraumboden und treibt die Hinterräder an. Unabhängige Tests und eine Lebenszyklusstudie zeigen laut Shell eine 34-prozentige Reduktion des Primärenergieverbrauchs über den gesamten Lebenszyklus im Vergleich zu einem typischen Stadtauto. Pro 100 Kilometer soll der Wagen 2,64 Liter Benzin verbrauchen bei einer Höchstgeschwindigkeit von rund 156 km/h. Beschleunigt wird in 15,8 Sekunden von 0 auf 100, beim Test genügten schon 60 km/h für einen Adrenalinstoß. 

Shell Technologie und Innovation Manager Bob Mainwaring erklärt, dass derzeit zirka 20 Prozent einer Tankfüllung zur Überwindung der Reibung verwendet wird. Spezielle Schmierstoffe ermöglichen eine Reduzierung von rund 5 Prozent auf 15 Prozent Reibung ohne übermäßigen Motorverschleiß. 5 Prozent Reduktion der inneren Reibung seien ein riesiger Fortschritt. Die Entwickler rechnen auf Gesamtgewinne in Bruchteilen von Prozenten. Die Zukunft wäre die Zusammenarbeit zwischen Ingenieuren der Motoren und der Schmiermittel, hier sind erhebliche Produktionssteigerungen realisierbar, sagt Mainwaring.

Jutta Bernhard/MID

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